Steinmarder Ernährung

  • Hi,


    ich habe ja momentan zwei kleine Stinker zum Auswildern da, über die ich ja erst zum barfen gekommen bin - wenn die gutes Futter kriegen, warum die Katzen nicht auch?
    Allerdings bin ich verwirrt...
    Mangels besserer Vergleiche behandel ich sie jetzt mal als Frettchen, aber da findet man im Internet auch: "Eintagsküken sind das allerbeste und natürlichste, unsere werden nur so ernährt" und "Eintagsküken eignen sich nicht zur ausschließlichen Ernährung" etc...
    Wahrscheinlich ist es eh müßig, sich darüber Gedanken zu machen, weil sie ja bald draußen sind und dann wahrscheinlich Pausenbrote und vor allem Schokolade vom Schulhof pulen, aber trotzdem möchte man ihnen ja einen guten Start ermöglichen...
    Hab sie ja auch gegen Tollwut impfen lassen, als man sie noch gut anfassen konnte, irgendwie hängt man ja schon dran und bemüht sich, das Defizit der Handaufzucht auszugleichen...


    Momentan bekommen sie viel Obst (sind schließlich im Sommer bis zu 80 %), was aber ziemlich unverdaut wieder hinten rauskommt, ca. jeden Tag ein Küken und nen Haps vom Katzenmenü...
    Dachte mal: Fressen Mäuse, so wie Katzen und Früchte wie Hunde... Sie sind auch nicht so mäkelig wie die Katzen.


    Aber kriegen sie jetzt vielleicht zu viel Suppies? Die Menge Fleisch ist geschätzt so 100 gramm pro Tierchen, hab aber noch nie gewogen (also eigentlich ne Katzenportion für die Hänflinge) und dann noch Küken. Im Katzenmenü sind ja schon Suppies. Vermutlich ist das mit Küken dann zu viel Ca/Ph?


    Oder verwerten sie nur das, was sie brauchen? Weil sie sind doch recht viel am Gehege voll machen :D
    Klar, draußen fressen sie ALLES, da macht sich auch keiner Gedanken, ob in dem geklauten Hühnerei auch Eiweiß drin ist oder wie viel Schokolade sie futtern - auf Süßbabsch stehn Marder nämlich besonders.


    Ach so, Ei und Joghurt bekommen sie auch ab und zu. Müsst ja eigentlich noch Küchenabfälle trainieren zwecks Kompostplünderung, aber irgendwie ist mir das doch etwas eklig...


    Sie ist übrigens eher mäkelig und will möglichst nur Fleisch, er liebt dahingegen Banane, Trauben, etc und frisst sein Ei auch mit Schale...


    Hat irgendjemand Tipps für mich? Weil so als Barfanfänger bin ich total panisch was die richtigen Nährstoffe angeht...


    Vielleicht gibt´s ja auch Bedarflisten für Wildtiere bei irgendwelchen Zoo-Dingens-Gesellschaften? Weiß da jemand was?


    Liebe Grüße,
    Isabel

  • Wie bist Du zu den beiden gekommen? Hast Du vielleicht einen Wildpark in der nähe? Da könntest Du mal fragen was die so füttern würden. Auch wegen der Menge. Oder bei einem Zoo, manche haben ja auch Marder in Gefangenschaft.


    Ich hatte mal 2 Pflege Frettchen wo sehr wahrscheinlich ein Iltis mit eingekreuzt war. Die beiden waren sehr kräftig, sahen toll aus, nur leider konnte man sie nicht anfassen. Sehr bissig die beiden.


    Dann wünsche ich dir noch viel Erfolg bei der Aufzucht. Wo und wie wirst Du sie auswildern? Muss man dafür einen Förster fragen ob es in Ordnung ist?


    Viele Grüße
    Guido

  • Steinmarder hat auch, wie Frettchen, ein ähnliches Beutespektrum, wie Katzen. Entsprechend würde ich sie auch so ernähren, wie eine Katze.


