Giftige Gefahren im Haushalt – Teil 2

© Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

In jedem Haushalt lauern Gefahren für unsere Haustiere in für uns Menschen teilweise alltäglichen Dingen. Dies müssen nicht immer nur offensichtlich gefährliche Giftstoffe sein. Auch scheinbar harmlose, für uns Menschen ungefährlich Dinge können für Hund und Katze zur Gefahr werden. In Teil 1 zählte ich bereits eine ganze Reihe solcher Gefahrenquellen auf und ging auf einige näher ein. Das möchte ich nun fortsetzen.

 

Pestizide/ Insektizide

Hier handelt es sich um Schädlingsbekämpfungsmittel. Der Begriff Pestizid stammt aus dem englischen Sprachraum und wird von dem englischen Wort pest für Schädling hergeleitet. Hierunter werden chemische Substanzen zusammen gefasst, die „lästige Lebewesen“ vertreiben, ihr Wachstum behindern oder sie töten. Insektizide sind spezielle Pestizide, die zur Abwehr, Vertreibung oder Tötung von Insekten und deren Entwicklungsstadien dienen. Diese Mittel gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen, so als Sprays, Zerstäuber, Pulver, Köder zum Auslegen, Shampoos, Fallen – ja, auch Halsbänder zur Parasiten-Abwehr fallen in diese Sparte.

So unterschiedlich diese in ihrer Ausführung, den enthaltenen Wirkstoffen, der Anwendung und Wirkungsweise auch sein mögen, eins haben sie gemeinsam: Sie enthalten Giftstoffe, die nicht nur für Schädlinge gefährlich werden können. Deshalb ist hier äußerste Vorsicht geboten. Ich persönlich rate von der Nutzung derartiger Giftstoffe generell ab und gerade in Haushalten mit Kleinkindern und/ oder Haustieren, sollte man lieber die Finger davon lassen. Es gibt hier ungefährlichere Alternativen, die man nutzen kann.

Entscheidet man sich dennoch für den Einsatz solcher Mittel, weil man vielleicht keine andere Chance sieht, der Lage „Herr zu werden“, ist zwingend darauf zu achten, dass sie sachgemäß angewendet werden. Hierzu gehören auch, dass man Sprays oder andere Zerstäuber zur Schädlingsbekämpfung nicht in Räumen einsetzt, die auch von Kindern und Haustieren genutzt werden. Im Folgenden möchte ich einige der Mittel aufführen und näher erläutern.

Köder mit Ratten- oder Mäusegift sind eine ganz gemeine Angelegenheit – nicht nur für Haustiere, die aus versehen aufnehmen können. Auch für die „Schädlinge“, für deren Abtötung diese Gifte gemacht sind, ist der Tod durch den Verzehr dieser Köder eine äußerst unangenehme Angelegenheit. Es ist nicht nur gefährlich, wenn Hunde und Katzen an unachtsam ausgelegte Rattenköder heran kommen und diese direkt aufnehmen, auch das Fressen von an den Giften verendeten Ratten oder Mäusen kann zur tödlichen Falle werden. Oft besteht in Letzterem die weitaus größere Gefahr. Vergiftungen mit Rattengift zählen zu den häufigsten bei Hunden und Katzen.

Die Giftstoffe erzeugen Blutgerinnungsstörungen durch die Blockierung von Blutgerinnungsfaktoren, deren erste Symptome, wie leichtes Erbrechen, Ängstlichkeit und Anspannung, leider häufig übersehen werden. Auch schon aus dem Grund, dass sie – je nach Wirkstoff – mit einer Verzögerung von zwei bis vier Tagen auftreten können. Nach circa zwei bis maximal sechs Tagen treten Erschöpfungszustände ein, für die innere Blutungen ursächlich sind. Weitere Symptome können Lethargie, blasse Schleimhäute, Zittern, Krämpfe, blutiger Durchfall und Blut im Urin sein. Auch Atembeschwerden bis hin zur Atemlähmung durch Blutungen der Lunge können auftreten und Blutungen der Haut, Schleimhäute und des Zahnfleisches. Im schlimmsten Fall blutet das Tier aus allen Körperöffnungen. Eine Vergiftung mit Rattengift führt unweigerlich zum Tod, wenn nicht schnellstens gehandelt wird!

