Feline Ataxie ( Ataxie bei Katzen)

Sari - © Barbara Helferich

„Ataxie-Katzen fühlen sich nicht behindert und sprühen voller Lebensfreude – sie haben eine Chance auf Leben verdient.“   

Barbara Helferich

Eine Ataxie-Katze ist eine ganz normale Katze mit einer Behinderung, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Die Beeinträchtigung zeigt sich in einer Störung der Koordination der Bewegungsabläufe – daher wird eine solche Katze auch liebevoll „Wackelkatze“ genannt. In der Medizin bezeichnet Ataxie ein fehlerhaftes Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen bei der Ausführung von Bewegungen.

Es gibt zahlreiche Ursachen für eine Ataxie. Sie kann ihre Ursachen im zentralen oder peripheren Nervensystem haben, auf genetischen Defekten beruhen, infektiöse Ursachen haben oder im Laufe des Lebens auch aus den verschiedensten andern Gründen ausgelöst werden. Von Feliner Ataxie spricht man in der Regel jedoch nur bei neurologischen Problemen. In der Hauptsache ausgelöst durch Schäden am Zentralen Nervensystem (ZNS) vor allem im Rückenmark (Medulla spinalis) oder Kleinhirn (Cerebellum). Dieses ist für die Verschaltung der sensiblen Informationen aus dem Rückenmark, der Informationen des Gleichgewichtsorgans und der übrigen Sinneseindrücke und deren Umsetzung in motorische Bewegungsabläufe zuständig, also die Planung, Koordination und Feinabstimmung von Bewegungen.

Auslöser können Verletzungen, einem Unfall aber auch Virus-Erkrankungen, Vergiftungen, Stoffwechselprobleme oder Mangelerscheinungen sein. Als Folge können die Bewegungen vom Gehirn nicht oder nicht mehr gesteuert werden, das heißt zielgerichtete Bewegungen fallen schwer oder sind nicht möglich.

Je nach Stärke und Ursache zeigt sich Ataxie unterschiedlich. Typische Symptome sind z.B. das Kopfzittern (Tremor), ein abnormer, breiter oder steifer, tapsiger oder torkeliger (= ataktischer)
Gang. Katzen mit Ataxie verlieren häufig ihr Gleichgewicht und fallen zu einer Seite, nach vorne oder hinten um. Ebenso typisch sind ein allgemein ungeordneter Bewegungsablauf, überschießende Extremitätenbewegungen und unsicheres Stehen.

Darüber hinaus gibt es etliche weitere Symptome, die teilweise auftreten. Häufig beobachtet man bei Ataxiekatzen eine Geräuschempfindlichkeit sowie je nach Form der Ataxie eine falsche Abmessung von Zielbewegungen (Dysmetrie), z.B. beim Fressen.

Die daraus resultierenden Einschränkungen müssen bei der Haltung einer Wackelkatze berücksichtigt werden. Wie stark diese Anpassung des Umfelds erfolgen muss, hängt von der Ausprägung der Symptome ab.

Den Alltag einer Ataxiekatze kann man mit guter Beobachtung und Kreativität erleichtern. Bestimmte Vorgaben gibt es leider nicht, da die Anpassungen individuell an das Tier und die jeweilige Ausprägung der Ataxie angepasst werden müssen. Jedoch gibt es allgemein gehaltene Tipps für die Haltung:

  • Pototyp eines erhöhten Futternapfes - © Barbara Helferich

    Pototyp eines erhöhten Futternapfes – © Barbara Helferich

    Finden die Ataxiekatzen auf glatten Böden keinen Halt, schaffen Teppichböden oder Laufwege z.B. aus großen Schmutzfangmatten Abhilfe.

  • Katzen, die einigermaßen gehen und stehen können, hilft oft ein erhöhter Futternapf mit einer großen Fläche und einer leichten Schräge. (In unserem Forum haben wir einige tolle Bilder und Erfahrungsberichte). Andere, nicht so mobile Miezen, kommen einer flachen Schüssel gut zurecht, sie legen sich dann zum Fressen auf den Bauch.
  • Sari und ihr Spezialklo - © Barbara Helferich

    Sari und ihr Spezialklo – © Barbara Helferich

    Einige Katzen mit Ataxie kommen mit einem ausreichend großem Hundekörbchen aus Kunststoff (ohne Lüftungsschlitze) besser zurrecht als mit den üblichen Katzentoiletten. Da es hohe Seitenränder hat, geräumig ist und zudem über einen niedrigen und großzügigen Einstieg verfügt. Anderen Stubentigern genügt es, wenn sie ein Haubenklo benutzen können, an dessen Rändern sie sich abstützen können.

  • Gute Erfahrungen konnten wir auch mit flachen Backblechen machen in die saugfähige Küchenrollenblätter gelegt wurden. Dies ist gut für Katzen mit Ataxie, die (noch) nicht mit einer Einstreu zurechtkommen, weil sie darin zu wenig Halt finden.

