Barf für Katzen bei CNI

© MuTiG GbR
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Zuallererst, ja, CNIchen kann man barfen.

Es ist wichtig, dass man sich ins Barfen an sich einliest, denn dieses Grundwissen ist immer notwendig (das sollte jeder Barfer haben, egal, ob er, wie wir hier im Forum nach dem klassischen Suppi-Barf-Prinzip arbeitet oder eben lieber auf die pauschale Prey-Fütterung abzielt). Für jeden, der sich gezwungen sieht, genau das vielleicht gerade neu kennenzulernen und dann auch noch zusätzlich mit dem Themenkomplex der CNI geschlagen zu sein, sind das viele Informationen. Aber sie lassen sich zerkleinern und erlernen, zumindest da spreche ich aus Erfahrung.


Der Unterschied zwischen Barf für gesunde Katzen und CNI-Barf ist gar nicht groß. Nicht in der Futterzusammensetzung. Es gibt zusätzlich noch einige Optionen in der Fütterungspraxis, die man ausprobieren kann und sollte, um es der kranken Katze angenehmer zu machen, die haben aber nichts mit der eigentlichen Rezeptberechnung zu tun.


Phosphat als wichtigster Kontrollfaktor

Wichtig zu wissen ist, dass bei einer CNI, der belastende Nährstoff für die angeschlagenen Nieren Phosphat ist (allgemein wird er als Phosphor bezeichnet, eigentlich korrekt ist jedoch Phosphat, weswegen ich diese Bezeichnung auch verwende), nicht das Protein an sich. Im Gegenteil, auf die Proteine sind Katzen zwingend angewiesen.

Hierbei gilt wiederum, sie müssen tierisch (das gilt aber für Katzen im Allgemeinen) und sollten hochwertig sein. Das bedeutet nicht, ausschließlich Filet zu füttern, aber als Besitzer sollte man darauf achten, nicht zu bindegewebshaltige, sehnige Fleischteile zu verfüttern, das ist mehr Belastung für die Nieren. Fettdurchzogenes Fleisch ist dagegen sogar wünschenswert, wenn die Katze das toleriert.


Was unterscheidet Nierenbarf von normalem Barf?

Katzen sind auf tierisches Eiweiß zwingend angewiesen. Und sie können die Verstoffwechslung dessen nicht regulieren. Das heißt, dass sie, bei zu geringer Zufuhr von außen, körpereigenes Eiweiß verstoffwechseln. Im Klartext bedeutet das, sie verdauen sich selbst. Das klingt abstoßend, es ist aber faktisch nichts anderes. Pflanzliche Proteine sind keine Nährstofflieferanten für Katzen.

Allerdings setzen sich die Beutetiere von Katzen nicht nur aus Fleisch (= Eiweiße) zusammen, weswegen Barf auch bei Katzen möglich ist.


Der tatsächlich eigentliche Unterschied liegt im Herabsetzen des Phosphatgehaltes. Bei einer CNI wird immer von einem verschobenen (erhöhten) Verhältnis von Calcium zu Phosphat (Ca/P‑Verhältnis) gesprochen. Dabei wird allerdings nicht Calcium erhöht, sondern Phosphat gesenkt. In der Regel spricht man von einem Verhältnis um die 1,5(:1).

Einige Tierärzte empfehlen die Phosphatreduktion erst bei erhöhten Phosphatwerten im Blut, was bedeutet, dass Katzen bis dahin normal ernährt würden. Da die Blutwerte (in diesem Fall „anorganisches Phosphat“) aber keine zuverlässige Auskunft darüber geben, wie genau der Nährstoffgehalt im gesamten Körper ist, ist eine Phosphatreduktion im Futter immer wichtig. Weitere Informationen zu normalen Blutphosphatwerten finden sich hier, ein aus meiner Sicht unumgänglicher Artikel zu diesem Thema.

Wichtig ist trotz allem, dass Phosphat weiterhin ein wichtiger Nährstoff ist. Ebenso wie Eiweiß.