Das Tier muss sofort in der Tierklinik behandelt werden. Ist der Zeitraum zwischen der Aufnahme des Giftes und der Behandlung sehr kurz, kann der Tierarzt versuchen, die Giftstoffe durch Auslösen von Erbrechen aus zu leiten. Eine Blutuntersuchung ist anzuraten. Auch kann die Gabe von medizinischer Kohle, Magenspülungen oder das Spritzen von Vitamin K1 als Gegengift und zum Stoppen der inneren Blutungen notwendig sein. Infusionen sollen den Kreislauf stabilisieren. In schlimmen Fällen kann aber auch eine Bluttransfusion erforderlich sein. Ein Haustier, das sich mit solchen Ködern vergiftet hat, kann auf keinen fall selbst behandelt werden. Es muss unverzüglich einem Tierarzt vorgestellt werden!

Häufig in Ratten- und Mäusegiften verwendete Wirkstoffe sind Brodifacoum, Chloralose , Chlorphacinon, Coumachlor, Cumarine, Difenacoum, Difethialon, Flocoumafen, Strychnin und Warfarin. Die wohl am häufigsten verwendeten und bekanntesten Gifte sind Cumarin und Strychnin. Auf einige dieser Giftstoffe gehe ich etwas genauer ein.

Brodifacoum ist ein künstlich hergestelltes Hydroxycumarin-Derivat, das für den Menschen, Säugetiere und Vögel sehr giftig ist. Es kann über die Haut, die Atemwege und den Verdauungstrakt aufgenommen werden. Seine Wirkung, wie auch die der Cumarine allgemein, beruht auf der Hemmung von an der Bildung von Gerinnungsfaktoren des Blutes beteiligten Enzymen, was die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herab setzt. Dabei werden die Blutgefäße geschädigt, was zum Austritt von Blut in inneren Organen, Schleimhäuten und Körperöffnungen und letztlich zum Verbluten führt. Für eine solche Vergiftung typische Symptome sind Blutungen von Haut und Schleimhaut, im späteren Verlauf Blut in Stuhl und Urin. Der Tod tritt erst nach mehreren Tagen durch den hohen Flüssigkeits- und Blutverlust ein. Die mittlere letale Dosis wird bei Katzen und Hunden mit 0,25 mg/ kg Körpergewicht angegeben. Hunde und Katzen sind vor allem durch Sekundärvergiftungen stark gefährdet, also durch das Fressen vergifteter Tiere. Das Gift darf deshalb eigentlich nur in geschlossenen Räumen angewendet werden.

Chloralose wird in der kalten Jahreszeit als Rattengift ausgelegt, da es die Körpertemperatur herab setzt und so den Tod durch Erfrieren herbei führt.

Chlorphacinon ist ein hochgiftiges, geruchloses, weißes Pulver, das ebenfalls die Gerinnungsfähigkeit des Blutes hemmt. Symptome einer Vergiftung sind Müdigkeit, Apathie, Fressunlust,Taumeln, Haut- und Schleimhautblutungen, Bauchschmerzen, blutiges Erbrechen, Rückenschmerzen, Blut im Urin, Blutungen in den Verdauungstrakt, ins Augeninnere und ins Gehirn sowie Schockzustände. Dieses Nervengift besitzt eine Langzeitwirkung, da es in Fett und Gehirn gespeichert wird.

Cumarine (vgl. auch Brodifacoum) lösen innere Blutungen aus, die ganz langsam zum Verbluten führen, werden sie nicht schnellstens behandelt. Die Wirkung beruht auf der Tatsache, dass Cumarine, chemisch betrachtet, eine ähnliche Struktur aufweisen wie Vitamin K. Dieses wird in der Leber gebraucht, um verschiedene Gerinnungsfaktoren zu synthetisieren. Werden Cumarine aufgenommen, verbinden sich diese anstelle von Vitamin K an das jeweilige Enzym und blockieren so die Bildung der entsprechenden Blutgerinnungsfaktoren. Das führt dazu, dass für die Gerinnung notwendiges Calcium nicht mehr an die Faktoren angebunden werden kann und deshalb die Faktoren keine Bindung mehr zur Wundoberfläche herstellen können. Diese Wirkung tritt erst dann ein, wenn die sonst im Blut zirkulierenden Gerinnungsfaktoren zum Teil verbraucht sind, was circa vier bis sechs Stunden dauert. Die maximale Wirkung erreicht das Gift nach etwa 36 bis 48 Stunden. Die Symptome einer Vergiftung treten also mit einer Zeitverzögerung auf. Sie äußern sich in Apathie, Erbrechen, blassen Schleimhäuten und/ oder blutigem Durchfall. Wenn es zu kleinen, punktförmigen Blutungen an den Schleimhäuten oder am Bauch kommt, sind innere Blutungen anzunehmen. Leberschäden und Tod durch Verbluten können die Folge sein. Oft werden Cumarine in den gebrauchsfertigen Frassködern noch mit anderen, wirkverstärkenden Mitteln kombiniert.

