Die verschiedenen Arten der Rohfütterung - Teil 1: Dr. Ian Billinghurst – Bones and Raw Food Diet

Angespornt durch diese Erkenntnis beschäftigte Billinghurst sich eingehend mit der Ernährung von Hunden und kam zu dem Schluss, dass eine der Evolution des Hundes angepasste Fütterung der Schlüssel zu einem langen und gesunden Hundeleben sei.

Als Basis für die Rohfütterung empfiehlt Billinghurst, rohe, fleischige Knochen zu nutzen. Diese sollen 60%, in manchen Fällen auch 80%, des Futters ausmachen. Den restlichen Bedarf des Hundes soll der Halter durch Muskelfleisch, Innereien, Obst, Gemüse und Ergänzungsmittel abdecken. Als besonders geeignete Knochenmahlzeit nennt Billinghurst hierbei junge Hähnchen. Weniger geeignet seien Beinknochen von Weidetieren, da diese durch ihre hohe Härte die Zähne des Hundes schädigen könnten. Das Beispiel der Hähnchen zeigt sehr gut, was mit dem Begriff „fleischige Knochen“ gemeint ist - nicht nur der blanke Tierknochen, an dem noch vereinzelte Fleisch-reste zum Abnagen verblieben sind, sondern gut mit Fleisch ummantelte Knochenteile.



Billinghurst warnt explizit vor einer Ernährung ausschließlich mit Muskelfleisch, da dies auf Dauer zwangsläufig zu Mangelerscheinungen führen würde. Für ideal befand er die Fütterung von großen Fleischbrocken direkt am Knochen. Als geeignete Innereien nennt Billinghurst Leber, Niere, Herz, Hirn und Zunge der Futtertiere. Pansen sei nur dann wertvoll für die Ernährung, wenn er roh und ungereinigt gefüttert wird. Allerdings sollte er den prozentualen Anteil von 10 bis 15% an der Gesamtfuttermenge nicht überschreiten.



Als weiteren Futterbaustein benennt Billinghurst frisches Gemüse. Dies soll püriert gefüttert werden, damit der Hund die benötigten Inhaltsstoffe optimal aufnehmen und verwerten kann. Obst ist für Billinghurst bei der Hundefütterung nicht zwingend notwendig, kann aber für die Versorgung mit einigen Vitaminen eine positive Bereicherung des Speiseplans darstellen. Früchte sollten nach Billinghurst stets nur überreif gefüttert werden.



Als empfehlenswerte Futterergänzungen sieht Billinghurst Joghurt, Hüttenkäse, Eier, Knoblauch und Bierhefe. Auch Küchenreste finden ihren Platz in diesem Bereich der Futterration. So können auch ungewürzte Speisereste, wie Nudeln, Kartoffeln und Reis als gekochte Mahlzeit mit hohem Stärkegehalt in die Hundefütterung mit einbezogen werden.



Als ungeeignet für die Hundeernährung bewertet Billinghurst Getreide, Knochenmehl und Milch. Geringe Mengen Getreide können in verarbeiteter oder gekochter Form zwar in der Stärkemahlzeit enthalten sein, auf keinen Fall sollte Getreide aber einen derart großen Stellenwert erhalten, wie es ihn bei Fertigfutterprodukten genießt. Eine Notwendigkeit für das Zufügen von Getreide zur Futterration sieht Billinghurst nicht. Knochenmehl und Milch haben durch die Verarbeitung und das Erhitzen fast alle wertvollen Inhaltsstoffe eingebüßt und haben somit fast keinen Nutzen mehr für die Ernährung des Vierbeiners.



Damit der Hund die einzelnen Inhaltsstoffe ideal aufnehmen kann, rät Billinghurst, die Futterbestandteile nicht immer in jeder Mahlzeit gemeinsam zu verabreichen, sondern sie auf verschiedene Tage zu verteilen. So soll die Woche verschiedene Fleischknochentage, Gemüsetage und auch Tage mit einer Stärkemahlzeit oder einen Innereintag beinhalten. Billinghurst ist überzeugt, dass der übliche Futtereintopf, wie er bei Fertigfutter geläufig ist, den Organismus des Hundes überlastet. So können nicht alle angebotenen Nährstoffe und Mineralien optimal aufgenommen werden. Die Organe des Hundes werden durch den Großansturm von verschiedenen Stoffen auf einmal unnötig be- und überlastet. Die Ausgewogenheit der Fütterung ist somit nicht jeden Tag gegeben, sondern pendelt sich über einen Zeitraum von ein, zwei Wochen von selbst ein.



Eine feste Formel für die Zusammenstellung der Mahlzeiten und auch die Futtermenge gibt Billinghurst nicht vor. Die ideale Größe einer Ration soll der Besitzer anhand des Appetits und der körperlichen Entwicklung seines Hundes selbstständig ermitteln.



Generell empfiehlt Billinghurst, auf eine möglichst große Abwechslung in der Fütterung der einzelnen Fleischsorten und der anderen Futterkomponenten zu achten. Auf erhitzte und gewürzte Futterteile sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.

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