Alles BIO?

© MuTiG GbR

Immer mehr Verbraucher gehen bewusster mit dem Thema Ernährung um. Nicht nur in Bezug auf die eigene Ernährung, auch wenn es um die ihrer Haustiere geht, machen sich immer mehr Tierhalter immer mehr Gedanken. Wo die Fragen vor einiger Zeit noch lauteten: „Welche Fütterungsform wähle ich?“, „Ist Barfen für mich und mein Tier eine machbare Alternative zur Fertigfütterung?“, geht man heute teilweise noch einen Schritt weiter. Oft werden wir nach verlässlichen Quellen für Bio-Fleisch oder Fleisch aus tiergerechter Haltung gefragt.

Dank der Initiative vieler Menschen, Bürgerinitiativen, Vereine und Tierschutzorganisationen ist das Thema industrielle Massentierhaltung in allen Medien und in aller Munde. Ein Skandal jagt den nächsten. Antibiotikamissbrauch, gefährliche Keime auf Fleisch, Tierquälerei und unwürdige Haltungsbedingungen – über all das wird diskutiert und immer mehr Verbraucher denken über die  Herkunft des Fleisches nach.

Dabei steht Bio für Qualität, Tier- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, gesunde Ernährung und besseren Geschmack. „Öko“ und „Bio“ sind gesellschaftsfähig geworden und nicht mehr  belächelte Einstellung alternativer Freaks.

Natürlich kostet Biofleisch mehr als konventionell erzeugtes Billigfleisch aus industrieller Massentierhaltung. Die Haltung ist viel aufwendiger, arbeits- und kostenintensiver. Viele Arbeitsprozesse werden in Handarbeit erledigt. Durch diese Form der Haltung und Betreuung entstehen demzufolge mehr Arbeitsplätze und höhere Personalkosten, die eben auch finanziert werden müssen. Die  Tiere aus Ökolandbau haben mehr Zeit zum Wachsen, wodurch höhere Futterkosten entstehen. Ihnen steht mehr Platz zur Verfügung, was einen erhöhten Flächenbedarf nach sich zieht.

Zahlreiche Studien belegen, dass der biologische Landbau mit erheblich geringeren Umweltbelastungen einhergeht als die konventionelle „Tierproduktion“ (Was für ein Wort! ! ) Es werden keine  Pestizide, andere Schadstoffe und Medikamente eingesetzt und Gentechnik ist selbstverständlich absolut tabu. In der konventionellen Landwirtschaft werden Unmengen an chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln verwendet, welche die Umwelt belasten. Bei biologischer Erzeugung sollen die gesamten damit verbundenen Umweltbelastungen um mehr als die Hälfte (! ) geringer sein als in der konventionellen Produktion (Jungbluth 2000).

Biologisch wirtschaftende Bauern helfen also, die Umwelt und damit viele Lebensräume und die Artenvielfalt zu schützen und zu erhalten. Das ist insgesamt schonender und gesünder für Mensch, Tier und Umwelt, aber eben auch teurer. Qualität hat nun einmal – zu recht – ihren Preis. Auch darf man nicht außer Acht lassen, dass bei der Vermarktung der konventionellen Produkte die enorm  höheren Umweltkosten, die durch diese Umwelt-schädliche Produktionsweise entstehen, nicht nach dem Verursacherprinzip in den Preis, den wir dann an der Fleischtheke bezahlen, mit einberechnet werden. Sie werden demzufolge schon aus diesem Grund mit ihren Discountpreisen viel zu billig angeboten. Die Kosten dafür trägt letzlich jeder Steuerzahler, unabhängig davon, ob er  sich bereits für den Kauf von Bio-Produkten und damit für eine umweltschonende Erzeugung entschieden hat und dafür auch schon beim Produkt bereit ist einen höheren Preis zu zahlen oder nicht.

Jedoch gestaltet es sich auch nicht unbedingt einfach, zu unterscheiden, ob das Fleisch, dass ich kaufen will, auch den von mir bevorzugten Kriterien in Sachen Haltung entspricht. Mal abgesehen von bestimmten Herstellern, die für rein industrielle Produktion bekannt sind und die man dann problemlos meiden kann, ist es gar nicht so einfach, zu erkennen, was nun wirklich nach entsprechenden Kriterien produziertes Fleisch – oder auch Gemüse und Obst – ist. Mehr als 300 Etiketten und Siegel findet man als Kennzeichnung auf im Handel erhältlichen Produkten. Diese laden mit Aufdrucken wie „geprüfte Markenqualität“ oder „Qualitätsfleisch“ zum Kauf ein. Das erweckt bei vielen Verbrauchern erstmal einen guten Eindruck und die wenigsten wissen, ob dies berechtigt ist oder nicht.