Difethialon ist ebenfalls ein Cumarinderivat und Antigerinnungsmittel und wird vor allem in Köderform zur Bekämpfung von Kleinnagern in Innenräumen, Ställen und Lagerhallen eingesetzt. Auch hier dürfen die vergifteten Tiere nicht nach draußen gelangen, da sie sonst eine erhebliche Gefahr für Katze, Hund und andere Raubtiere darstellen würden. Es wirkt im Gegensatz zu vielen anderen Antikoagulanzien schon nach nur einmaliger Aufnahme und ist für den Menschen und für die meisten Tierarten extrem giftig. Hunde, Katzen und Wildtiere sind vor allem durch Sekundärvergiftungen gefährdet. Die Symptome ähneln den bereits bei Cumarin & Co beschriebenen. Im Vergiftungsfall muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden.

Flocoumafen kommt in Form von Ködern vor allem bei der Rattenbekämpfung in der Kanalisation, in Kläranlagen und auf Mülldeponien, aber auch in häuslichen Bereichen zum Einsatz. Der Wirkstoff ist hochgiftig, so dass schon die einmalige Aufnahme genügt, um mit einer Zeitverzögerung von vier bis sieben Tagen seine Wirkung zu entfalten. Diese besteht wieder in der Hemmung der Blutgerinnung. Da die Aufnahme oral erfolgt und die Gefahr einer Sekundärvergiftung von Hunden, Katzen und anderen Raubtieren durch Fressen von vergifteten Mäusen und Ratten groß ist, müssen die toten Nager unbedingt beseitigt werden. Auch wird der Wirkstoff als umweltgefährdend eingeschätzt.

Strychnin ist ein hochgiftiges basisches Alkaloid, das zum Beispiel in den Samen der Ignatius-Bohne und der Brechnuss vorkommt. Das Gift greift das Nervensystem an, verdrängt im Rückenmark den Neurotransmitter Glycin von seinem Rezeptor und beeinträchtigt so dessen hemmenden Effekt, was zu einer verstärkten Reizleitung der Rückenmarksnerven führt. Das hat zur Folge, dass an der Skelettmuskulatur Streck- und Beugemuskeln gleichzeitig maximal kontrahiert werden, was die extrem schmerzhaften Krämpfe auslöst. Muskel- und/ oder Bänderrisse können die Folge sein. Die Wirkung setzt sehr rasch ein und äußert sich in Anspannung, Ängstlichkeit, Unruhe, Koordinationsverlust, Erbrechen, Erweiterung der Pupillen, Zittern, Krämpfen, Muskelzuckungen, Nierenversagen und Atemnot bis hin zur Atemlähmung. Der Tod tritt meist durch Hyperthermie oder die Atemlähmung ein. Es ist im Vergiftungsfall zwingend erforderlich, dass sofort ein Tierarzt aufgesucht wird, der eine Behandlung einleiten kann. Ein Erbrechen kann dieser provozieren, sofern das Tier noch nicht an Krämpfen leidet. Die Krämpfe müssen mit dafür in Frage kommenden Medikamenten unterdrückt werden. Dann kann mit Magenspülungen, der Gabe von medizinischer Kohle und Infusionen der Organismus dekontaminiert werden.

Heutzutage wird dieses Gift kaum mehr als Rattengift verwendet, da durch seine extreme Gefährlichkeit viele Unfälle passierten, bei denen Menschen und Tiere zu Schaden kamen. Die Gefahr einer Sekundärvergiftung infolge der Aufnahme vergifteter Nager ist sehr hoch.

Warfarin gehört auch zur Gruppe der Cumarine und ist somit ein Vitamin K-Antagonist. Warfarin hemmt ebenfalls die Blutgerinnung. Auch hier ist die größte Gefahr wieder die der Sekundärvergiftung. Diese äußert sich in Blutungen des Magen-Darm-Traktes, der Harnwege und im Schädel. Auch Embryonen werden geschädigt. Diese Blutungen können je nach aufgenommener Giftmenge zum Tod führen, selbst wenn es sich nur um kleine Wunden handelt. Die Vergiftung muss unbedingt tierärztlich behandelt werden.

