Kater anfällig, Zahnentfernung und erhöhter SDMA-Wert

  • Hallo zusammen,


    im Vorstellungsforum habe ich unseren Kater Loki und unsere Katze B.A. gerade schon vorgestellt; hier noch ein paar Details. Wir haben Loki im November 2015 von einem Bauernhof geholt, auf dem mindestens 20 Katzen leben. Da war er ca. 5 - 6 Monate alt. Einige der Katzen waren ordentlich verschnupft, inkl. tränender Augen etc. Loki hatte dann auch prompt Schnupfen und Ohrmilben. Beides haben wir mit Hilfe unserer TÄin mit Ohrpaste, spot-on und sehr leichten Antibiotika-Augentropfen sowie Aufbautabletten in den Griff bekommen. Loki blieb allerdings auch danach noch anfällig - zumindest gefühlt für uns. Gerade im Winter hatte/hat er immer wieder mehrere Tage am Stück, an denen er nießt, seine Augen nicht so gut aussehen und er super anhänglich ist und nur rumliegt. Wir haben das mit TÄin und zwecks zweiter Meinung auch der Tierklinik besprochen und ihn da auch vorgestellt, die Auskunft war, daß ihn der Schnupfen als Kitten mitgenommen hat und sein Immunsystem nie mehr das beste sein wird.
    Er hat sich allerdings jedesmal wieder gut erholt und tobt gerne herum, ist neugierig, frißt immer und ist sehr anhänglich.
    Vor ein paar Wochen haben wir dann festgestellt, daß das Zahnfleisch an den beiden mittleren, kleinen Zähnen im Unterkiefer gerötet war. Wir sind gleich in die Tierklinik, wo es auch eine Spezialistin für Zahnmedizin gibt. Die beiden kleinen Zähne wurden letztlich unter Vollnarkose entfernt, die Entzündung hatte wohl schon den Kieferknochen angegriffen. Laut TÄin sind das geschwächte Immunsystem und Zahnstein die Ursache gewesen - wir sollen als Prävention täglich die Zähne putzen (was Loki nach Gewöhnung mit sich machen lassen wird).
    Im Zuge der Narkose haben wir auch Blut entnehmen und ein geriatrisches Blutbild (s. Anhang) machen lassen. Laut diesem ist der SDMA-Wert leicht erhöht und nachdem ich es heute gesehen habe, ist auch der Glukosewert hoch und die Segmentkörnigen zu niedrig. Die Tierklinik hat im Telephonat allerdings nur den SDMA-Wert angesprochen, mit dem Hinweis, dieser sei nicht sehr stark erhöht und wir sollten in 2 - 3 Monaten ein erneutes Blutbild zur Kontrolle machen lassen.
    Wir haben auch gesagt, daß wir barfen, wobei die TÄin dann erstmal davon ausging, daß wir einfach rohes Fleisch ohne alles füttern. Das konnten wir dann aufklären und es gab auch keinen Versuch, die Erkrankung aufs Futter zu schieben.


    Nachdem ich hier beim Mitlesen gesehen habe, daß es hier auch einiges (untertrieben :) ) an Wissen gibt, hätte ich drei Fragen.


    Ich dachte, Zahnstein beugt man mit dem Füttern von Fleischstücken / ganzen Beutetieren (Küken) ganz gut vor? (wir füttern abwechselnd gewolftes Fleisch und Stücke und abends ein Küken)
    Ist das Blutbild so unauffällig, wie die Klinik meint (von SDMA abgesehen) oder müssen wir uns wg. Glucose / Segmentkörnige Gedanken machen bzw. sollten eine zweite Meinung einholen?
    Was ist eure Meinung zu dem Hinweis, den wir sowohl von Klinik als auch Praxisärztin bezüglich des geschwächten Immunsystems bekommen haben (dauerhaft geschwächt, da Schnupfen als sehr junges Kitten)?


    Loki geht es soweit nach der OP gut, er ist wie vorher, futtert ordentlich, spielt und gewöhnt sich langsam an die Zahnbürste. Es brennt also nicht.


    Danke schon mal im Voraus an euch und viele Grüße
    Sheep2045

  • Zahnstein ist auch Veranlagung. Man kann mit dem Futter nur bedingt was daran machen.
    Es gibt auch Trofu-katzen mit lebenslang makellos weißen Zähnen ohne eine Spur Zahnstein, genauso wie es Barfkatzen gibt, die jährlich den Schmodder von den Zähnen gefräst brauchen. :ka:
    man kann eventuell über die Futterbeschaffenheit ein wenig Einfluss auf die Geschwindigkeit des Zahnsteinaufbaus nehmen, mehr geht m. E.n. nicht.
    Manchmal macht es den Unterschied, das Barf - wie soll ich sagen ?( - katzentauglicher zusammengesetzt ist, und der Speichel deshalb weniger an die Zähne anklebbares enthält/beim Fressen vorfindet.


    Glukose kann bei Katzen unter Stress astronomische Höhen erreichen - wichtig ist der Fructosaminwert. Das ist der langzeitzuckerwert - der ist bei Euch wunderbar im Rahmen.


    Die Verschiebung im weißen Blutbild wird, vermut ich wenigstens, der Zahngeschichte geschuldet sein.
    Und/oder dem Schnupfen.


    SDMA... tja.
    Testet es gelegentlich nach - nur so absolut zuverlässig, wie viele TA behaupten, ist der Wert auch nicht.
    Und er kann gegensätzlich zur Nierensituation sein/sich entwickeln.
    Es gibt ausdiagnostizierte CNI-Katzen, die SDMA -Werte weit unterhalb der Warnschwelle haben - das dürfte es eigentlich nicht geben.
    Genauso völlig gesunde Tiere, die einen einmaligen Ausreißer, manchmal auch dauerhaft überhöhte Werte vorweisen können, ohne das die Niere in irgendeiner Form sonst auffällig diagnostizierbar ist.
    ... irgendwas spielt da noch mit.
    (Sono Niere, Harndichte und U-P/C erzählen deutlich zuverlässiger über die Funktionsfähigkeit der Niere, als dieser 1 Blutwert.)

    Liebe Grüße von SiRu und den Katzingern!
    :computer2: :mkatzen:


    bekennendes Mitglied der BARF-Sekte :boehsebarferz2:



    P.S. Es heißt Supplemente...

  • Vor ein paar Wochen haben wir dann festgestellt, daß das Zahnfleisch an den beiden mittleren, kleinen Zähnen im Unterkiefer gerötet war. Wir sind gleich in die Tierklinik, wo es auch eine Spezialistin für Zahnmedizin gibt. Die beiden kleinen Zähne wurden letztlich unter Vollnarkose entfernt, die Entzündung hatte wohl schon den Kieferknochen angegriffen. Laut TÄin sind das geschwächte Immunsystem und Zahnstein die Ursache gewesen - wir sollen als Prävention täglich die Zähne putzen (was Loki nach Gewöhnung mit sich machen lassen wird).

    Sehr gut, dass ihr gleich gehandelt habt.


    @SiRu hat ja schon was zum Zahnstein geschrieben.
    Ob Zähne putzen hilft, weiß ich nicht.


    Ich kann nur empfehlen, bleibt dran und wenn sich demnächst wieder eine Entzündung zeigt, dann sollen die ZÄ nicht zimperlich sein und lieber ein paar mehr Zähne ziehen.
    1. Weil es wirklich schwer ist, den Zahnstein in den Griff zu bekommen.
    2. Weil Entzündungen im Maulraum sich auf den ganzen Körper auswirken und langfristig die Nieren gefährden.
    3. Weil jede Narkose die Nieren schwächt.


    Lieber keine Zähne als entzündetes Zahnfleisch.
    Ich weiß, wovon ich schreibe.
    Ich wusste es vor Jahren nicht besser und so musste mein Pitti 6 Zanh-OPs über sich ergehen lassen.
    Erst als er alle Zähne los war, war er auch die entzündung los.


