Zum Einstieg in die Frettchenernährung

  • Ernährung


    Frettchen sind Raubtiere, die sich hauptsächlich von kleinen Beutetieren ernähren. In ihr Beuteschema fallen Vögel, kleine Schlangen und Nagetiere, aber auch Kriechgetier wie Würmer.


    Genau wie die Katze fressen Frettchen das erbeutete Tier im Ganzen mit Federn, Haaren, Krallen, Knochen und Innereien. Aber auch der Mageninhalt wird mit vertilgt. Wie der Hund fressen sie auch alte und abgelegte Beute, weil sie die Beutetiere nicht immer auffressen und dann „lagern“.


    Auch hier ist das oberste Gebot, dass die Ernährung abwechslungsreich sein sollte, um eine Ausgewogenheit zu garantieren. Da Frettchen sich anscheinend wie Katzen gerne auf eine Nahrung „spezialisieren“, sollte man von Anfang an verschiedenes füttern, damit man keinen Mäkler erzieht. Dadurch wird auch die Gefahr, dass Mangelerscheinungen durch einseitige Ernährung entstehen, weitestgehend ausgeschlossen.


    Da ich noch keine Bedarfswerte für Frettchen gefunden habe, kann ich leider keinen Futterplan erstellen oder Tipps zur Supplementierung geben.
    Viele Halter sagen: Füttere mindestens 2 verschiedene Futtersorten an einem Tag (z.B. 1x rohes Fleisch und ein hochwertiges Nassfutter für Katzen), um das Frettchen optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Auch Eintagskücken sind als vollwertige Nahrung eine prima Futterquelle für die kleinen Raubtiere. Sie brauchen ein Futter, das aus etwa 80 % Fleisch und 20 % pflanzlicher Nahrung zusammen gesetzt ist.
    Dass die Fütterung von Frischfleisch bzw. ganzen Beutetieren Frettchen aggressiv macht, ist genau wie
    bei Hunden ein Irrglaube.


    Zitat

    Zitat Whippstaff: „Ich nehme an, das kommt noch von gaaaanz früher, als der Wolf wirklich noch Nahrungskonkurrent war! Der frisst alles roh und irgendwie musste man doch versuchen seine Verfolgung zu rechtfertigen! Ich denke mal, das sind so ganz tiefe Urängste des Menschen. Hat sich über Generationen immer weiter "vererbt“! Wer rohes Blut und Fleisch bekommt, wird böse!“


    Dieser Meinung schließe ich mich an. Warum soll es bei Frettchen anders sein? Sie sind schließlich in die Hühnerställe eingebrochen und haben sich ein paar Hühner geholt ... Warum auch nicht? Wenn das Futter so schön serviert wird?! :D


    Das heißt, Frettchen können und sollten mit folgender Rohkost ernährt werden:


    1) Muskelfleisch


    2) Innereien, wobei Herz wohl beim Frettchen bevorzugt wird. Aber bitte auch nicht mehr als 1x in der Woche füttern. Bei Leber sollte man vorsichtig sein, wegen der Vitamin-A-Überversorgung und weil sie leicht Durchfall verursachen kann.


    3) Fisch ist reich an Proteinen und Mineralien. Bei Süßwasserfischen aber bitte nur Forellen verwenden. Ansonsten sollte Seefisch gefüttert werden, denn Weißfisch enthält Thaminase, die das Vitamin B1 spaltet und zerstört.


    4) Geflügel: Frettchen sind genauso wie Hunde und Katzen nicht für Salmonellen anfällig.


    5) Eintagskücken (schöne ganze Beute ;) )


    Aber auch 1 x in der Woche Eier. Es sollte aber nur das Eigelb verfüttert werden, weil die Substanz Avidin (im Eiweiss enthalten) das Biotin bindet.


    Gern fressen Frettchen auch Salatgurke, Paprika (gelb, rot, orange ... keine grüne!), alle Arten von Melonen, Reis und Nudeln.



    Genau wie bei Hunden und Katzen bitte kein rohes Schweinefleisch verfüttern!!!!!
    Es kann das Virus der Aujeszkyschen Krankeit enthalten! Sollte die Fleischquelle jedoch bekannt sein und man ist sich sicher das die Tiere keine Infektion haben, kann auch rohes Schweinefleisch verfüttert werden.

