Vom Unsinn, Hunde vegetarisch zu ernähren

© Olga Meiersander - http://pixelio.de

Es ist erstaunlich, auf welche Ideen der Mensch in der Diskussion um die Ernährung von Hunden (und auch Katzen) kommt. Eine dieser „grandiosen“ Ideen ist es, Hunde vegetarisch ernähren zu wollen. Darüber kann man sich im Internet belesen, es gibt auch diverse Bücher zum Thema.

Als Begründung, einen Hund fleischlos oder gar vegan zu ernähren, werden verschiedene Gründe genannt. An erster Stelle steht hier der Tierschutz. Meist handelt es sich hier um Menschen, die sich aus ethischen Gründen selbst vegetarisch oder vegan ernähren und dieses Prinzip dann auch auf ihren Hund übertragen. So unter dem Motto: „Kein Tier darf für die Befriedigung der Bedürfnisse eines anderen sterben.“ Es wird mit schrecklichen Haltungsbedingungen, Tiertransporten, Schlachtung und Tierquälerei argumentiert.

Schauen wir uns das einmal genauer an. Es ist ganz sicher richtig, sich gegen industrielle Massentierhaltung und den damit verbunden Qualen für die Nutztiere zu wenden. Ich als Mensch habe natürlich auch die Freiheit, aus diesem Grund auf den Verzehr tierischer Produkte zu verzichten. Soweit so gut. Aber habe ich das Recht, dies auch dem Hund überzustülpen, für dessen Wohlergehen ich die Verantwortung übernommen habe?

Werfen wir doch vorab mal einen Blick ins Deutsche Tierschutzgesetz, Zweiter Abschnitt – Tierhaltung – § 2. Hier steht:

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Aha, interessant. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob vegetarische Kost für einen Hund eine seinen Bedürfnissen entsprechende Ernährung darstellt. Welche Bedürfnisse hat ein Hund im Zusammenhang mit seiner Ernährung?

Unsere Haushunde stammen vom Wolf ab und sind wie ihre wilden Vorfahren Karnivoren, also Fleischfresser. Da sie auch einen kleinen pflanzlichen Anteil mit ihrer Nahrung aufnehmen (z.B. Mageninhalt der Beutetiere, Kräuter, Beeren) bezeichnet man sie häufig auch als omnivore Karnivoren. Der Hauptbestandteil des Futters unserer Haushunde muss demzufolge tierischer Herkunft sein. Man geht dabei von ca. 80 – 90 % tierischen und 10 – 20 % pflanzlichen Bestandteilen in der Gesamtfuttermenge aus. Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollte eigentlich Jedem klar sein, dass die vegetarische Ernährung von Hunden alles andere als artgerecht ist. Im Gegenteil! Ich persönlich bin der Meinung, dass sie einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt und Tierquälerei ist.

Und sind wir doch mal ehrlich: Dem Hund ist Massentierhaltung erstmal egal. Dieses Argument ist einzig unser menschliches Empfinden und hier habe ich andere Möglichkeiten, auf die Herkunft von Futter und Fleisch zu achten, als meinem Hund die vegetarische Ernährung aufzuzwingen. Interessanterweise kenne ich sehr viele Vegetarier, die sogar bereit sind, ihrem Hund Frischfleisch statt Industriefutter zu füttern. Ihr Argument ist, dass sie mit ihrer eigenen Ernährung bewusst umgehen und dies dazu geführt hat, das Gleiche auch bei der Fütterung ihrer Hunde zu tun. Na schau mal Einer an!

Oft wird das Argument der Domestikation zum Haustier angebracht. Es heißt dann, der Hund habe sich über die vielen Jahre der Haustierwerdung so weit an die Ernährung des Menschen angepasst, dass er selbst vegetarisches Futter gut verwerten könne. Auch würde das heutige vegetarische Hundefutter durch seine optimale Zusammensetzung alle Nährstoffe liefern, die ein Hund braucht. Letzteres stimmt nur zum Teil und nur rein theoretisch. Sicherlich sind in diesen Futtermitteln alle Nährstoffe enthalten, die der Hund benötigt. Nur liegen sie in einer Form – nämlich pflanzlich – vor, die der Hund schlecht und keinesfalls in ausreichendem Maße verwerten kann, weil seine Verdauung gar nicht darauf ausgelegt ist. Die pflanzliche Nahrung belastet den Organismus, ganz besonders Nieren, Leber und Bauchspeicheldrüse. Der Organismus verschlackt nach und nach, was neben dem Mangel an notwendigen tierischen Proteinen und Fetten zusätzlich auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führt.

Das erste Argument ist schlicht und ergreifend Quatsch. Der Verdauungsapparat der Hunde hat sich in den vielen Jahren der Domestikation kaum verändert und ist dem seiner wilden Vorfahren, der Wölfe, fast identisch. Das heißt, dass seine Verdauung auch heute noch auf die Verarbeitung hauptsächlich tierischer Futtermittel ausgelegt ist und er diese auch zwingend zu seiner Gesunderhaltung benötigt. Wer sind wir Menschen eigentlich, dass wir uns permanent einbilden, der Natur reinreden und sie Lügen strafen zu wollen?