Da Vergiftungen, wenn sie denn auftreten, meist schwerwiegend sind und schnellstens behandelt werden müssen, was eine Schädigung oder den Tod aber oft nicht mehr verhindern kann, gilt hier: Vermeiden beziehungsweise verhindern Sie Vergiftungen durch Vorsorge!

Ich persönlich bin kein Fan von Rattengift und Co und rate auch dringend dazu, auf deren Verwendung komplett zu verzichten – gerade dann, wenn Kleinkinder oder Haustiere im Haushalt leben. Bei Verwendung solcher Mittel müssen unbedingt die Warn- und Anwendungshinweise beachtet werden. Die Gifte dürfen ausschließlich an für Kinder und Haustiere nicht erreichbaren Orten in fest verschlossenen Gefäßen aufbewahrt und in dafür gedachten, geschlossenen und beschwerten Köderröhren-, –boxen oder -stationen ausgelegt werden. Die ungeschützte Ausbringung von giftigen Fressködern ist meines Erachtens nach sogar verboten.

Oder Sie lassen gleich die Finger davon. Ratten und Mäuse können ebenso gut und vor allem – auch für die Nager – schonender mit Lebend- oder Schnappfallen bekämpft werden. Auch Katzen können ein hervorragender Schutz vor Gästen aus der Nagerwelt sein.

Antidot bei Cumarinen und Cumarinderivaten

Vitamin K ist das Gegengift zu diesen Giftstoffen. Es muss im Falle einer Vergiftung unverzüglich vom Tierarzt verabreicht werden. Die Wirkung beruht auf der Tatsache, dass Vitamin K aufgrund seiner ähnlichen Struktur in der Lage ist, die Cumarine von den Enzymen zu verdrängen, welche für die Bildung der Blutgerinnungsfaktoren verantwortlich sind. Was seitens der Cumarine in Bezug auf Vitamin K im Organismus geschieht, ist also umgekehrt auch der Fall. Außerdem setzt auch diese Wirkung erst verzögert ein, weil der Mangel an Gerinnungsfaktoren erst nach und nach von der Leber wieder ausgeglichen werden kann. Bei manchen Cumarinen, zum Beispiel Brodifacoum, ist eine Langzeittherapie mit Vitamin K zwingend erforderlich. Auch besteht die Möglichkeit, fehlende Gerinnungsfaktoren direkt zu ersetzen. So ist zum Beispiel Prothrombinkonzentrat (PPSB) ein Blutprodukt, das verschiedene Vitamin K-abhängige Gerinnungsfaktoren in konzentrierter Form enthält.

 

Schnecken-, Kakerlaken oder Ameisenfallen stellen eine weitere Gefahrenquelle für unsere Haustiere dar. Auch hier sollte man auf eine Anwendung in Haus und Garten verzichten, um Schaden zu vermeiden. Etwas ausführlicher möchte ich mich mit den Schneckengiften befassen.  Das handelsübliche Schneckenkorn enthält Metaldehyd und ist für Hunde und Katzen hochgiftig. Sein süßer Geschmack macht es für Hunde ganz besonders gefährlich. Laut Anwendungshinweisen werden die Körner nur vereinzelt im Garten ausgelegt, was die Gefahr einer Vergiftung durch Aufnahme einer toxischen Menge durch den Hund angeblich herabsetzt. Darauf würde ich jedoch nicht vertrauen! Die tödliche Dosis für Hunde wird mit 0,5 Gramm je Kilogramm Körpergewicht angegeben. Das Nervengift ruft nach circa einer halben bis einer Stunde erhöhten Speichelfluss, Erbrechen, Übelkeit und Durchfall hervor. Auch Taumeln, Schreckhaftigkeit, steife Beine (auch im Liegen), Krampfanfälle mit Überstrecken des Kopfes und hohes Fieber sind typische Vergiftungsanzeichen. Wird das Tier nicht schnellstens behandelt, kann innerhalb von 24 Stunden nach Giftaufnahme der Tod die Folge sein. Deshalb ist auch hier schnellstes Handeln notwendig, damit der Tierarzt umgehend handeln kann. In Frage kommen dabei die Gabe von Brechmitteln und Magenspülungen. Eventuell sind auch Beruhigungs- oder sogar Narkosemittel notwendig, um einen Heilschlaf einzuleiten. Zur Ausleitung der Giftstoffe wird die Nierentätigkeit mittels Infusionen angeregt, Calcium mildert die Krämpfe.