Dies ist tatsächlich die einzige auffällige Unterscheidung zwischen normalem Barf und dem für nierenkranke Katzen (und es geht hierbei auch nicht um Harnsteine etc., das Thema wird gern in diesen Topf geworfen, hat aber damit nichts zu tun).


Weitere kleine Unterschiede im Nierenbarf

Es wird oft empfohlen, bei chemisch reinen Supplementen zu bleiben. Das bedeutet anstatt Knochenmehl nur noch Dicalciumphosphat, anstatt Eierschale nur noch Calciumcarbonat und/oder Calciumcitrat zu verwenden.

Eigentlich ist das aber egal. Wenn man bei seinem Berechnungstool darauf achtet, dass der Phosphatbedarf herabgesetzt ist, dann spielen die geringen Mengen, die durch die natürlicheren Supplemente mit ins Futter kommen, keine auffällige Rolle. Das Berechnungstool bezieht sie ohnehin mit ein und solange die Bedarfswerte dabei nicht ständig auffällig überschritten werden, können deswegen auch Knochenmehl und Eierschale Verwendung finden.


Ähnliches gilt für Bierhefe, wobei man differenzieren muss, worauf man Wert legt.

Die üblicherweise verwendeten Vitamin-B-Supplemente bestehen nur aus einzelnen der B-Vitamine (B1, B2, B6, B12, Niacin, Panthotensäure, Biotin, Folsäure). Bierhefe und Vitamin-B-Komplexe liefern verschiedene Vitamine dieser Gruppe. Dabei unterscheiden sich die Mengen der jeweiligen Vitamine. Ist das Ziel, alle B-Vitamine wenigstens bedarfsdeckend zuzuführen, kommt man um die Verwendung eines Vitamin-B-Komplexes nicht herum. Die Mengen an Bierhefe, die man dafür benötigte, brächten tatsächlich zu viel Phosphat ins Futter. Strebt man jedoch nur eine pauschale Abdeckung an oder möchte die Supplemente abwechseln, spricht nichts gegen die Verwendung der üblichen 2g Bierhefe auf 1 kg Fleisch. Der dabei anfallende Phosphatgehalt aus der Bierhefe ist gering genug. Und auch hier zeigt das Berechnungstool an, sollte man den angestrebten Phosphatgehalt überschreiten.


Die Verwendung von Komplettsupplementen

Wichtig ist zu beachten, dass nicht mehr alle Komplettsupplemente angewendet werden können. Dabei stellen sie durchaus eine gute Abwechslung dar. „Felini complete“ entfällt beispielsweise bei CNI. Dafür gibt es vom selben Hersteller ein Produkt namens „Felini Renal“.


„easy B.a.r.F basic“ (das dem alten „easy B.a.r.F“ entspricht und ohnehin nur ein Teilkomplettsupplement ist) lässt sich weiterhin verwenden, allerdings muss die Dosierung von Calcium angepasst werden. Hierfür empfiehlt sich die Nutzung eines Berechnungstools wie dem Kalki (es wird Abweichungen bei manchen Nährstoffen geben, doch der Fokus hierbei liegt auf den Werten für Calcium und Phosphat).

Außerdem gibt es von „easy B.a.r.F“ noch die Mischung mit dem Namenszusatz „sensitive“, das für phosphatreduzierte Diät (= Nierenbarf) ausgelegt ist. Wichtig ist auch hierbei, dass es nicht zwingend komplett ist. Der Gehalt an Vitamin A ist bewusst niedrig gehalten, um den Zusatz von Leber zu ermöglichen. In der Packungsbeilage ist auch die Möglichkeit der Verwendung von Knochen aufgeführt, diese gilt allerdings nicht für Katzen mit CNI, sondern für gesunde Tiere.


Dürfen keine Knochen mehr verfüttert werden?