Wenn wir uns mit der Kennzeichnung beschäftigen, sollte man, geht es uns um einen würdigeren Umgang mit Tieren, mindestens auf das allseits bekannte staatliche BIO-Siegel achten. Mit diesem wird garantiert, dass bezogen auf die Tierhaltung zumindest die Mindeststandarts der EG-Öko-Verordnung eingehalten werden. Auch wenn diese Verordung aus meiner Sicht keinesfalls weit genug geht, wird hier auf die arteigenen natürlichen Bedürfnisse der gehaltenen Nutztiere mehr Rücksicht genommen als bei konventioneller industrieller Massentieroder Intensivhaltung. Den Tieren stehen mehr Platz, Einstreu, Frischluft und Licht im Stall zur Verfügung und es soll regelmäßiger Auslauf gewährt werden. Das ist schon ein enormer Fortschritt. Ich persönlich finde jedoch, dass auch dies noch keine wirklich tiergerechte Haltung ist und diese demzufolge auch nicht garantieren kann. Eine Verbesserung der Haltungs- und Lebensbedingungen unserer Nutztiere ist es aber auf jeden Fall.

Darüber hinaus gibt es die zahlreichen Bio-Anbauverbände, zum Beispiel Bioland und Demeter. Diese kennzeichnen ihre Produkte mit den Bio-Siegeln ihrer Anbauverbände, in denen sich  landwirtschaftliche Produzenten zusammen geschlossen haben, die ihre eigenen Erzeugerrichtlinien aufstellten. Diese gehen meist weit über die europaweit geltenden staatlichen Mindestrichtlinien hinaus. Sie unterscheiden sich von den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung und auch untereinander darin, dass sie zum Beispiel bei den Haltungsbedingungen verschiedene Besatzdichten und Gruppengrößen vorgeben. Auch die geforderten Transportbedingungen und die Ruhezeiten am Schlachthof unterscheiden sich.

Man kann also zusammenfassend sagen, dass aufgrund dieser Unterschiede auch BIO-Siegel nicht gleich BIO-Siegel ist. Wer dies als Entscheidungskriterium in Sachen tiergerechte Haltung beim Fleischeinkauf berücksichtigen möchte, sollte sich einerseits mit den einzelnen Siegeln näher befassen und sich andererseits im Klaren darüber werden, was er noch akzeptabel findet und was nicht. Zum Beispiel auf der Internetseite www.provieh.de kann man sich den „Einkaufsratgeber – Durchblick bei Öko-Siegeln und Bio-Marken“ herunterladen, der über die Unterschiede der einzelnen Siegel informiert und so eine Entscheidungshilfe sein kann.

Ich bin übrigens gar nicht der zwingenden Ansicht, dass es unbedingt BIO-Fleisch sein muss, was wir selbst verzehren oder unseren Tieren in den Napf legen. Aber zwei Dinge kann man meines Erachtens nach auf jeden Fall beachten.

Man kann den eigenen Fleischkonsum auf ein vernünftiges Maß und damit auf ein vertretbares Minimum reduzieren. Das geht selbstverständlich nur bei uns Menschen! Bei Hund und Katze ist
dies unmöglich. Es gibt zwar ganz radikale Vertreter im Tierschutz, die der Meinung sind, man könne und müsse Hunde und Katzen aufgrund der Tierschutzproblematik in der Massentierhaltung  vegetarisch ernähren. Diese sollten sich jedoch ernsthaft fragen, ob sie sich Tierschützer nennen dürfen, da es in meinen Augen ganz klar Tierquälerei ist, einen Fleischfresser rein pflanzlich zu ernähren und damit ebenso ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetzt wie die „Produktion“ von Fleisch in industrieller Massentierhaltung.

Man kann darauf achten, dass das Fleisch, welches wir unseren Tieren füttern, aus seriösen Quellen stammt und nicht aus industrieller Massentierhaltung. Wenn ich die Möglichkeit habe, beim Bauern nebenan, der vielleicht nicht BIO produziert, dessen Kühe, Schweine und Hühner aber tiergerecht gehalten werden, mein Fleisch zu kaufen oder von Händlern, die garantieren können, dass  ihr Fleisch aus artgerechter Haltung stammt, ist mir das sogar fast noch wichtiger als strikte BIO-Produktion. Wenn ich weiß, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden, auf die Weide durften, respektvoll behandelt und damit ein würdevolles Leben führen durften, ist mir dies das aller Wichtigste.