Diese Mittel müssen außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren und fest verschlossen aufbewahrt werden. Die sicherste Methode, schwerwiegende Vergiftungsfälle zu verhindern, besteht allerdings auch hier darin, solche Mittel gar nicht erst zu verwenden und das würde ich auch dringend raten. Alternativen zu Mitteln mit Metaldehyd sind solche, die Eisen-III-Phosphat enthalten. Laut den Angaben der Hersteller sind diese Mittel für Haustiere ungefährlich.

Um jedes Risiko zu vermeiden, nutzen Sie jedoch besser Schneckenfallen, die keine Giftstoffe enthalten: Hierfür einfach Gläser mit Lockstoffen, wie zum Beispiel Bier, füllen. Auch Kaffeepulver im Beet verstreuen, ist als ungiftiges Hausmittel zur Vertreibung von Schnecken bekannt. Und zu guter Letzt fördern Sie durch eine naturnahe Gestaltung Ihres Gartens natürliche Feinde der Schnecken, zum Beispiel Blindschleichen, Igel und Kröten. Wenn Sie diesen Tieren in Ihrem Garten Verstecke und Schlupflöcher bieten, werden sie ihren Nahrungsbedürfnissen gemäß zur Minimierung des Schneckenbestandes beitragen.

 

Mottenkugeln wurden früher – wie der Name schon sagt – zur Bekämpfung von Motten eingesetzt. In heutiger Zeit sind sie fast von der Bildfläche verschwunden, aber eben auch nur fast. Enthaltene Wirkstoffe sind Naphtalin, Paradichlorbenzol (PDCB) und/oder Kampfer. Die ersten beiden Stoffe gehören zu den giftigsten Substanzen, die in Innenräumen eingesetzt wurden und teilweise noch werden. Sie rufen Reizungen der Haut, der Augen, der Atemwege und Schleimhäute sowie Kopfschmerzen, Appetitmangel, Übelkeit und Koordinationsschwäche hervor. Fressen Haustiere das Gift, hat das Störungen des Verdauungstraktes, Krämpfe, Lähmungen und Atemnot, die bis zur Atemlähmung führen kann, zur Folge. Des Weiteren wurden Schädigungen der Nieren, der Leber, der Nerven, der Hornhaut der Augen und des Immunsystems beobachtet. Beide Wirkstoffe gelten als ein Auslöser von Krebserkrankungen, Anämie und anderen Blutkrankheiten. Naphtalin steht im Verdacht, die roten Blutkörperchen zu schädigen. Außerdem ist seine insektizide Wirkung inzwischen umstritten. PDCB greift hingegen vor allem Lunge, Leber und Nieren an und ruft eine Übererregbarkeit des Nervensystems hervor.

Es ist hier, soweit solche Mittel überhaupt noch erhältlich sind, dringend von deren Gebrauch abzuraten, da hier der Schaden den Nutzen eindeutig überwiegt. Es gibt auch Möglichkeiten, Motten auf sanftere Art zu bekämpfen. So sind Zedernholz und Lavendel gut geeignete Mittel, um Motten abzuschrecken. Nur sollten Allergiker vorab die Verträglichkeit prüfen. Haben sich schon Motten niedergelassen, helfen Pheromonfallen, die Sexuallockstoffe enthalten. Mit ihnen kann man auch testen, ob tatsächlich ein Befall vorliegt, da Motten von den Lockstoffen unweigerlich angezogen werden.

Dass Rattengift und Schneckenkorn eine giftige Gefahr für unsere Haustiere darstellen, ist vielen Menschen bekannt. Anders sieht das bei Insektiziden aus, die zur Anwendung am Tier und in dessen Umgebung gedacht sind. Hier werden leider die Risiken allzu oft unterschätzt unter dem Motto: Dafür ist das Mittel ja gedacht, ich kann es im Zoofachhandel kaufen und somit muss es ja unbedenklich sein. Entsprechend nachlässig und gedankenlos geht so mancher Tierhalter und auch Tierarzt mit diesen Mitteln um. Doch Pustekuchen! Bei unsachgemäßem Umgang lauern auch hier Gefahren und auch der vermeintlich fachgerechte Umgang ist nicht immer ohne Risiko. Gerade sensible Tiere können – vor allem wenn noch der Kontakt mit Wasser hinzu kommt – auf diese Nervengifte mit heftigen Hautreaktionen und sogar Kreislaufproblemen reagieren. Von unsachgemäßer Handhabung ganz zu schweigen. Wird zum Beispiel ein Flohhalsband beknabbert, treten ähnliche Vergiftungssymptome auf, wie bei einer Vergiftung mit Schneckenkorn. Es handelt sich bei den chemischen Mitteln zur Abwehr oder Vernichtung von Flöhen, Zecken und anderen Lästlingen – egal in welcher Form – um Nervengifte und das kann man auch nicht schön-reden!