  • Nun habe ich noch ein paar Internetseiten heraus gesucht, die, wie ich finde, hervorragende Daten, Fakten und Links über die Frettchenernährung enthalten:


    Ernährungsphysiologie der Frettchen
    (mit freundlicher Genehmigung von Karin Bednorz Tierheilpraktikerin) http://www.tierheilpraktikerin.biz

    Ernährungsphysiologie der Frettchen und / oder Marderartigen


    Unsere Frettchen gehören zur Familie der Marderartigen und zählen somit zu den Raubtieren. Sie sind die domestizierte Form des Waldiltis. Ursprünglich wurden sie als Ratten- und Mäusefänger gezüchtet. Die Fähen bringen ein Gewicht von 500-900g auf die Waage, Rüden dagegen liegen bei ca. 1200-2000g. Ihre Lebenserwartung liegt zwischen 8-10 Jahren.
    Bei der richtigen Ernährung der Frettchen müssen viele Faktoren berücksichtigt werden:
    Frettchen als Carnivoren benötigen ein Futter, welches einen hohen Fleischanteil beinhaltet, da sie nur über einen kurzen Verdauungstrakt verfügen. Der Dünndarm eines Frettchens (Länge: 0,55 m) ist im Gegensatz zu dem eines Hundes (Länge: 4,8 m) und dem einer Katze (Länge: 1,5 m) doch erheblich kürzer. Auch der Dickdarm (Frettchen: ca. 0,06 m, Hund: ca. 1 m, Katze: ca. 0,40 m lang) ist viel kürzer. Wirklich maßgebend ist aber wohl, dass den Frettchen der Blinddarm fehlt, der dafür vorgesehen ist, Enzyme für die Aufspaltung von Getreide herzustellen. Das wiederum heißt, dass Frettchen grundsätzlich Cerealien (Getreide) nur vorverdaut aufspalten und verstoffwechseln können. Sie müssten ihrem Tier also die fehlenden Bestandteile in vorverdauter Form reichen oder ihm ermöglichen, wie in der Natur Beutetiere zu erlegen.
    Da Frettchen keine Allesfresser (wie der Mensch) sind, können sie pflanzliche Nahrungsbestandteile nur ganz schlecht bzw. gar nicht verwerten. Also Vorsicht mit Gemüse, Früchten, Salat … , auch wenn es dem Frettchen zu schmecken scheint.


    Ernährungsphysiologische Besonderheiten des Frettchens:


    Angaben zum Nährstoffbedarf von Frettchen im Vergleich zu Hunden und Katzen





    Wie man an der Aufstellung sehen kann, unterscheidet sich das Frettchen enorm von der Katze:


    - höherer Proteinbedarf
    - höherer Bedarf an essentiellen Aminosäuren
    - höherer Taurinbedarf
    - höherer Vitaminbedarf
    - der Kohlenhydratstoffwechsel ist spezifischer
    - geringere Verwertung von roher Stärke
    - geringere Verwertung von Ballaststoffen
    - noch empfindlicher gegen Kochsalz
    - so gut wie keine Verdauungsmöglichkeit von
    verschiedenen Zuckersorten.

    TABELLE


    Fazit: Ihr Frettchen ist ernährungsphysiologisch also nicht mit Katzen identisch. Allerdings scheint Katzenfutter von den Inhaltsstoffen einem bedarfsgerechten Frettchenfutter am Nächsten zu kommen und mit ein paar kleinen Tricks lässt sich ein bedarfsgerechtes und tiergerechtes Frettchenfutter zusammenstellen und herstellen.


    Was aber geschieht bei Mangel- oder Überversorgung?


    • Zu geringer Gehalt an Rohproteinen: geminderte Fellqualität, verminderte Aktivität, Hungerbeißen
    • Zu geringer Gehalt an Aminosäuren: geminderte Fellqualität ,verminderte Aktivität, Hungerbeißen
    • Zu geringer Gehalt an Energie: geminderte Fellqualität, verminderte Aktivität, Hungerbeißen
    • Zu geringer Gehalt an Fettsäuren: schlechte Fellqualität, Haut- & Fellerkrankungen
    • Zu niedriger Gehalt an Vitaminen: verminderte Aktivität, schlechte Fellqualität


    • Zu hoher Kohlenhydratgehalt: Verdauungsstörungen, Hungerbeißen
    • Zu hoher Ballaststoffgehalt: Verdauungsstörungen, Hungerbeißen
    • Zu hoher Kochsalzgehalt: Kochsalzvergiftung!
    • Zu hoher Calciumgehalt: Verdauungsstörungen, Knochenwachstumsstörungen bei Welpen
    • Zu hoher Phosphorgehalt: vermehrte Nierenbelastung und Nierenschädigung
    • Ungeeignetes Protein: Verdauungsstörungen


    Bei schlecht verwertbarem und schlecht verdaulichem Futter muss das Frettchen zwangsläufig mehr Futter aufnehmen, damit es seinen Nährstoffbedarf decken kann.
    Dies bedeutet aber auch, dass es auch die ungeeigneten Komponenten des Futters in höherem Maße aufnimmt, was wiederum unweigerlich zu Verdauungsstörungen führt. Dadurch aber scheidet das Frettchen vermehrt Flüssigkeit über den Kot aus.
    Frettchen reagieren extrem empfindlich auf Wassermangel!

  • Anbei findet ihr einen kleinen Auszug aus dieser Seite: http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=978076923&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=978076923.pdf.


    Ich habe versucht, den Text etwas verständlicher zu machen, damit wir Ottonormalverbraucher ihn auch kapieren und nur das (meiner Meinung nach) Wichtigste heraus geschrieben. Originalquellen sind bitte aus dem o.g. Link zu entnehmen.


    Tabelle: Vergleichende Darstellung der Nährstoffzusammensetzung von Beutetieren und
    anderen Futtermitteln


    TABELLE


    nach Donoghue und Langenberg (1994) TS = Trockensubstanz, E = Energie, Rp = Rohprotein, Rfe = Rohfett, KH = Kohlenhydrate, Rfa = Rohfaser, Ca = KalziumP = Phosphor


    Eine Untersuchung über ausgewilderte Frettchen auf Neuseeland zeigt, dass sich
    diese Frettchen hauptsächlich von Kaninchen, Vögeln und wirbellosen Tieren ernährten. Pflanzliche Anteile können Frettchen aufgrund des kurzen Verdauungstraktes und der einfachen Darmflora nur in geringem Maße verwerten. Die kurze Darmpassage, welche die Nahrung durchläuft und die damit verbundene kurze Zeit (ca. 148 bis 219 Minuten bei adulten Frettchen und ca. 1 Stunde bei 2 Wochen alten Frettchenwelpen) erfordert eine fast ständige Nahrungsaufnahme. Dazu nehmen sie etwa 9 bis 10 kleine Mahlzeiten pro Tag zu sich. Ab einer Futterkarenz von 6 Stunden werden Frettchen hypoglykämisch. Daher legen Frettchen, wie auch Iltisse, Nahrungsvorräte an.


    Nährstoffe
    In der derzeitigen Literatur ist wenig über den genauen Nährstoffbedarf der Frettchen zu finden. Die meisten Angaben beruhen auf Erfahrungswerten. Systematische
    Untersuchungen zum Bedarf während des Wachstums, der Ranz, Trächtigkeit und
    Laktation fehlen ganz.


    Energie
    Frettchen und Nerze weisen im Vergleich zu anderen Mardern, wie z.B. dem
    Stinktier, eine hohe Stoffwechselrate auf und beanspruchen dementsprechend eine
    hohe Energiezufuhr. Im Erhaltungsbedarf benötigen Frettchen etwa 500 kJ ME/kg KM0,75 pro Tag. Andere Autoren gehen von 200 – 300 kcal ME/kg KM0,75 aus, was 837 – 1255 kJ ME/kg KM 0,75 entspricht.


    Protein
    Zum Proteinbedarf adulter Frettchen im Erhaltungsbedarf gibt es weitgehend
    übereinstimmende Angaben. Das Minimum geben alle Autoren mit 30 % Rohprotein
    in der Trockensubstanz des Futtermittels an. Gravide und heranwachsende Tiere sollen ein Minimum von 35 % Rohprotein erhalten. Andere Autoren geben 32 bis 38 % als Rohproteingehalt für adulte Frettchen an. Der Proteinanteil im Futter muss qualitativ hochwertig und leicht verdaulich sein. Der Anteil an tierischem Protein (empfohlen: 80 %) soll den Anteil an pflanzlichem Protein (empfohlen: 20 %) deutlich übersteigen.


    Des Weiteren ist eine hohe Verdaulichkeit des Proteins für eine adäquate Aminosäureversorgung wichtig.


    Zum Bedarf einzelner Aminosäuren sind keine Angaben in der Literatur zu finden. Wie oben erwähnt wirkt sich jedoch eine allgemeine Unterversorgung mit
    Aminosäuren negativ auf die Immunabwehr und die Reproduktion bei Frettchen aus.


    Wie bei Katzen ist auch Taurin essentiell für Frettchen und soll in der gleichen
    Menge in Futtermitteln für Frettchen enthalten sein, wie es für Katzen empfohlen wird.


    Fett
    Neben dem Rohprotein dient den Karnivoren das Rohfett in der Nahrung als wichtige
    Energiequelle. Glanzloses und stumpfes Fell kann ein Anzeichen für eine Unterversorgung mit Rohfett sein. Angaben zu essentiellen und nicht essentiellen Fettsäuren für Frettchen lassen sich in der Literatur nicht finden. Man geht davon aus, dass der Bedarf ähnlich dem der Katze und des Nerzes ist.


