Buchrezension: Dr. Med.Vet. Katja Sauer "B.A.R.F. Bibel - Ein medizinischer Ratgeber"

Auch nur ein weiteres BARF-Buch

Ganz neu im Buchhandel ist das Buch der Tierärztin Dr. vet. med. Katja Sauer mit dem Titel "B.A.R.F. Bibel - Ein medizinischer Ratgeber". Der Titel verspricht viel. Erwartet man doch entsprechend viel, wenn sich ein Buch einerseits als "Bibel" und andererseits im Untertitel als "medizinischer Ratgeber" bezeichnet. Auch der Ankündigungstext des Verlages verspricht Großes:

„Dies ist eines der ersten Bücher auf dem Markt, das das Thema BARFen ausschließlich auf der Basis von gesicherten veterinär-medizinischen Kenntnissen erklärt. So wird eine größtmögliche Sicherheit geboten, den Hund optimal zu ernähren.
...

Veterinärmedizinerin Dr. med. vet. Katja Sauer gibt mit diesem Buch nun endlich eine medizinisch fundierte Anleitung zur Berech-nung der Rationen. Ziel dieses Ratgebers ist es, Schluss mit gefährlichem Halbwissen zu machen und dafür wissenschaftlich gesicherte Informationen zu liefern. Hierbei gibt die Autorin auch konkrete Fütterungspläne zum BARFen von jungen Hunden, Senioren und chronisch kranken Hunden.“

Als ich die Ankündigung zum Buch las, waren meine Vorstellungen entsprechend. Was würde mich erwarten? Ein Anti-B.A.R.F.-Buch? Ein pro B.A.R.F.-Buch einer Tierärztin oder ein neutral geschriebenes Buch mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen? Der Name Katja Sauer sagte mir bis dato gar nichts. Also Tante Google gefragt und auf die „Welpenfibel“ von Pedigree gestoßen, ebenfalls geschrieben von Katja Sauer. Dort schreibt sie im Kapitel "Ernährung":

„Wer den Speiseplan für seinen Hund selbst zusammenstellen möchte, sollte sich auf jeden Fall an ein Institut für Tierernährung wenden, um vorher eine individuelle Berechnung des Nährstoffbedarfs durchfüh-ren zu lassen.“

Klingt eher nach Anti-B.A.R.F., da es glauben macht, dass Otto-Normal-Hundehalter nicht in der Lage ist, die Ration für seinen Hund selbst und ausgewogen zusammenzustellen. Mit gefährlichem Halbwissen sollte ja aufgeräumt werden. Schlagwörter wie "gefährliches Halbwissen", "Halbwahrheiten" und "persönliche Philosophien" scheint Katja Sauer übrigens zu lieben, auch und gerade in Hinblick auf die Rohfütterung.

Als dann das Buch ankam, war ich etwas enttäuscht. Von einer B.A.R.F.-Bibel hätte ich etwas mehr erwartet, als magere 81 Seiten. Mein zweiter Blick galt den Quellenangaben. Von einem "Medizinischen Ratgeber" auf "Basis gesicherter veterinärmedizinischer Kenntnisse" erwartete ich die Angabe nachprüfbarer wissenschaftlicher Studien. Nichts! Lediglich sieben Quellen wurden genannt, darunter die Bücher von Helmut Meyer/Jürgen Zentek (Ernährung des Hundes) und Nathalie Dillitzer (Ernährungsberatung in der Kleintierpraxis) in einer jeweils veralteten Auflage. Lediglich eine neuere Studie zu "Energetic consequences of thermal and nonthermal food processing" aus dem Jahre 2011 war dabei.

Der erste Eindruck war also nicht so toll...

Beim Durchblättern fallen viele Bilder und Tabellen auf, die das Geschriebene verdeutlichen sollen, daneben kleine Infokästen mit den wichtigsten Informationen. Die versprochenen Literaturtipps suchte ich dagegen immer noch. Also von Anfang an lesen.

Die B.A.R.F. Bibel beginnt mit einem Ausflug in die Geschichte des BARFens und einem Blick auf den Wolf als Urvater des Hundes. Die sich anschließende Auflistung der Nahrungsbestandteile und ihrer Bedeutung fällt für meine Begriffe zu kurz aus, insbesondere im Hinblick auf die Mineralstoffe und Spurenelemente. Für einen Überblick über die Thematik reicht es aber allemal aus. Gleiches gilt für das Kapitel "Was und Woher", welches sich den einzelnen Komponenten der Rohfütterung widmet.

Wirklich interessant wird das Buch dann im Kapitel "Los gehts!", welches sich der Berechnung der Ration hinsichtlich der wichtigsten Nährstoffe widmet und diese auf relativ einfache Weise dem Leser näher bringt, ohne es zu übertreiben oder zu kompliziert zu machen. Hier finden sich auch einfache Rezepte, die man ohne größere Probleme einfach nachmachen kann. Zu großer Wert wird mir in diesem Kapitel auf fertige "vitaminisierte Mineralstoffmischungen" gelegt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass ausführlicher auf das Thema natürliche Supplementierung eingegangen wird.

Daran schließt sich ein Kapitel zum Thema "Risiken der Rohfütterung" an, welches sachlich und ohne große Polemik über die tatsächlich vorhandenen Risiken informiert, aber dem Leser auch Hinweise an die Hand gibt, wie diese Probleme und Risiken minimiert werden können. Einzig und allein das Thema Entwurmung wird aus meiner Sicht übertrieben, wird doch bei Rohfütterung eine generelle Entwurmung alle sechs Wochen(!) empfohlen.

Das letzte Kapitel widmet sich der Rohfütterung in besonderen Lebenssituationen. Auch dieses hätte in einer B.A.R.F.-Bibel durchaus umfangreicher ausfallen dürfen. Für Besitzer kranker Hunde bietet es allenfalls eine kurze Information, weniger konkrete Hinweise oder gar Fütterungsanweisungen.

Zusammengefasst handelt es sich bei der B.A.R.F.-Bibel auch nur um ein weiteres BARF-Buch, kein schlechtes, aber auch kein besonderes. Nicht mehr und nicht weniger!

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    Über den Autor

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    mein Name ist Peter Alm. Ich bin Tierheilpraktiker und Ernährungsberater für Hunde, Katzen und Pferde, Autor und gemeinsam mit meiner Frau Isabelle Verleger und Herausgeber der Zeitschrift "dubarfst", sowie Administrator der gleichnamigen Community.

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