    Beim Frettchen weiß ich, dass man mehr Futter gibt und das Calcium-Phosphor-Verhältnis ähnlich bei 1,15 liegt, jedoch die Gesamtwerte höher liegen, als bei erwachsenen Katzen. Daher werden viele Frettchen wie Katzenkinder ernährt.


    Ich kann dir jedoch nicht viel helfen, gebe dir aber mal den Tipp hier anwesende Frettchenbesitzer anzuschreiben, per PN.
    Ich vermute, sie können dir bei deinem Marder besser helfen.

  • Ich bin ein wenig verwirrt von deinem Text. :D
    Muss ich nochmal lesen, aber als ersten Tipp kann ich dir sagen das Fretts viel Fleisch brauchen, da spricht man von 80% Fleisch und 20% vorverdauten Mageninhalt.


    Ich würde den Mardern viele Beutetiere anbieten die man so findet und auch kaufen kann, zuerst tot später dann auch lebend - sie müssen ja lernen dass das Futter nicht ubedingt auf der Strasse liegt oder sich freiwillig ergibt.


    Zu den vielen Beutetieren dann auch ne Portion Fleisch wenn die Tierchen nicht reichen.
    Nen bisschen Katzenfutter ist sicherlich nicht verkehrt, dann wissen sie auch wies vor der Haustür von älteren Leuten schmeckt, bzw dass das auch fressbar ist. ;)


    Eintagsküken sind "Abfall" sie durften nicht mal einen Tag leben, nichts fressen, nicht Fett werden. Hmm....Zwiespältig.


    Noch nen Wort zu Obst und Gemüse.
    Das wird größtenteils vorverdaut über Beute aufgenommen, klar futtern sie auch mal ne Beere oder ne Nuss, aber sie können damit rein gar nichts anfangen. Wie du schon geschrieben hast: Es kommt unverdaut wieder raus.
    Also wird da auch nichts gespalten und dementsprechend nichts verwertet.


    Wenn du noch mehr Fragen hast, Frag ruhig.
    Zum Thema Wildtieraufzucht können dir das Frettchenteam Bayern richtig gut weiterhelfen, die haben schon mehrere Iltisse, Marder, etc aufgezogen.
    Einfach mal ne Email hinschreiben, die sind wirklich sehr nett und hilfbereit.

    Viele liebe Grüße
    Vanessa

    ©kiddy

  • Ah, das ist schonmal interessant - dann hoffe ich mal, dass die größere Menge mit mehr Suppies den Bedarf deckt :-)
    Und dann muss ich mich mal hier durchwühlen, um Frettchenbarfer anzuschreiben :D
    Ich weiß nicht, ob Wildparks so viel bringen, weil die doch meines Erachtens nach nicht sooo gewissenhaft sind. Da hat der Teddy immer die Pommesreste vom Restaurant bekommen, weil er das so liebte...
    Große Zoos könnte man fragen, die haben ja auch eigene Tierärzte und so, aber meist keine Marder...
    Im Nachbarort sind welche im Tierpark - die leben in ner kleinen Hütte auf nacktem Steinboden und rennen immer von einer Ecke zur andern und zurück :(
    In einem größeren Tierpark gibt es Beutetiere und Obst (kein Fleisch mit Suppies) und die mir bisher bekannten Auffangstationen halten das auch so. Da hab ich explizit gefragt nach "Pülverchen, wie man das in den Zoosendungen sieht"
    Den einen Zwerg hab ich übrigens von ner Kollegin, deren Nachbar ihn auf der Arbeit gefunden hat - Schreinerei oder so und der Zwerg wurde nachts nicht mehr von der Mama geholt und die andere hab ich von einer Auffangstation, die schon zu viel Marder auf ihrem umgebauten Balkon hatte und froh war, dass es weniger wurde.
    Diese ganzen Auffangstationen sind übrigens Privatleute, ich hab auch mein teures Gehege aus eigener Tasche bezahlt :oh: schon schad, wenn das immer ein halbes Jahr leer steht...
    Und dieses Stationsnetzwerk hab ich von Tierart e.V. vermittelt bekommen - das ist ein ganz toller Verein, der sich in Rheinland-Pfalz um junge und verletzte Wildtiere kümmert und weltweit um Großkatzen, die schlecht in Zoos oder Zirkussen gehalten werden - und es ist wirklich schwer, für die ein Zuhause zu finden...
    Also wen´s interessiert:
    http://www.tierart.de/
    Sooooo viel steht zwar leider nicht auf der Homepage, an Bildern und so, aber der Verein ist klasse :D Bin jetzt auch Mitglied :D


