"Katzen BARFen" von Petra von Quillfeldt



  • Titel: Katzen BARFen

    Autorin: Petra von Quillfeldt

    Verlag: Oertel+Spörer

    Erscheinungsdatum: 07.10.2015

    Auflage: im Buch nicht angegeben (Kauf Januar 2017)

    Seitenzahl: 88 Seiten

    Preis: 9,95 €




    Dieses Barfbuch wendet sich an Einsteiger in die Thematik und soll besonders einfach zeigen, wie Katzenbarf funktioniert. Dafür verwendet das Buch eine leicht verständliche Sprache und kommt ohne umständliche Fachbegriffe aus.



    Dem Buch ist eine übersichtliche Gliederung vorangestellt. Es beginnt mit ein paar Grundlagen der Besonderheiten der Katzenernährung und arbeitet sich weiter vor bis zur Zubereitung des Futters. Dabei werden die einzelnen benötigten Nährstoffe erwähnt und mit einer festen Bedarfsangabe versehen. Ebenso bekommt der Leser Gerätschaften genannt, die er für die Zubereitung benötigt und erhält am Ende zwölf fertige Rezepte.



    Positive Aspekte:

    Durch die einfache Sprache wird der Leser nicht von Fachbegriffen abgelenkt, sondern kann sich auf den Inhalt konzentrieren.


    Die benötigten Nährstoffe werden nacheinander erklärt.


    Die katzenspezifischen Ernährungsbesonderheiten (Scherengebiss, fehlende Amylase, Proteinstoffwechsel und weitere) werden aufgeführt.


    Der Fokus liegt hier auf den Supplementen natürlichen Ursprungs, die zwar durchaus in Pulverform vorliegen können (z. B. Eierschalenmehl), deswegen aber noch keine synthetischen Pülverchen sind.



    Negative Aspekte:

    Das Buch wirkt insgesamt sehr unübersichtlich, da ständig Fließtext durch Info-Kästen zerrissen wird, was zur Folge hat, entweder den Kasten erst einmal zu überspringen oder aus dem Gedankenfluss rausgerissen zu werden. Außerdem ist das Schriftbild sehr klein gehalten und die serifenlose Schriftart erschwert das Lesen zusätzlich.


    Die Schreibweisen BARF und BARFen in Großbuchstaben sind anstrengend zu lesen und stören den Lesefluss. Zumal sich die Verwendung der Wörter als Substantiv und Verb völlig eingebürgert hat und damit eine Großschreibung mehrerer Buchstaben unnötig ist.


    Es wird immer wieder von „der BARF-Methode“ gesprochen, was den Eindruck vermittelt, als handele es sich hierbei um die einzig richtige Möglichkeit Katzen roh zu ernähren.


    Die Autorin weist darauf hin, dass Hausschwein schon lange frei vom Aujeskzy-Virus ist, nur um dann auf Wildschwein zu verweisen und vollständig pauschal von der Verfütterung von Schwein abzuraten.


    Ebenfalls wird die Nutzung von Komplettsupplementen (z. B. Felini complete) nur kurzfristig angeraten, weil diese nicht natürlichen Ursprungs sind. Dass diese Präparate aber auch Nährstoffe mit sich bringen, die beim Barfen nicht gesondert supplementiert werden und deswegen immer mal wieder ein Komplettpräparat im Einsatz eher positiv ist, lässt sie dabei völlig außen vor. Ich begrüße den Fokus der Supplemente natürlichen Ursprungs, dennoch sind sie nicht das einzig Richtige.


    Des Weiteren wird erwähnt, dass bei einer „akuten oder chronischen Erkrankung, die eine Diät erfordert, die mit der Rohfütterung nicht abgedeckt werden kann, wie z. B. eine Nierendiät, die eiweiß- und phosphorreduziert ist …“ (Zitat s. S. 59) eine Umstellung auf Barf nicht gelingt. Was absolut nicht stimmt, denn man kann auch Nierendiät mit Barf herstellen. Eiweißreduktion bei Katzen ist nie gesund, auch wenn es stimmt, dass man nicht mehr verfüttern sollte als nötig ist. Zum Ausgleich werden im selben Satz Kohlenhydrate verwendet (s. S. 59), obwohl im Abschnitt über Kohlenhydrate (S. 21) noch darauf hingewiesen wurde, dass Nierenerkrankungen und Diabetes mögliche Folgen überhöhter Kohlenhydratzufuhr sein können. Auch wenn sie im Zusammenhang mit der Nierendiät nicht von überhöhten Mengen gesprochen hat, erwähnt die Autorin dort nicht im Geringsten die Erhöhung des Fettgehaltes, der der natürlichen Katzennahrung näher kommt, den Eiweißgehalt im Futter auch senkt und zugleich aber keine solche Belastung der Nieren nach sich ziehen kann.


