Packungsbeilage bei Medikamenten beachten!

Auch und gerade hinsichtlich Zulassung für bestimmte Tierarten

© Tim Reckmann - http://pixelio.de

Egal ob im Internet oder in Gesprächen mit Tierbesitzern, immer wieder trifft man auf Empfehlungen, einem Tier Medikamente aus dem Humanbereich oder solche, die für eine andere Tierart, als der eigenen zugelassen sind, zu verabreichen. Gut gemeinte Ratschläge, die nicht selten mit dem Tod eines geliebten Tieres enden.

Schauen wir uns ein Beispiel an, welches sich in unserer Praxis erst vor kurzem ereignete.

Eine wahre Begebenheit

Eines Abends gegen 23:00 Uhr erreichte uns ein Anruf. Eine ziemlich aufgeregte junge Frau, bat uns darum, uns ihren einjährigen Kater anzusehen, da dieser aus dem Maul blutete und stark zitterte. Also den Bereitschaftskoffer gepackt und hingefahren.

Vor Ort angekommen fand ich den Kater in der Küche liegend vor. Das Tier hatte starke zentralnervöse Störungen und krampfte am ganzen Körper, aus dem Mäulchen kam Blut. Auf Berührungen reagierte das Tier extrem panisch und unkoordiniert. Erster Verdacht: Vergiftung! Diese konnte ich vor Ort nicht behandeln, gab dem Kater aber Homöopathika, welche es ihm ermöglichen sollten, die Fahrt in die Tierklinik zu überstehen. Ein Anruf dort kündigte uns an.

Gleichzeitig versuchte ich die völlig verstörte Tierhalterin nach den Ursachen zu befragen. Keine einfache Aufgabe, dennoch war es mir möglich das Geschehene zu rekonstruieren.

Gegen 17:00 Uhr war die Besitzerin mit dem Kater beim örtlichen Tierarzt, die routine- mäßige Ektoparasitenbehandlung stand mal wieder an. Der Kater bekam ein Spot-On-Präparat, welches über die gesamte Rückenlinie appliziert wurde. Dabei erwähnte der Tierarzt auch noch, dass es sich eigentlich um ein Präparat für kleine Hunde handelte, diese seien ja aber auch nicht viel schwerer, als der Kater.

Circa 20:00 Uhr bemerkte die Besitzerin, dass mit dem Kater etwas nicht stimmte. Der Kater war sichtlich unruhig und ging förmlich die Wände hoch. Der besorgte Anruf beim behandelnden Tierarzt wurde mit den Worten quittiert, dass das normal wäre und sie ihn heute Abend bitte nicht mehr anrufen möge.

Nachdem die Unruhe sich weiter verstärkte, der Kater irgendwann aus dem Maul blutete und später dann stark krampfend in der Küche lag, erfolgte dann der Anruf bei uns.

In der Tierklinik angekommen wurde der diensthabende Tierarzt von mir kurz und knapp über den Fall unterrichtet. Eine Vorführung der in der Praxis vorhandenen Spot-On-Präparate zur Ektoparasitenbekämpfung ergab, dass der Kater mit Fletic mini behandelt wurde, einem Präparat mit 744mg des Wirkstoffs Permethrin. Einem Mittel, welches für Hunde bis 15 kg zugelassen ist und welches ein gut sichtbares Pictogramm trägt, welches die Anwendung an Katzen verbietet.

Um die zentralnervösen Störungen zu behandeln und den Kater zur Ruhe zu bekommen, um ihn überhaupt weiter behandeln zu können, wurden dem Kater jetzt starke Beruhigungsmittel verabreicht. Nachdem diese wirkten, wurde der Kater gründlich gewaschen, um vorhandene Reste des Peremethrin aus dem Fell und von der Haut zu bekommen.
Weiterhin wurden dem Kater mittels Infusion Beruhigungsmittel verabreicht, um die zentralnervösen Störungen in den Griff zu bekommen. Den Rest musste er alleine schaffen, ein Antidot (Gegenmittel) bei einer Peremethrinvergiftung existiert leider nicht!

Er hat es leider nicht geschafft. Gegen 04:30 Uhr wurde der Organismus mit dem Gift nicht mehr fertig und der Kater ist verstorben.

Packungsbeilagen gründlich lesen!

Dabei ist es unerheblich, ob der Wirkstoff synthetischer oder natürlicher Herkunft ist. Gerade auch die Natur hält einige Stoffe bereit, welche nur darauf warten zu töten. Im obigen Beispiel fehlt der Katze ein Enzym, um das Permethrin zu verstoffwechseln. Deshalb ist das Medikament auch nicht für Katzen zugelassen und wurde entsprechend gekennzeichnet.
Gleiches gilt auch für das natürliche, dem Permethrin sehr ähnlichen Pyrethrin, welches beispiels- weise in Chrysanthemen vorkommt. Auch dieses können Katzen nicht verstoffwechseln.

Bitte achten Sie deshalb zukünftig noch genauer auf die Herstellerangaben bezüglich der Tierart, bei denen Sie diese Mittel verwenden, damit Ihnen und vor Allem Ihrem Tier unnötiges Leiden erspart bleibt.

Über Peter Alm (13 Artikel)
Hinter Pommernschaf verstecke ich mich, Peter Alm: Tierheilpraktiker, Ernährungsberater für Hunde und Katzen, Autor und gemeinsam mit meiner Frau Isabelle Verleger und Herausgeber der Zeitschrift "dubarfst", sowie Administrator der gleichnamigen Community.

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