Wenn das Berechnungstool ohne die Verwendung eines Calcium-Phosphat-Supplements (Knochenmehl oder Dicalciumphosphat) den Phosphatgehalt noch nicht als gedeckt ausgibt, bestünde theoretisch die Möglichkeit. Allerdings ist bei einem herabgesetzten Phosphatgehalt der Anteil an Knochen so gering, dass es schwierig wird, diese gleichmäßig auf die gesamte Futtermenge zu verteilen (ich habe das zu Anfang meiner CNI-Zeit einmal ausgerechnet, auf eine Futterration von vier Wochen hätte ich 3 Hühnerhälse verwenden können). Die gleichmäßige Verteilung ist aber unumgänglich, damit alle Mahlzeiten in sich ausgeglichen sind, was gerade hinsichtlich Calcium und Phosphat für die Nieren wichtig ist. Deswegen sollten Knochen unter CNI nicht verwendet werden.


Lässt sich Phosphat nicht ersetzen?

Die korrekte Antwort darauf lautet jein. Teilweise ist das möglich, sollte aber nicht übertrieben werden. Der Fettgehalt im Futter ist dafür der geeignetste Punkt, der jedoch von Katze zu Katze sehr individuell sein kann.

Katzen fressen, bis sie ihren Energiebedarf gedeckt haben. Und Fett deckt diesen schneller als Eiweiß. Dabei liefert Fett weniger Phosphat als Eiweiß es tut. Das bedeutet, dass ein höherer Fettgehalt zu einer geringeren Futtermenge und damit auch zu einer geringeren Phosphataufnahme führt.

Allerdings muss immer sichergestellt sein, dass der Katze das Futter mit erhöhtem Fettgehalt auch noch schmeckt. Es gibt Katzen, die bei zu viel Fett das Futter verweigern. Ebenso sollte die Katze vom höheren Fettgehalt nicht unkontrolliert zunehmen. Ein höherer Fettgehalt bedeutet zwar nicht zwingend eine Gewichtszunahme, manche Katzen nehmen darunter sogar ab (auch das ist sehr individuell), dennoch muss man das als Besitzer im Auge behalten. Und die ausreichende Eiweißversorgung sollte immer sichergestellt sein.

Übrigens schadet ein kleines Gewichtspolster nierenkranken Katzen nicht. In Phasen, in denen es ihnen überhaupt nicht gut geht und sie nicht fressen wollen, tritt ein Gewichtsverlust rapide ein und ein Polster kann hilfreich sein. Wer aber beispielsweise nicht nur mit der CNI konfrontiert ist, sondern wenn beispielsweise, wie in meinem Fall, auch noch eine Herzerkrankung mit reinspielt, der muss einen Spagat zwischen Polster ohne Übergewicht schaffen, um das Herz nicht zusätzlich zu belasten. Ebenso müssen Besitzer, deren Katze mit einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung zu kämpfen haben, ausprobieren, inwiefern ein höherer Fettgehalt überhaupt möglich ist.


Es findet sich immer wieder der Hinweis auf gekochte Kartoffeln in Nierenbarf. Das ist eine Möglichkeit, doch sie sollte eine der letzten Maßnahmen überhaupt sein.

Kartoffeln dürfen nur in gekochtem Zustand verfüttert werden. Dadurch werden sie aber auch verdaut und nicht als Ballaststoff verwendet. Das ist hier auch der gewünschte Effekt, allerdings enthalten gerade gekochte Kartoffeln Unmengen an Kohlenhydraten, die für den kätzischen Organismus absolut unnötig und nicht nährstoffliefernd sind. Bereits erkrankte Filterorgane dann auch noch mit deren Verdauung zu belasten, sollte deswegen ein letztes Mittel sein. Zumal das nicht direkt die Nieren, aber die Leber belastet, die als zweites Filterorgan ohnehin schon Mehrarbeit leisten muss.

Außerdem kann die Zufuhr von Kohlenhydraten zu einem Diabetes mellitus führen. Daher sollte man Kartoffeln nicht unterschätzen. Sie können am Ende eine Unterstützung auf kurze Zeit sein, doch sie sollten nicht früher als unbedingt nötig eingesetzt werden, um den geschädigten Organismus nicht mit einer weiteren Krankheit zu belasten.

Es kann sein, dass die Katze bereits so schwer an der CNI erkrankt ist, dass dies nötig wird, aber das sollte eben nicht bei einem Tier erfolgen, dem es noch sehr gut geht und bei dem die Krankheit in einem frühen Stadium festgestellt wurde. In so einem Fall sollten erst die anderen Optionen ausgereizt werden.

Epilepsiekatzen sollten überhaupt keine Kohlenhydrate zugeführt bekommen, da der Verdacht besteht, dass Kohlenhydrate Anfälle auslösen.


Welche Möglichkeiten gibt es noch, die Futtergestaltung zu optimieren?

Nicht selten ist CNIchen übel. Und nicht wenige bilden eine Gastritis aus. Dabei reizt Magensäure die Magenschleimhäute und diese entzünden sich. Der Zustand ist sehr schmerzhaft, zusätzlich kommt es nicht selten zu einem Reflux.


Um den Reflux zu vermeiden, bietet es sich an, das Futter erhöht zu stellen, indem man beispielsweise einen tiefen Teller umgekehrt unter dem Napf platziert. Die Katze muss sich nicht so weit hinunterbeugen, um das Futter aufzunehmen.


Idealerweise bekommt die Magensäure keine Möglichkeit zu reizen. Hat man eine Katze, die von sich aus in sehr kleinen Mengen frisst, reicht es aus, weiterhin die gewohnte Anzahl von durchschnittlich drei Mal täglich Futter hinzustellen (die Gewohnheiten der Besitzer gehen hier stark auseinander). Wessen Katze allerdings gleich oder sehr zeitnah auffrisst, was ihr hingestellt wird, kann mit mehreren Mahlzeiten die Gastritisproblematik umgehen.


Regelmäßiges Erbrechen, obwohl es der Katze ansonsten gut geht und sie keine Anzeichen von Übelkeit zeigt, ist ein Hinweis auf eine solche Gastritis (das Erbrechen muss nicht täglich auftreten, auch einmal wöchentlich ist zu häufig, um nicht Versuche zu unternehmen, dagegen vorzugehen). Hierfür kann ein Futterautomat verwendet werden, um in kleinen Abständen (z. B. alle 4 Stunden) füttern zu können, ohne dabei im Alltag eingeschränkt zu sein. Automaten wie der „TX4“ von Trixie bieten vier Fächer, die auf feste Zeiten programmiert werden können. Damit lassen sich problemlos zwölf Stunden und auch noch etwas mehr abdecken, in denen die Katze versorgt ist, während die Besitzer arbeiten sind oder schlafen.

Beispiel:

Zwei Fächer des Automaten bestücken, eine weitere Mahlzeit im Futternapf vorbereiten und erwärmen. Es ist jetzt kurz vor 18:00 Uhr, also wird der Automat auf 22:00 und 2:00 Uhr programmiert, zusätzlich ebenfalls auf 10:00 und 14:00 Uhr. Für 6:00 Uhr am Morgen wird das Prozedere wiederholt, das frisch erwärmte Futter im Napf jeweils sofort verfüttert, den Rest steuert der Automat.


Eine weitere Option, die ebenfalls im Zusammenhang mit der Gastritis stehen dürfte, ist die Konsistenz des Futters. Ist der Magen gereizt und muss – wie für Katzen typisch – Fleischstücke erst noch zerkleinern, kann auch dies zu Erbrechen führen. Die Anschaffung eines Fleischwolfs ist bei CNI-Katzen eine Überlegung wert (oder der Kauf von gewolftem Fleisch).


Neben der Futterzusammensetzung, die für Nierenkatzen angepasst sein sollte, muss man immer ausprobieren, was sich für das eigene Tier bewährt. Was dem einen gut tut, muss nicht für das andere gelten, aber auszuprobieren, kann immer hilfreich sein, um es seinem Liebling so leicht wie möglich zu machen, mit dieser Krankheit noch lange zu leben.

Wichtig ist nur, die CNI sollte eindeutig erwiesen sein, bevor die Zusammensetzung angepasst wird. Die Ernährung gesunder Katzen mit CNI-Barf ist nicht ratsam, weil die Nährstoffzusammensetzung nicht auf gesunde Tiere ausgelegt ist.

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