Artgerechtes Futter für Chinchillas

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Bei Hunden und Katzen finden sich immer mehr Halter, die dem industriellen Futter den Rücken kehren, um ihre Tiere artgerecht zu ernähren und auch bei Kaninchen und Meerschweinchen bleiben die bunten Getreidemischungen immer öfter im Kaufhausregal liegen. Bei immer mehr Haustieren beginnen die Besitzer, die Fütterung zu hinterfragen und ihre Lieblinge artgerecht und frisch zu ernähren. Sei es im Fall von Hund und Katz mit Fleisch oder Gemüse und frisches Grün für Kaninchen.

Leider stellen die Chinchillas in diesem Bereich noch eine Ausnahme dar. Das Gerücht, man könne Chinchillas nur mit den Spezialpellets aus dem Zoofachhandel gesund ernähren, hält sich sehr hartnäckig. Wirft man einen Blick auf die Zusammensetzung des Futters, stellt sich schnell die Frage, was an Getreide und Molkereinebenerzeugnissen – je nach Futter auch diversen Farbstoffen – für einen Bewohner der chilenischen Anden gesund und natürlich sein soll.

In allen Ratgebern liest man stets den dringenden Hinweis, dass Chinchillas eine karge Ernährung brauchen und alles andere ihrem Verdauungstrakt schadet. Was man sich unter „karg“ vorstellen muss, wissen jedoch die Wenigsten. In der Fütterungspraxis bedeutet dies nichts anderes, dass Chinchillas mit energiearmen und faserreichen Pflanzen ernährt werden müssen.

Hierzu zählen, neben dem üblichen Heu, auch frische Gräser, Kräuter, sowie Zweige mit Blüten, Knospen und Blättern, Rindenstücke, aber auch Salat und Grünteile von verschiedenen Kulturpflanzen. Auch frisches Obst und Gemüse ist nicht – wie oft behauptet – Gift für Chinchillas, sondern kann den Futterplan täglich ergänzen.

Der Hauptanteil des Futters sollte jedoch das sogenannte Raufutter ausmachen. Dieses sorgt, neben einer geregelten Verdauung, auch für einen gleichmäßigen Abrieb der Zähne. Blätter und Kräuter – egal ob frisch oder getrocknet – sowie Heu und Äste zu benagen, sollte den Chinchillas daher als Grundnahrung geboten werden.

Dabei müssen Kräuter und Co nicht in Fertigtrockenmischungen gekauft werden. Man sollte den eigenen Garten und auch den Wald vor der Haustür als Futterquelle nicht unterschätzen. Viele Pflanzen von der ungedüngten Wiese, wie Löwenzahn und Gänseblümchen, sowie diverse Sträucher und Bäume und auch Gewächse aus dem Gemüsegarten können von Frühjahr bis Herbst als Futterlieferanten dienen. Auch die Blätter von ungespritzten Maispflanzen können gut in die Ernährung der Chinchillas eingebunden werden.

Wer für den Winter einen Vorrat an Futterpflanzen aus eigener Ernte haben möchte, kann diese im Herbst sammeln und in einem Dörrautomaten oder bei guter Witterung auch mit Hilfe der Sonne trocknen und bis zur Fütterung trocken lagern.

Nicht zu unterschätzen ist bei dieser Art der Fütterung auch der Beschäftigungsfaktor für die plüschigen Mitbewohner. Während sich Pellets in kaum einer anderen Form füttern lassen, als aus dem Futternapf, können frische und getrocknete Kräuter je nach Größe und Länge der Pflanzen in verschiedensten Formen dargeboten werden.

Mittlerweile findet das Thema artgerechte Chinchillafütterung immer mehr Anhänger. Dennoch stößt man bei kaum einem anderen Haustier auf soviel Widerstand und Gerüchte bei der Abkehr vom Fertigfutter. Chinfreunde, die sich dennoch eingehender mit dem Thema der pelletfreien Fütterung auseinandersetzen möchten, finden im Internet erste Foren und Interessengruppen, die sich mit der artgerechten Chinchilla-Ernährung beschäftigen und Einsteigern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Über Raphaela Oswald (2 Artikel)
Raphaela Oswald, Jahrgang 1980, studierte Literaturwissenschaft, Pädagogik und Psychologie und arbeitete bereits während der Zeit an der Universität ehrenamtlich im Tierheim. Nach einem Jahr hauptamtlicher Tierschutzarbeit ist sie seit 2007 als freie Journalistin tätig und veröffentlichte in mehreren Magazinen und Zeitschriften diverse Artikel rund um die Themen Tierschutz und Hund. Derzeit lebt sie mit ihrem Lebensgefährten und ihren beiden Hunden im oberbayerischen Ramerberg.

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