Futtertiere selber halten

  • Hallo,


    Frettchen sind in ihrer Ernährung auf eine natürliche Zusammensetzung der Bestandteile angewiesen, ernähren sich also idealerweise von Futtertieren (von Trockenfutter rate ich definitiv ab, egal was alle Frettchenforen sagen - ein gesundes Frettchen unterzuckert nicht in drei Stunden!). Da haben selbst gezüchtete, gesund und abwechslungsreich ernährte Futtertiere sicher den Vorteil, daß man weiß, daß weder Medikamente eingesetzt wurden, noch daß die Unterbringung katasrophal tierquälerisch war. Es gibt aber auch Nachteile und Anforderungen, bei denen man sich gut überlegen sollte, ob man zu diesen bereit ist.


    Als privater Halter brauche ich zum Töten der Tiere eine Sachkunde. Dies bedeutet, daß ich wissen muss, wie die Tiere im Einklang mit dem Gesetz getötet werden dürfen, dies qualfrei durchführen können muss, aber nicht unbedingt, daß ich diesen Nachweis in jedem Fall schriftlich erbringen und vorlegen können muss. Was zur Folge hat, daß unzählige Tiere elend verrecken müssen, weil viele Halter meinen, lebend einfrieren oder Kopf auf den Tisch schlagen wären super Methoden, da sie sich mit den Grundlagen nicht beschäftigen. Und das in Privathaushalten, in denen das eigene Haustier gehegt und gepflegt wird, während die Futtertiere sich quälen müssen.





    Also: Einfach mal in einem Reptilienfachhandel oder Zoo nach jemandem mit Sachkunde fragen. Selbst die "einfache" CO2-Methode hat bei unsachgemäßer Anwendung und Anwendung bei zu jungen oder zu schweren Tieren Qualen zur Folge. (Die Vorgehensweise wird hier natürlich nicht vorgestellt, da man sowas nicht einfach in einem Forum erlernen kann, darf und sollte.) Wie gesagt, helfen da evtl. Reptilienhalter oder der örtliche Zoo weiter, jemanden zu finden, der das Töten für einen durchführen kann und darf. Wem das zuviel ist, der sollte vielleicht doch auf Frostfutter zurückgreifen.


    Jedes Futtertier hat ein Recht auf ein schönes Leben und einen schmerzfreien Tod. Im Folgenden gehe ich auf Mäuse ein. Tötungsmethoden werden hier nicht vorgestellt.


    Da die Futtertiere auch wertvolle Lebewesen sind (und nicht nur im Hinblick auf die Futtertierqualität gemeint), sollte man sie in ausreichend großen Käfigen mit genügend Platz, Grabemöglichkeiten, Klettermöglichkeiten, mehreren Verstecke unterschiedicher Größe und reichlich Nistmaterial halten. Und auch nicht einzeln, Tanten helfen bei der Aufzucht meist gerne mit, und die Muttermaus hat noch Gesellschaft. Jedes Weibchen braucht eine Pause nach der Säugezeit und sollte ja auch keine Gebärmaschine sein. Gab es Schwierigkeiten, sollte das entsprechende Tier aus der Zucht rausfallen (ich rede extra von Zucht, da diese Vermehrer-Gerede mir auf den Keks geht: Futtertierzüchter legen i.d.R. wert auf gesunde, agile, kräftige Tiere, deren Farben und Ohrengrößen egal sind - das sind jawohl ziemlich gute Zuchtziele. Wissen sollte man auch, welche Farben oder Fellformen den Letalfaktor tragen oder was zur alles zur Qualzucht zählt. Komplett inzuchtfreie Vermehrung ist übrigens bei Mäusen nicht möglich: http://www.rodent-info.net/inzucht.htm; sind in einem Wurf in welcher Form auch immer behinderte Welpen aufgetreten, sollten die Elterntiere und alle Nachkommen ausgeschlossen werden). Babies sollten übrigens keine Babies bekommen! Also rechtzeitig nach Geschlechtern trennen!


    Zum Futter: am besten selbst mischen, Anregungen gibt es in den verschiedenen Foren. Zusätzlich Eiweiß in Form von Ei, Quark oder Mehlwürmern an trächtige und säugende Tiere füttern. Frische Zweige, Kräuter und andere Pflanzen bereichern sowohl den Speiseplan als auch das Beschäftigungsangebot.


    Alles in allem möchte ich einfach den Appell an alle richten, die ihre Futtertiere selbst halten möchten: sie sind nicht weniger auf Pflege, gutes Futter, eine anregende Umgebung und Beschäftigung angewiesen als eure Frettchen, Hunde und Katzen. Also weg mit den Makrolonboxen und kahlen Käfigen sowie den öden Futterpellets, holt euch Anregungen durch Lesen in den entsprechenden Liebhaberforen. Man muss vielleicht keinen riesen Selbstbau haben, aber wohl sollten sich die Tiere schon fühlen dürfen.


    Ist man zu alldem nicht bereit, lieber direkt Frostfutter kaufen. Ansonsten: Futtertiere anständig halten, und das Töten in sachkundigen Händen lassen.


    Allgemeine gute Infos liefert die Seite .diebrain.de


    Lebendfutter möchte ich auf keinen Fall empfehlen, egal wie natürlich das ist: ich kann die Jagd-und Tötungsfähigkeiten meiner Frettchen nie so einschätzen, daß ich dem Futtertier einen schnellen Tod garantieren kann! Frettchen spielen zwar nicht mit der Beute, wie Katzen das tun, es kann sich aber trotzdem einige Minuten hinziehen. Außerdem darf man nur mit gutem Grund lebend füttern (wenn das Haustier kein Prekilled annimmt, und das stellt bei Frettchen kein Problem dar).


    Liebe Grüße,


    Michi




    Niemand hat das Recht zu einem Menschen oder Tier zu sagen:


    Wenn du nicht machst, was ich will, dann tu ich dir weh.


    (Monty Roberts)

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