Damit sind wir am Ende meiner Überlegungen angekommen und damit auch bei einem Problem. In Deutschland werden sehr viele Hunde und Katzen gehalten. Ist es überhaupt möglich, zumindest diejenigen, welche roh gefüttert werden, mit Fleisch aus BIO- oder artgerechter Haltung zu versorgen? Das dürfte angesichts der derzeitigen Situation schwierig werden. Es ist gar nicht so einfach, Fleisch für unsere Haustiere, dass diesen Kriterien entspricht, zu kaufen. Es gibt (noch) nicht sehr viele Anbieter, die diesem Anspruch gerecht werden und diesen auch konsequent umsetzen. Auch weil es gar nicht so viele Erzeuger gibt, die solches Fleisch anbieten und damit die Hürde für die Händler, solche Produkte in ausreichender Menge anzubieten, relativ hoch ist.

Ein zweites Problem ist ein finanzielles. Wie viele Tierhalter sind von vorn herein bereit, für das Futter ihrer Vierbeiner einen entsprechend höheren Preis zu bezahlen? Und wie viele reden davon und kaufen dann doch lieber Billigfleisch? Und wie viele würden gern mehr Geld für Artgerechtigkeit ausgeben, sind aber finanziell selbst nicht in der Lage dazu? Das sind Überlegungen, die wir bei dem Thema nicht außer acht lassen dürfen.

Allerdings sollten wir bei der Frage, ob wir uns das leisten können auch nicht vergessen, dass auch die Massentierhaltung mit dem auf den Markt geworfenen Billigfleisch ihren Preis hat. Und ich befürchte, dass dieser im Endeffekt höher ist, als wenn sich mehr Menschen beim Fleischkauf, -Konsum und der -Fütterung für Artgerechtigkeit entscheiden würden. Wir zahlen die Disscountpreise mit der Duldung von Tierleid, der Zerstörung unserer Umwelt und damit unserer Lebensgrundlage und unserer Gesundheit – auch der unserer Tiere. . .

Eine wirklich hundertprozentige Universallösung, die für jeden Menschen und jedes Tier passt, habe auch ich nicht parat – leider. Letztlich entscheiden wir mit unserem Kaufverhalten, wie sich diese Sache entwickelt. Ich muss also zuallererst auf mich selbst schauen und mein eigenes Konsumverhalten überprüfen. Und natürlich immer wieder andere (so viele wie möglich) Menschen auffordern, das auch zu tun. Je mehr Menschen sich gegen Fleisch aus Massentierhaltung entscheiden und darauf achten, was sie auch ihren Vierbeinern in den Napf legen, umso größer ist die Chance, dass sich auch das Angebot ändert.

Man kann sich immer wieder informieren und über die Zustände und die Alternativen aufklären. Auch sollte man nicht den Mund halten und sich diesen auch nicht verbieten lassen. Man kann nach kreativen Lösungen suchen. Eine davon sind zum Beispiel Sammelbestellungen, mit denen sich die Kosten des Einzelnen schon ein wenig minimieren lassen. Auch lohnt es sich, darauf zu achten, wie viel und was man so wegwirft oder was beim Bauern nebenan so „entsorgt“ wird. Hier kann nachgefragt werden, ob man vielleicht so genannte Fleischabfälle erwerben kann. Schließlich soll der Hund ja nicht nur mit „Schnitzel“ gefüttert werden.

Wenn man meint, man kann sich partout kein Futterfleisch aus artgerechter Haltung leisten, lohnt es sich vielleicht, auch mal darüber nachzudenken, wofür man sonst Geld ausgibt. Ich weiß, dass es  Menschen gibt, die wirklich mit einem absoluten Minimum auskommen müssen und für die solche Überlegungen fast wie eine Anmaßung klingen. So ist es auf keinen Fall gemeint. Dennoch wird der Eine oder Andere erstaunt feststellen, für welchen überflüssigen Kram man so Geld lässt und damit ungeahnte Einsparungen entdecken, die man dann vielleicht in Artgerechtigkeit investieren kann.

Also nicht verzagen! Nachfragen beim Bauern um die Ecke, beim Metzger, bei Betreibern von Onlineshops. Darüber reden, sich informieren und aufklären. Und eben auch das eigene Verhalten überprüfen. Auf jeden Fall aufmerksam sein und am Ball bleiben.

Quellen:

  • BUND – www.bund.de
  • Provieh – www.provieh.de
  • Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ – www.bauernhoefe-statt-agrarfabriken.de
  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. – www.abl-ev.de
  • Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt – www.albertschweitzer-stiftung.de
  • Bürgerinitiative „Pro Landleben Brohmer Berge“ – www.bi-brohmerberge.de
Über Peter Alm (13 Artikel)
Hinter Pommernschaf verstecke ich mich, Peter Alm: Tierheilpraktiker, Ernährungsberater für Hunde und Katzen, Autor und gemeinsam mit meiner Frau Isabelle Verleger und Herausgeber der Zeitschrift "dubarfst", sowie Administrator der gleichnamigen Community.

Wir freuen uns über ihre Kommentare zum Thema: