Alternative Therapien = schnelle Wunder, kostenlos?

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Wer zu einem Tierheilpraktiker kommt, hat oftmals schon einen wahren Tierarzt-Marathon hinter sich. Neben der entsprechenden Zeit hat er auch schon eine ganze Menge Geld bei den einzelnen Tierärzten gelassen. Hat sich bis zu diesem Zeitpunkt kein Erfolg eingestellt, wird der Gang zu einem alternativen Therapeuten, einem Tierheilpraktiker erwogen. Und dann wird erwartet, dass dieser schnelle Wunder vollbringt und das Ganze bitte auch noch kostenlos! Schnell ist die Enttäuschung dann groß, denn diesen Ansprüchen kann kein Tierheilpraktiker oder sonstiger Therapeut auch nur annähernd gerecht werden.

Schnelle Wunder?

Erkrankungen unserer Tiere kommen in aller Regel nicht von heute auf morgen. Besonders trifft diese Aussage auf Erkrankungen zu, welche ein Fall für den Tierheilpraktiker oder andere alternative Tiertherapeuten sind. Sie entwickeln sich durch ein Ungleichgewicht des tierischen Organismus, lange bevor sie sich durch Symptome manifestieren und sichtbar werden.

Eine (dauerhaft) erfolgreiche Behandlung dieser Erkrankungen benötigt deshalb meistens auch mindestens die gleiche Zeit, um vollständig auskuriert werden zu können, wie sie zu ihrer Manifestation in Anspruch nahmen. Erst recht wenn der Organismus durch voraus gegangene allopatische Therapien zusätzlich geschwächt wurde und nun von diversen Giftstoffen (Antibiotika, Cortikoide etc.) befreit werden muss, bevor mit der eigentlichen (alternativen) Therapie begonnen werden kann.

Oftmals ist auf den ersten Blick auch keine eindeutige Ursache für eine Erkrankung erkennbar. Die Suche nach dieser Ursache ist aber eine der Grundvoraussetzungen für eine ganzheitliche Therapie. Gleiche Symptome können ihre Ursache in den unterschiedlichsten Erkrankungen haben. Langwierige “Detektivarbeit” durch den Therapeuten ist hier gefragt. Aber auch der Tierbesitzer ist gefragt. Je mehr er dem Therapeut über das Tier, seine Lebensumstände, Vorerkrankungen (auch der Elterntiere, soweit bekannt), bisherige Therapieansätze (Stichwort: durch Medikamente unterdrückte Symptome) usw. berichtet, desto eher wird die Suche nach der Ursache von Erfolg gekrönt sein.

Ist die Ursache erkannt, ist es Aufgabe der anschliessenden Therapie, das Ungleichgewicht des Organismus auszugleichen und den Organismus dadurch in die Lage zu versetzen, sich selbst zu heilen. Die dafür notwendige Zeit muss von Tierhalter und Therapeut aufgebracht werden. Wird die Therapie aus Ungeduld abgebrochen, ist dies immer zum Schaden des Tieres. Und Schuld ist dann nicht die Schulmedizin, sondern immer die alternative Medizin!?

Schnelle Wunder, kostenlos?

Wie schon eingangs erwähnt, kommen die meisten Patientenbesitzer erst auf einen alternativ arbeitenden Therapeuten, wenn der Patient schulmedizinisch austherapiert ist und sich trotz langwieriger Therapien und hoher tierärztlicher Kostennoten kein nachhaltiger Erfolg einstellen will.

Jetzt muss also der alternativ arbeitende Therapeut ran. Da aber schon die vorangegangenen Tierarztbesuche ein riesen Loch in die Haushaltskasse gerissen haben, darf die nun folgende Behandlung nichts mehr oder zumindest nicht mehr viel kosten! Außerdem arbeitet der Tierheilpraktiker ja aus reiner Tierliebe 🙂 .
Mag sein, aber auch der Tierheilpraktiker (oder jeder beliebige andere Tiertherapeut) lebt nicht allein von Luft und Liebe! Auch er muss sich und seine Familie ernähren dürfen, muss die Kosten für seine Tätigkeiten (und Aus- und Weiterbildung) mit irgendetwas bestreiten und muss letztendlich auch dem Staat einen nicht geringen Teil seiner Einnahmen abgeben.

Diskussionen erwünscht!

Soweit meine Gedanken dazu, welche man sicher auch weitaus ausführlicher darstellen könnte. Ich möchte aber zur Diskussion anregen, weshalb ich es dabei belasse. Jetzt sind Sie dran – wie sehen Sie es? Diskutieren Sie mit uns…

Alternative Therapien = schnelle Wunder, kostenlos?

Über Peter Alm (13 Artikel)
Hinter Pommernschaf verstecke ich mich, Peter Alm: Tierheilpraktiker, Ernährungsberater für Hunde und Katzen, Autor und gemeinsam mit meiner Frau Isabelle Verleger und Herausgeber der Zeitschrift "dubarfst", sowie Administrator der gleichnamigen Community.

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