    Gleich darauf erwähnt die Autorin ebenfalls, dass bei einer Herzerkrankung und darunter durchgeführter Entwässerung eingeweichter Reis zur Unterstützung der Entwässerung gegeben werden kann. Erneut bringt sie Kohlenhydrate ins Spiel, wo bereits Herzerkrankungen immer die Gefahr von Nierenerkrankungen bedeuten, weil es große Wechselwirkungen zwischen beiden Organen gibt.


    Im Übrigen empfiehlt die Autorin sich kompetent beraten zu lassen und bei akuten oder chronischen Krankheiten individuelle Rezepte erstellen zu lassen, was für mich heißt, sie rät erneut vollständig davon ab, in einem solchen Fall selbst das Futter herzustellen, sondern dies nur nach Berechnung durch einen Ernährungsberater zu tun. Dass diese Berufsbezeichnung nicht geschützt ist und es dadurch keine einheitlich geregelten Prüfungen von Instituten wie einer Handelskammer gibt, bedeutet, dass es keine objektive Qualitätsprüfung der Ernährungsberater gibt. Ein Laie kann niemals beurteilen, ob die vom Berater erstellten Rezepte tatsächlich katzentauglich sind.


    Um hygienisch zu arbeiten, wird im Buch zu Kunststoff- statt Holzbrettern geraten, da diese sich leichter reinigen lassen. Tatsächlich ist es umgekehrt, das Holz mit seiner Gerbsäure ist hygienischer, während die feinen Schnitte, die Messer im Kunststoff hinterlassen, nie gänzlich gereinigt werden können.


    Da herkömmliches Futter weniger schnell sättigt wie das hochwertige Rohfutter, rät die Autorin im Buch, wenn die Katzen in der Umstellungsphase nach ihrer berechneten Fressmenge noch nicht satt sind und nach weiterem Futter betteln, zu etwas mehr Wasser im Futter, das den Magen füllen und somit den Hunger stillen soll. Warum sie die Katzen nicht einfach fressen lassen möchte bis sie satt sind, ist mir unklar - bei einem gesunden Sättigungsgefühl wird die Fressmenge sich von selbst legen.


    Im praktischen Teil des Buches wird erwähnt, dass nur jede dritte Mahlzeit mit Knochen erfolgen soll, um Knochenkot zu vermeiden. Wie die anderen beiden dann hinsichtlich der entfallenden Phosphat- und Calciumbedarfsdeckung aussehen, wird an dieser Stelle aber nicht gesagt.


    Ebenso führt die Autorin zur Calciumdeckung nicht nur Eierschale, sondern auch Knochenmehl auf. Knochenmehl bringt Calcium mit sich, aber anders als Eierschale auch einen guten Anteil an Phosphat, was die Autorin hier nicht erwähnt.


    Für Eisen führt sie in diesem Zusammenhang ausschließlich Blut auf, keinerlei Alternativen, nicht einmal Fortain (das später jedoch noch Erwähnung findet) oder Blutmehl.


    Das Fortain wird dann jedoch als getrocknetes Schweineblut bezeichnet, was ebenfalls nicht korrekt ist. Fortain ist nur das Hämoglobin, der Blutfarbstoff und somit Eisenlieferant. Alle weiteren Nährstoffe, die im Blut zu finden sind, sind im Fortain nicht enthalten. Das wäre bei Blutmehl der Fall. Diese Differenzierung liegt jedoch nicht vor.


    Für die Deckung von Vitamin E wird Maiskeimöl empfohlen (S. 67), etwas später ist dann jedoch von Weizenkeimöl die Rede (S. 72). Zum einen ist Weizenkeimöl nicht ideal zur Deckung, da relativ große Mengen davon benötigt werden. Zum anderen erwähnt die Autorin in diesem Zusammenhang, dass bei der Verwendung von Vitamin-E-Tropfen (die einen höheren Vitamingehalt als Weizenkeimöl haben) der Fettbedarf verändert wird. Der Fettbedarf sollte beim Katzenbarf aber unbedingt über tierische Fette gedeckt werden.