    Kohlenhydrate
    Die natürlichen Kohlenhydratquellen sind pflanzliche Produkte (komplexe Kohlenhydrate). Aber auch in Süßigkeiten, Keksen oder Rosinen, wie sie von
    Frettchenbesitzern als Leckerbissen angeboten werden, sind Kohlenhydrate
    enthalten (einfache Kohlenhydrate). Der kurze Verdauungstrakt der Frettchen kann
    jedoch Kohlenhydrate nur schwer aufschließen. Zusätzlich stellen die einfache Darmflora und die rasche Darmpassage weitere Gründe für eine geringe
    Kapazität der Kohlenhydratverdauung dar. Ein geringer Anteil an komplexen Kohlenhydraten sollte aber in der Futterration der Frettchen enthalten sein. Dies zeigt sich im Nahrungsspektrum des nahe verwandten Iltisses, dessen Kohlenhydratquelle der Darminhalt seiner teils herbivoren Beute darstellt. Generell sollte die Nahrung der Frettchen aus 80 % tierischen und 20 % pflanzlichen Produkten bestehen.


    Ausgewählte Vitamine
    Zum Vitaminbedarf der Frettchen gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen.
    Es werden meist die Bedarfswerte von Nerzen oder Katzen zur Orientierung
    herangezogen. Die folgende Tabelle 13 zeigt einen Überblick über den vermuteten
    Vitamin- und Mineralstoffbedarf von Frettchen, der durch Extrapolation des Bedarfs
    der Katze, des Fuchses und des Nerzen errechnet wurde.


    TABELLE



    nach Fox und McLain (1998 ) Angaben für Frettchen sind durch die Autoren Fox und McLain errechnete Werte nach Extrapolation der Werte von Katze,
    Hund, Fuchs und Nerz alle Angaben gelten pro 1000 kcal des Futtermittels

  • Es lohnt sich für Frettchenhalter, die Seite http://www.savannahcats.de/katzenernaehrung.html durchzulesen. Sie enthält meiner Meinung nach jede Menge Informationen, die in der Frettchenernährung auch Anwendung finden können.


    Soweit ich heraus bekommen konnte, ist Susan Brown aus der USA eine Tierärztin, die führend im Thema Ernährung von Frettchen ist. Sie plädiert für Barf.
    Hier der Link dazu (engl.): http://www.veterinarypartner.com/Content.plx?P=A&A=479&S=1&SourceID=43%20


    Und für alle, die Englisch zwar können, aber trotzdem nicht verstehen (so wie ich :D), habe ich
    doch tatsächlich in einem anderen Forum jemanden entdeckt, der das schon übersetzt hat:
    http://www.frettchen.de/cgi-bi…lay;num=1165500772;start=



    LG
    Alex

  • Zitat

    Gern fressen Frettchen auch Salatgurke, Paprika (gelb, rot, orange ... keine grüne!), alle Arten von Melonen, Reis und Nudeln.


    Das gehört nicht ins Frettchen! Frettchen haben nicht nur keinen Wurmfortsatz, sondern auch kein Caecum, können pflanzliche Nahrung also nicht verwerten. Sie belastet nur den Darm, gibt vielleicht Bauchschmerzen, und Reis kurbelt die Insulinproduktion an - und Frettchen neigen ohnehin zu Insulinomen.


    Sicher ist ein kleines Stück Melone oder mal eine Nudel kein Drama - aber artgerecht ist es nicht, nur weil sie es gern mögen.


    Selbst der Darm größerer Futtertiere (Meerschwein, Kaninchen) wird i.d.R. nicht mitgefressen, da er zu viel pflanzliche Nahrung enthält - er bleibt liegen oder wird umhergeschleudert, was eine ziemliche Sauerei gibt.




    Zitat

    Bei Pflanzenfressern (Herbivoren) ist das Caecum länger ausgeprägt als bei Fleischfressern (Carnivoren). Bei reinen Carnivoren kann es ganz fehlen. Der Blinddarm scheint deshalb eine Rolle für die Verdauung faserreicher Nahrungsbestandteile zu spielen. Darüber hinaus dient er als Reservoir für die bakterielle Besiedelung des Dickdarms. Sein lymphatisches Gewebe macht ihn zu einem wichtigen Teil des gastrointestinalen Immunsystems. (www.DocCheck.com)


    Liebe Grüße,


    Michi




    Niemand hat das Recht zu einem Menschen oder Tier zu sagen:


    Wenn du nicht machst, was ich will, dann tu ich dir weh.


    (Monty Roberts)