In Bezug auf Katzen ist noch anzumerken, dass sie stark empfindlich auf Phenole reagieren. Es gibt diverse Mittel gegen Zecken und Flöhe, die für Hunde gedacht sind und eben diesen Wirkstoff enthalten. Diese dürfen keinesfalls für Katzen verwendet werden.

Auf diesen Bereich der chemischen Mittel zur Abwehr von Zecken und Flöhen bei Hund und Katze möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Erwähnung sollte es aber auf jeden Fall finden. Zum Weiterlesen empfehle ich hier den Artikel „Zecken – Die Saison der kleinen Blutsauger hat begonnen“ in Heft 2/2010 von dubarfst – Das Barf-Magazin, welcher auch die Gefahren, die chemische Mittel zur Parasitenabwehr mit sich bringen, beleuchtet.

 

Insektenbekämpfungsmittel im Haus sind Mittel, die eingesetzt werden, um zum Beispiel Mücken, Flöhe oder aber auch Schädlinge, die Zimmerpflanzen befallen, zu bekämpfen. Die Pflanzenschutzmittel sind fast ausnahmslos giftig für unsere Haustiere. Abgesehen davon, dass sie eingeatmet oder direkt gefressen werden könnten, besteht hier außerdem die Gefahr, dass Insektizide bei Kontakt mit dem Fell oder der Haut vom Tier bei der nächsten Fellpflege über Zunge und Maul aufgenommen werden. Vergiftungen äußern sich in Symptomen wie Apathie, Erschöpfungszuständen, Appetitlosigkeit, blassen Schleimhäuten, vermehrtem Speichelfluss, Durchfall, Bewegungsstörungen und Krämpfen. Im Folgenden können Leber und Nieren geschädigt werden.

Chemische Mittel zur Mückenabwehr, wie Sprays, Zerstäuber oder Elektroverdampfer enthalten auch Giftstoffe, zum Beispiel den Wirkstoff Permethrin. Dieser ist gerade für Katzen und Kleinkinder(!) besonders giftig und sollte nicht in deren Anwesenheit eingesetzt werden. Aber auch Hunde sollten nicht mit diesem Stoff in Berührung kommen. Permethrin wirkt nicht nur als Fraß-, sondern auch als Kontaktgift. Neben dem Einsatz in Zerstäubern und Verdampfern ist es auch in vielen Sprays und Pudern zur Flohbekämpfung enthalten. Folgendes Beispiel zeigt die giftige Wirkung deutlich: Bei korrekter Anwendung werden selbst bei starkem Befall alle Flöhe auf dem Tier innerhalb von nur einer Stunde abgetötet und die Wirkung bleibt zwei Wochen bis fünf Monate erhalten. Das ist ja sehr erfolgreich im Sinne der Schädlingsbekämpfung, aber ob es auch im Sinne der langfristigen Gesundheit unseres Vierbeiners ist? Wohl kaum! Auch hier ist darauf hinzuweisen, dass Produkte für Hunde, welche diesen Wirkstoff enthalten können, auf keinen Fall an Katzen eingesetzt werden dürfen.

Durch dieses Nervengift können die Na+-Kanäle der Nervenzellen nicht mehr schließen, wodurch Na+-Ionen ungehindert ins Zellinnere gelangen. Die Folge sind unkontrollierte Nervenimpulse. Die toxische Wirkung auf Katzen ist um ein Vielfaches höher als die auf Hunde, da es ihnen an einem Enzym mangelt, das zum Abbau der Giftstoffe benötigt wird. Bei einer Vergiftung kommt es zu Störungen des Zentralen Nervensystems, die sich in erhöhtem Speichelfluss, Zittern, Erregungszuständen, Koordinationsstörungen, Krämpfen, Atemnot, Durchfall, Erbrechen, Untertemperatur oder aber Fieber und Lähmungen äußern. Ein Tierarzt ist umgehend aufzusuchen. Sollte versehentlich ein solches Produkt an einer Katze aufgetragen worden sein (Packungsbeilage und Warnhinweise beachten, dann sollte das eigentlich nicht passieren!), muss die Lösung sofort ausgewaschen werden.

 

Fortsetzung folgt…

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