    Laut der Angabe auf S. 69 reichen normalerweise für Katzen zwei Mahlzeiten am Tag. Was der natürlichen Ernährung völlig widerspricht, da die Beutetiere von Katzen so klein sind, dass sie oft viel mehr Mahlzeiten am Tag fressen.


    Es fehlen weitere Differenzierungen, die gerade Anfängern nicht klar sein können, die ohnehin schon mit einer enormen Fülle an Information konfrontiert werden.


    Als Alternative führt die Autorin Fertigbarf an. In den meisten Fällen ist dieses aber absolut nicht katzengeeignet zusammengesetzt, was ein Anfänger aber noch überhaupt nicht beurteilen kann.


    Bei der Aufführung der Nährstoffe (S. 43 – 46) werden für jeden nur feste Bedarfswerte geäußert, keine Bereiche. Die Autorin erwähnt zwar zwischendurch immer mal auf welche Werte sie sich gerade stützt, dennoch gibt es nicht nur einen festen Bedarf, sondern diese unterscheiden sich bisweilen massiv. Auch dies ist für einen Anfänger sehr verwirrend, wenn er nach dieser Lektüre auf andere Werte stößt, weil hier die Differenzierung fehlt.


    Die Aussage zu Beginn des Buches, dass Katzen sich „ausschließlich von Fleisch und sehr wenigen vorfermentierten pflanzlichen Bestandteilen“ (s. S. 12) ernähren, erzeugt den Eindruck, dass zusätzliche Nährstoffe nicht nötig sind.


    Im Abschnitt zur Umstellung auf Barf erwähnt die Autorin, dass „bis zu 20 % des Tagesbedarfs an Nahrung mit rohem und ohne Nährstoffe versetztem Fleisch“ (Zitat s. S. 56) ersetzt werden können. Das bisherige Katzenfutter würde den Rest ausgleichen. Da Umstellungen nicht unbedingt nur eine Woche dauern, sondern sich auch über Monate ziehen können, ist diese Aussage schlicht falsch.


    Auf den Seiten 44/45 wird Gänseleber als sehr reich an Vitamin A aufgeführt. Gerade diese Tierart liefert aber im Vergleich zu anderen eher einen geringeren Gehalt (was nicht bedeutet, dass man Gänseleber nicht verfüttern sollte, diese Information ist einfach nur nicht korrekt).


    Es gibt Widersprüche zum Vitamin-D-Gehalt von Forelle. Auf S. 45/46 wird diese als reich an Vitamin D geführt, auf S. 51 dagegen als „mit einem niedrigen Gehalt“ angegeben.


    Vor den zwölf Rezepten, die aufgelistet sind, gibt es eine dreiseitige Einleitung, was bei der Umsetzung dieser zu beachten ist. Nichts, das sonderlich anfängerfreundlich ist.


    Die Autorin erwähnt bereits zu Beginn des Buches, dass es „ohne komplizierte Rechenformeln auskommt“ (s. S. 10). Leider wird überhaupt nicht erklärt, wie man Barf berechnet. Es wird nur ausgeführt, wie man das Futter mischt (also die praktische Umsetzung mit den einzelnen Nahrungsbestandteilen) und zwölf Rezepte geliefert. Alles Weitere scheint Anfänger zu überfordern. Dabei ist dies einer der wichtigsten Aspekte, um verantwortungsbewusst ernähren zu können. Wenn sich Katzenbesitzer immer nur auf die Zusammensetzung verlassen sollen, die ihnen vorgegeben wird, können sie nie nachvollziehen, ob das tatsächlich geeignet ist, denn ohne Wissen keine Kontrolle.



    Fazit:

    Dieses Buch ist meiner Ansicht nach für Anfänger absolut ungeeignet. Es hat zwar einen leichten sprachlichen Stil, was suggeriert, dass alles gut verständlich erklärt wird. Leider steht nur überhaupt nicht drin, wie man Barf berechnet. Dem Aufdruck „Expertenwissen Katzenernährung“ wird dieses Buch mit seinen Widersprüchen und all den undifferenzierten Aussagen leider überhaupt nicht gerecht. Selbst wenn der Fokus auf Supplementen natürlichen Ursprungs lobenswert ist, reicht dies nicht aus, dieses Buch als hilfreich für Anfänger einzustufen.


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