Oft wird dargelegt, dass in der vegetarischen Hundenahrung durch ihre Verarbeitung, z.B. durch Kochen, die Nährstoffe so vorliegen, dass sie vom Hundeorganismus problemlos aufgenommen und verarbeitet werden könnten. Das ist leider nicht möglich, da der Hund nun einmal tierische Nährstoffe benötigt, der Verdauungstrakt des Hundes im Gegensatz zu dem von Pflanzenfressern wesentlich kürzer ist und er demzufolge die Nährstoffe aus pflanzlicher Kost nicht gut aufnehmen kann. Außerdem werden die Nährstoffe durch das Verarbeiten auch noch verändert, was wiederum der Verwertung im Organismus hinderlich ist. Daran ändert auch die Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen nichts, welche notwendig ist, um den Mangel wieder auszugleichen. Mangelerscheinungen und gesundheitliche Probleme sind auf lange Sicht die Folge einer solchen Fehlernährung.

Geht man nun in die weitere Diskussion, kommen wir schnell an den Punkt, dass vegetarische Ernährung für Hunde zwar vielleicht unnatürlich sei, es jedoch genauso unnatürlich ist, dass Hunde Halsbänder tragen, im Körbchen im Haus oder gar im Bett des Menschen schlafen oder Dosenfutter fressen. Der Hund lebe also völlig unnatürlich mit den Menschen zusammen, aber das sei ja deshalb nicht gleich schlecht und „natürlich“ demzufolge nicht unbedingt gut. Hier komme ich wieder auf den Tierschutz zurück. Wenn ich mich entscheide, einen Fleischfresser in mein Heim aufzunehmen, übernehme ich für dieses Wesen die Verantwortung und bin Zeit seines Lebens verpflichtet, ihn entsprechend seinen Bedürfnissen zu versorgen. Das schließt Haltung, Pflege und Umgang ebenso mit ein wie seine Ernährung. Davon dass Halbänder zu tragen unnatürlich sei, darauf zu schließen, dass es demzufolge auch nicht so schlimm sein kann, den Hund unnatürlich, in dem Fall vegetarisch zu ernähren, ist verantwortungsloser Unfug und grenzt schon an „Bauernschläue“.

Dann gibt es noch das Argument, dass manche Hunde gar kein Fleisch vertragen und deshalb mit vegetarischen Spezialprodukten ernährt werden müssten. Ich weiß von einigen Hunden, die die Diagnose „Allergisch auf jede Form tierischen Proteíns“ erhielten. Ich weiß auch, wie verzweifelt mancher Hundebesitzer nach den Jahren der Odyssee von Tierarzt zu Tierarzt, ohne dass der Durchfall, das Hautjucken oder andere Beschwerden sich auch nur ansatzweise besserten, am Ende sein müssen. Und dann eine solche Diagnose! Was soll man da machen? Ich wage aber dennoch die Behauptung, dass auch diese Hunde keine Fleischallergie haben, sondern das Problem ein anderes ist. Ich wage auch zu behaupten, dass die vegetarische Fütterung in solchen Fällen zwar vielleicht kurzfristig Besserung bringt, langfristig aber die Probleme durch Schädigung der Nieren, Verschlackung des Organismus etc. nur vergrößern wird. Leider.

Und hier kommen wir wieder an einen sehr interessanten Punkt. Vegetarische Ernährung von Hunden ist möglich und soll helfen, bestimmten Krankheiten vorzubeugen. Dies belege auch ein Test an 300 vegetarisch und vegan ernährten Hunden der Tierschutzorganisation PETA. So könne z.B. die linksseitige Herzerweiterung durch eine bestimmte Aminosäurekombination im Futter verhindert werden. Aber Vorsicht! Es ist kaum möglich den Hund mit selbst zubereiten vegetarischen Rationen zu ernähren, da hierfür spezielle Kenntnisse über eben diese bestimmte Aminosäurekombination erforderlich sind. Nachtigall ich hör dich trapsen…

Betrachtet man nun alles zusammen, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass vegetarische Hundeernährung lediglich ein Stück weit unsere eigenen ethischen und moralischen Bedenken mildern kann, aber keinesfalls eine artgerechte Ernährung für Hunde darstellt. Und mit den ethischen und moralischen Bedenken ist das auch so eine Sache… Hören die dann etwa beim Hund auf? Das sollten sie jedenfalls nicht und deshalb sind wir als Hundehalter auch verpflichtet, unserer Verantwortung nachzukommen und unsere Hunde art-, tier- und bedürfnissgerecht zu ernähren und das heißt nun einmal: Ein Fleischfresser braucht Fleisch. Punkt. Alles andere wäre Tierquälerei. Wer sich damit nicht anfreunden kann, sollte auf das Zusammenleben mit Hund und Katze verzichten und sich statt dessen Kaninchen halten.

Ob wohl schon einmal ein „eingefleischter“ Fleischesser auf die Idee gekommen ist, seinem Kaninchen ein schönes fettes Steak vorzusetzen? Wohl kaum…

 

Über Isabelle Czok-Alm (7 Artikel)
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