    Ich hoffe mit euch, dass es bei Loki nicht so heftig kommt, doch bitte bitte, bleibt dran. :/


    Ein Kontrollmöglichkeit gibt es noch.
    Die Lymphdrüsen hinter dem Kinn, an der Kehle.
    Probiert, ob sie im Moment geschwollen sind und ob sie es nach 2 bis 3 Wochen immer noch sind.

    Lydia mit Janek (geb. 2004?), SDÜ, rechtes Auge fehlt und Bella (geb. 2009?)
    und Felix im Herzen (April 1995 - 22. März 2015), hatte CNI


    Kinder lehren uns Geduld, Katzen testen sie.


    Offizielles Mitglied der Barf-Sekte


    Es heißt EHK (Europäische Hauskatze) nicht EKH (Europäisch Kurzhaar)

  • Zum SDMA schließe ich mich @SiRu vollständig an.
    Kein Nierenwert im Blut ist an sich aussagekräftig. Sie sind allesamt mögliche Hinweiser, die aber immer weitere Untersuchungen bedingen.


    Harnstoff liegt gut in der Referenz (vor der Op. war man nüchtern, das sieht man, das als Hinweis für weitere Kontrollen, geh mit Loki nüchtern hin, 10 - 12 Stunden, sonst wird dir Harnstoff möglicherweise ausschlagen und je nach Tierarzt ist sofort ein Nierengeschrei da).


    Kreatinin liegt knapp unter der Obergrenze. Ich vermute hier ganz stark die Entzündung dahinter. Aber er gilt eben auch als Nierenhinweiser und es gibt unzählige Tierärzte, die selbst jetzt schon von einer beginnenden CNI sprechen würden bei dem Blutbild (was ich erstmal nicht unterstütze, es aber einfach als Information für dich schreibe). Die von @SiRu in Klammern aufgeführten Untersuchungen empfehle ich, sollten in ein paar Wochen die Zähne gut aussehen, aber die Blutwerte wie jetzt aussehen. Die gehören auch ganz regulär durchgeführt, wenn die Blutwerte bezüglich der Nieren ausschlagen.


    Übrigens kann Kreatinin noch weitere Ursachen haben (aber auch dann werden die zusätzlichen Untersuchungen gut aussehen). Beispielsweise große, muskulöse Katzen. Rohfleischfütterung. Warum? Weil Kreatinin ein Abbauprodukt aus der Verstoffwechslung von Protein ist. Je muskulöser die Katze oder ihre Fütterung, desto mehr Protein wird verstoffwechselt und desto höher steigt der Krea. Bei gebarften Katzen ist also eine leichte Erhöhung durchaus auch im Rahmen, dasselbe gilt eben für große, muskulöse Tiere. Das ist nicht endlos nach oben, aber auch dies als Info, das man bei leichter Überschreitung noch nicht panisch werden muss. Einfach den Rest untersuchen, um nicht doch etwas Schleichendes zu ignorieren und sich später Vorwürfe zu machen, aber noch nicht in das Loch fallen, dass der unter einem weggezogene Boden einem bereitet. Das für eine tatsächliche Diagnose aufheben (und ja, dann fällt man, aber man klettert auch wieder raus und lernt damit umzugehen, du erlebst das mit dem Immunsystem ja auch).

  • Vielen Dank an euch alle für die ausführlichen Antworten! :)
    In zwei Monaten ist ohnehin Kontrolle in der Tierklinik. Nach eurer Empfehlung werden wir da noch mal nen Blutbild machen lassen und wenn es dann noch auffällig ist, Harnuntersuchung und Nieren schallen. Lymphknoten werden wir so fühlen. Zähne putzen werden wir jetzt auch einfach mal probieren, wenn es Loki nicht streßt, kann es ja auch nicht schaden.
    Kreatinin könnte ja auch vom Barf kommen - von den Muskeln wohl eher nicht, Loki ist zwar sehr aktiv, wiegt aber nur knapp 4 kg.


    Danke Kuhkatze auch für den Tip wg. Zahnentfernung - sollte es so kommen, behalten wir das im Hinterkopf!