 

Besondere Vorsicht!

„Die dritte Dimension“, die die Katze durch Klettern erreichen kann (Bett, Sofa, Kratzbaum…), sollten abgesichert werden. Treppen sollten im Regelfall unzugänglich gemacht werden, da es durch Abstürze zu schlimmen Verletzungen kommen kann.

Eine Katze mit Ataxie, egal wie stark die Ausprägung der Symptome ist, sollte keinen ungesicherten Freilauf bekommen. Bei Revierkämpfen sind sie deutlich benachteiligt, ganz zu schweigen von den üblichen Gefahren, die bereits völlig „gesunden“ Katzen drohen – sie sind für einen Ataxisten doppelt so gefährlich.

 

Narkose und Impfrisiko

Die Auswirkungen einer Narkose auf das angegriffene Zentrale Nervensystem sind schwer abzuschätzen. Dies sollte berücksichtig werden, wenn eine Operation ansteht. Für Katzen mit Ataxie empfiehlt sich die Inhalationsnarkose, diese kann nicht nur individueller als eine Injektionsnarkose dosiert werden, sondern im Notfall auch schneller abgebrochen werden.

Inwieweit und wie oft Katzen geimpft werden müssen oder sollen, ist allgemein umstritten und sollte von jedem Katzenhalter individuell entschieden werden. Bei Katzen mit Ataxie kommen jedoch einige besondere Risiken hinzu, die berücksichtigt werden sollten. Vor eine Impfung sollte gemeinsam mit einem Ataxie-erfahrenen Tierarzt eine genaue Anamnese durchführt werden (Welche Impfungen sind wirklich erforderlich oder sinnvoll? Welche Infektionen hat die Katze mit hoher Wahrscheinlichkeit schon durchgemacht? Kann man eventuell eine Titer-Bestimmung durchführen und ist diese sinnvoll, um unnötige Impfungen zu vermeiden? Man sollte auf adjuvansfreie Impfstoffe bestehen (Ausnahme Tollwut, dagegen gibt es kein adjuvansfreies Vakzin, so dass eine Erforderlichkeit besonders sorgfältig geprüft werden muss). Es sollten keine Lebendimpfstoffe für immungeschwächte Katzen verwendet werden, da diese einen Krankheitsschub verursachen können. Mehrfachimpfstoffe sollten Katzen generell nicht erhalten, da die Nebenwirkungswahrscheinlichkeit überproportional hoch ist! Besser ist das Verabreichen von Einzelvakzinen. Wenn Katzen ihre Ataxie durch eine Parvovirose-Infektion im Mutterleib erworben haben, sollten sie keinesfalls gegen Katzenseuche (FPV) geimpft werden, sie haben zum Einen bereits genügend Antikörper, zum Anderen kann sich die Ataxie verstärken.

 

Normale Lebenserwartung

Leider werden nach wie vor viele der scheinbar „schwerbehinderten“ Katzen von ihrem vermeintlichen Leiden bereits im Kittenalter „erlöst“. Ursache ist eine weit verbreitete Unkenntnis über diese Behinderung. Unser Verein will das ändern – denn fehlendes Wissen rechtfertigt unserer Meinung nach nicht das Einschläfern vieler Tiere.

Ataxiekatzen fühlen sich nicht behindert und leiden bei artgerechter Haltung nicht darunter. Ganz im Gegenteil: Eine Ataxie-Katze kann ein langes und vor allem schönes Leben mit nur wenigen Einschränkungen haben. Es sind eher die Menschen, die ein Problem mit dieser Behinderung haben. Wie viele Ataxiekatzenhalter bestätigen, findet in den meisten Fällen über Jahre eine Verbesserung der Symptome statt. Die betroffenen Katzen können mit der Zeit sogar ihre Einschränkungen durch Übung und Training teilweise kompensieren. Oft gibt es eine erste schnelle Verbesserung mit dem Wechsel vom Tierheim in ein liebevolles Zuhause, wo die Ataxie-Katze wesentlich individueller betreut und gefördert werden kann. Durch gezieltes regelmäßiges Training übernehmen die nicht von der Schädigung betroffenen Gehirnbereiche die „ausgefallenen“ Funktionskreise, wie man es beispielsweise auch bei menschlichen Schlaganfallpatienten kennt.

 

Feline Senses – Lebensfreude für Katzen mit Ataxie e.V.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, über die Behinderungen, speziell bei Ataxie-Katzen, aufzuklären. Das Wohlergehen und die Lebensfreude dieser Katzen liegen uns am Herzen. Fehlendes Wissen rechtfertigt unserer Meinung nach nicht das Einschläfern vieler Tiere. Um das Wissen über Ataxie bei Katzen stetig zu erweitern und Hilfestellung zur artgerechten Haltung geben zu können, pflegen wir einen Austausch mit Fachkundigen sowie Ataxiekatzenhaltern.