    Liebe Grüße,
    Isabel


    P.S. Ui, kiddy, du hast dich vorgedrängelt...
    Aufzuchtsmäßig hab ich keine Fragen mehr, die zwei sind ja schon fast "fertig" für die Wildnis - aber um Ernährung mach ich mir halt Gedanken...
    In dem einzig guten Buch über Steinmarder wurde aber in einer Feldstudie herausgefunden, dass es im Sommer bis zu 80 % Obst ist. Aber vielleicht ist das ja wirklich nur, um den Magen zu füllen? Regenwürmer und Käfer hab ich allerdings noch nicht in die Stinker bekommen und das sollen sie ja auch fressen... Sie sind halt ohne Mama doch benachteiligt - ich werd ihnen nicht beweisen, dass man´s fressen kann :D
    Vielleicht sind Marder ja irgendwie n bissl anders als Frettchen, und können mehr verwerten? Ich hab ja sicherheitshalber auch gutes Frettchen TroFu gekauft - aber das mag nur er - nach Fleisch und Obst. Aber na ja, so soll´s ja auch sein...


    Ausgewildert werden sie übrigens bei mir - Gehegetür auf und weiterfüttern. Würde ich sie irgendwo aussetzen, hätte ich mir die Mühe sparen können. Marder sind panisch bei neuer Umgebung und selbst wenn sie im Gehege Mäuse kriegen, heißt das nicht, dass sie das in der weiten Welt mit 1000 Schlupfwinkeln und Mauselöchern schaffen.
    Ich glaub nicht, dass man da ne Genehmigung braucht, wurde mir zumindest so erzählt. Nur bei Füchsen. Und die habe ich (noch) nicht.
    Allerdings darf man keine Marderbabies aus dem Wald mitnehmen, wenn man das nicht dem Jäger meldet. Meiner war aber von nem Privatgrundstück und die andere hab ich von ner Pflegestelle, bin also kein Wilderer :P


    und nochmal liebe Grüße,
    Isabel



    Und noch ein P.S.: meine Eintagsküken haben manchmal Kot am Hintern - irgendwas haben sie also gefressen. Hab mir aber noch keinen Magen angeschaut

  • Eher müssten Frettchen mehr verwerten können denn die stammen ja von Iltissen ab und da müssten die ja wie Hunde mehr verwerten können - tun sie aber nicht.
    Frettchen sind noch genauso ursprüngliche Beutetierfresser wie der Iltis.


    In der Ernährung ist einzig die Abwechslung ausschlaggebend. Je abwechslungsreicher du fütterst umso geringer ist die Chance der Über/Unterversorgung.
    Wenn du das Beutespektrum größtenteils abdeckst wird also kaum was passieren.
    Schnecken, Würmer und Käfer werden bestimmt später als essbar deklariert - warum auch sowas fressen wenns doch eh Fleisch und Nassfutter gibt?? ;)



    Ne, Kükis fressen nix - wär ja noch schöner wenn Abfall auch noch was zu fressen bekommt. ;)
    Sie zehren, glaub ich, etwa ne Woche von dem Dottersack und dann würde es erst was zu futtern geben - aber die landen schon deutlich vorher im Katzenfutter oder Tiefkühler.
    Klar kacken die Viecher auch, die verdauen ja ihren Dotter, aber Futter im Sinne von vorverdauter Nahrung ist nicht zu finden.

    Viele liebe Grüße
    Vanessa

    ©kiddy