    Hier noch ein Bild unserer beiden Racker :skatze: :



  • :oh:
    Ein roter Kater.
    Mein heimlicher Traum, von dem Janek nichts wissen darf. :D

    Lydia mit Janek (geb. 2004?), SDÜ, rechtes Auge fehlt und Bella (geb. 2009?)
    und Felix im Herzen (April 1995 - 22. März 2015), hatte CNI


    Kinder lehren uns Geduld, Katzen testen sie.


    Offizielles Mitglied der Barf-Sekte


    Es heißt EHK (Europäische Hauskatze) nicht EKH (Europäisch Kurzhaar)

  • Ja, Loki ist echt ein toller Kater. Nachts liegt er oft bei unserem Baby im Kinderbett. Und als er ganz bedöppelt nach der Narkose war, ist er abends als erstes zu unserem Kleinen ins Kinderbett gestolpert und hat sich bei seinen Füßen eingerollt ^^ .

  • Hallo und willkommen hier.


    Wichtige Infos hast du schon bekommen (Niere, Kreatinin, ZFE).


    Mir ist jetzt noch spontan die Frage gekommen, ob der Zahnarzt auch die Zähne geröngt hat?


    Auch in dem Alter können Katzen (insbesondere mit schlechteren Startbedingungen) schon Forl bekommen.
    Das wäre ein weiterer Verdächtiger sowohl was den Krea-wert betrifft als auch das gerötete Zahnfleisch.


    Ich kann da aus meiner Erfahrung berichten, daß auch sehr junge Katzen diese Krankheit bekommen können.



    Super ist auf jeden Fall, daß ihr schon einen Facharzt konsultiert habt.


    Dem SDMA-wert würde ich, wie meine Vorschreiberinnen, nicht zuviel Aufmerksamkeit widmen.
    Und kontrollieren laßt ihr ja sowieso noch mal. Da wird sich schon zeigen, ob denn der Krea-wert durch die Entzündung verursacht wurde.


    Vom Gefühl her würde ich nach wie vor Forl im Hinterkopf behalten, da bei schwächerem Immunsystem natürlich auch schneller solche Krankheiten auftreten können (keiner weiß was die Ursache von Forl ist - es wird unter anderem vermutet, daß ein Calzium/Phosphatungleichgewicht im Wachstum beteiligt sein könnte und/oder Autoimmun was falsch läuft womit wieder ein hochtourig laufendes Immunsystem mit Katzenschnupfen beteiligt sein kann. Dazu wird ein Einfluss von Viruserkrankungen wie Herpes und Calici, die auch zum Katzenschnupfenkomplex gehören, auch nicht ausgeschlossen).


    Zähneputzen schadet nie! Zumindest die Zahnsteinbildung könnt ihr damit minimieren.
    Barf ist auf jeden Fall auch bei angegriffenem Immunsystem nicht verkehrt - denn gesunde Ernährung ist auf jeden Fall gut für den Körper (egal ob Mensch oder Katze) und entlastet den Körper.


    Ich drücke euch die Daumen, daß es dem Katerchen schnell besser geht und er schnell ganz gesund wird.
    Mit der Aminosäure L-Lysin wird kurweise gerne bei Katzenschnupfen gearbeitet, da es Herpesviren in der Entwicklung bremsen soll (funzt auch bei humanem Herpes - nicht als Allheilmittel aber eben unterstützend).
    Fragt einfach mal in der Klinik das nächste Mal, was die davon halten.


    Wichtig ist, so etwas immer auch mit den behandelnden TÄ abzusprechen!

  • Danke für die vielen weiteren Infos & Tips! :) . Ja, die Klinik hat auf Vorschlag der TÄ und uns auch geröngt, es ist kein FORL. Lysin hat uns die Klinik mitgegeben, als wir das erste Mal mit Loki zur Abklärung da waren und sie auf das schwache Immunsystem gekommen sind.
    Wir geben es ins Futter, wenn wir merken, daß es Loki allgemein schlechter geht und machen das dann so 2 - 3 Wochen. So haben die uns das in der Klinik geraten. Gefühlt hilft es ein bißchen - hab allerdings gelesen, daß die Wirkung umstritten ist. Schaden kann es aber wohl nicht.