Wir rufen eine Akademie für Katzen mit Ataxie ins Leben. Die Akademie wird eine begrenzte Aufnahmekapazität haben, um eine individuelle Betreuung und Förderung rund um die Uhr gewährleisten zu können. Wir werden maximal 5 Samtpfötchen zeitgleich aufnehmen. Sie bekommen einen festen Tagesablauf, eine hochwertige auf Katzen abgestimmte Ernährung, sowie eine individuelle Betreuung. Somit können wir die Ataxiekatzen bestmöglich fördern. In Kooperation mit fachkundigen Personen aus unterschiedlichen Bereichen, wie z.B. Tierärzten, Tierheilpraktikern, Physiotherapeuten und Ethologen, sind wir in der Lage neue Erkenntnisse in vielen Bereichen, z.B. Trainings- und Behandlungsmöglichkeiten, zu gewinnen. Dieses Wissen teilen wir sehr gerne mit Haltern von Ataxiekatzen – und jedem der sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte.

Unsere Vereinsbotschafterin Sari

Katzenschmaus - © Barbara Helferich

Katzenschmaus – © Barbara Helferich

Beute - © Barbara Helferich

Beute – © Barbara Helferich

Sari, geboren am 28.08.2008, hat Ataxie und Epilepsie. Im Alter von etwa 6 Monaten kam sie zu uns. Es gab immer wieder Menschen, die nicht gerade positiv auf sie reagierten. Durch ein wenig „Aufklärung“ und direkten Kontakt zu Sari änderten die meisten ihre Meinung und waren sogar regelrecht angetan von der Lebensfreude, die Sari ihnen entgegenbrachte.
Sie war der Auslöser für die Gründung unseres Vereins „Feline Senses – Lebensfreude für Katzen mit Ataxie e.V.“ der im Janaur 2010 gegründet wurde. Sari litt unter vielen epileptischen Anfällen und weder die Schulmedizin noch alternative Behandlungsmethoden brachten einen dauerhaften Erfolg. Im Dezember 2010 stellten wir die Ernährung von Sari auf BARF um. Linolsäure aus Getreide und Pflanzenölen lassen wir komplett weg, sie erhält stattessen Lachsöl und ein Vitamin E Konzentrat. Anfang Januar 2011 hatte Sari ihren letzen Anfall, und sie benötigt seit der Ernährungsumstellung keine Medikamente mehr. Sari wurde aktiver, nimmt aufmerksam an ihrer Umwelt teil und konnte ohne die Rückschläge durch die Anfälle, enorme Fortschritte in der Verbesserung ihrer Koordination erzielen. Das zeigt wie wichtig und sinnvoll eine artgerechte und individuell auf die Katze abgestimmte Ernährung ist.

Mehr zu Sari: www.saricat.de
Die Ataxiekatzen haben Ihr Interesse geweckt? www.ataxiekatzen.de
Unser Forum rund um das Thema Ataxie bei Katzen: http://ataxiekatzen.plusboard.de/
Bei Fragten schreiben Sie uns gerne eine Mail kontakt@ataxiekatzen.de

Über Babs Helferich (1 Artikel)
:-)

1 Kommentar zu Feline Ataxie ( Ataxie bei Katzen)

  1. Sabrina Krause // 7. Januar 2016 um 13:25 // Antworten

    Hallo,
    ich habe heute erfahren das meine 6 Monat alte Katze ,,feline Ataxie,, hat. Das kam so plötzlich.
    Der Tierarzt sagt es sei ansteckend für andere Katzen und vom Mensch (z.B. Kleidung) zu Tier ansteckend.
    Jetzt habe ich Natürlich angst das meine 2 Katze, die schon 10 Jahre alt ist, sich angesteckt haben können.
    Sollte es wirklich vom Menschen Übertragbar sein kann ich die Katze als Tagesmutter nicht behalten.
    Ich soll mir bis Montag überlegen ob ich sie nicht ein schläfern soll. Aber sie ist ja noch voller Lebensfreude. Sie kann Fressen und kommt alleine aufs Klo.Sie ist so verspielt und verschmust. und scheint auch nicht zu leiden an der Bewegungsstörung. Es kann aber noch schlimmer werden. Ich kenne mich da nun mal garnicht aus. Und weiß auch nicht was ich machen soll. Das zerreist mein Herz sie sterben zu lassen aber wer nimmt schon so eine Katze. Auch wenn Finanziel mehr Kosten auf mich zu kommen sollten kann ich das nicht tragen.
    Bitte Helfen Sie mir und geben Sie mir ein Rat.
    Ist es wirklich ansteckend und übertragbar von der Menschlicher Kleidung?
    Mit freundlichen Grüßen
    Sabrina Krause

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  1. Kopfschiefhaltung Ursache unbekannt - Seite 7 - Katzen Forum

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