Giftige Gefahren im Haushalt

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Wenn Sie eine Katze oder einen Hund in Ihr Leben und damit in Ihr Heim einziehen lassen möchten oder beides bereits mit einem Haustier teilen, versteht es sich von selbst, für Sicherheit in Haus und Garten für Ihren felligen Mitbewohner zu sorgen. Vor allem Katzen- und Hundewelpen, sowie heranwachsende Tiere sind neugierig und verspielt. Sie wollen alles erkunden – und dass nicht nur mit den Augen. Gern werden Dinge berührt, beschnüffelt und auf ihnen herum gekaut, wodurch gerade sie besonders gefährdet sind und vor für sie giftigen Stoffen und kleinen Gegenständen, die sie verschlucken könnten, geschützt werden müssen. Aber auch erwachsene Tiere können aufgrund ihrer natürlichen Neugier in Gefahr geraten. Nicht nur giftige Pflanzen können unseren Hunden und Katzen gefährlich werden. In Haushalt und Garten lauern auch weitere Gefahren.

Interessant ist, dass Vergiftungen bei Katzen wesentlich seltener auftreten als bei Hunden. Dies ist vermutlich darauf zurück zu führen, dass Katzen in Sachen Nahrungsauswahl und -aufnahme viel selektiver vorgehen als Hunde. Betrachtet man nun aber die tatsächlich auftretenden Vergiftungsfälle im Detail, stellt man fest, dass diese bei Katzen dreimal häufiger tödlich enden.

Eine Vergiftung ist IMMER ein NOTFALL! Sollte ein entsprechender Verdacht vorliegen, ist es wichtig, schnell zu handeln, möglichst einen klaren Kopf zu bewahren und umgehend professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Es gibt verschiedenste Arten von Vergiftungen, die sich durch Art und Menge der aufgenommenen Giftstoffe und den Aufnahmeweg unterscheiden. Nicht nur Unachtsamkeit können Ursache für Vergiftungen sein, auch durch böswillige Absicht kommen Haustiere zu Schaden. Allerdings muss hier erwähnt werden, dass dies seltener vorkommt, als man denkt. Hier spielt sicher eine Rolle, dass Fälle, in denen Hunde oder Katzen in böser Absicht vergiftet wurden, eher publik werden, als solche, bei denen die Tiere aus Versehen zu Schaden kommen. Je nach Art und Menge des aufgenommenen Giftes variiert auch die Gefährlichkeit für unsere Haustiere. Hier können sowohl Beratungsstellen, die Giftnotzentralen, Tierärzte und Tierheilpraktiker Rat und Hilfe geben.

Die Gifte können auf verschiedenen Wegen in den Organismus gelangen. Sie können verschluckt, eingeatmet oder über die Haut aufgenommen werden. Oftmals ist der Bereich, über den das Gift in den Körper gelangte, der in dem sich dieses am Stärksten auswirkt. Gelangt das Gift in die Blutbahn, besteht die Gefahr, dass lebenswichtige Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Bereiche, die durch den Aufnahmeweg betroffen sein können, leiten sich aus diesem ab: Magen-Darm-Trakt, Atmungsorgane, Haut und Fell.

 

Aufnahme durch Verschlucken: 

  • Fressen von oder Kauen auf Dingen, die Giftstoffe enthalten
  • über die Fellpflege, wenn das Haarkleid mit Giftstoffen in Berührung gekommen ist
  • Fütterungsfehler (Fütterung von für Hund und Katze giftigen Nahrungsmitteln, die für Menschen jedoch unschädlich sind)

 

Aufnahme durch Einatmen: 

  • unsachgemäßer oder unbedachter Umgang mit chemischen Mitteln, die giftige Dämpfe, Rauch und Gase entwickeln, welche in Anwesenheit der Haustiere von diesen eingeatmet werden können

 

Aufnahme über die Haut: 

  • Laufen durch Pfützen und Rückstände von giftigen Stoffen
  • Wälzen in mit Chemikalien behandeltem Rasen
  • entlang Streifen an solchen Stoffen

Je nach Aufnahmeweg können unterschiedliche Organe von der Vergiftung betroffen sein. Die Auswirkungen variieren demzufolge.

 

Sind Maulhöhle und Speiseröhre betroffen, kommt es zu: 

  • starkem Speichelfluss
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Reizung von Speiseröhre und Magen
  • Krämpfe
  • Kreislaufkollaps
  • Schockzuständen

 

Im Darm/Verdauungstrakt lösen die Giftstoffe folgende Symptome aus: 

  • Bauchweh
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • innere Blutungen, blutiger Kot

 

Werden die Atemwege in Mitleidenschaft gezogen, kann es zu folgenden Erscheinungsbildern kommen:

  • Atemschwierigkeiten, kurze schnelle oder stockende, verzögerte Atemfrequenz
  • Husten
  • flache Atmung
  • Entzündungen der Lungen
  • Erstickungszustände bis hin zum Erstickungstod

Wird Gift über das Fell und die Haut aufgenommen, kann es einerseits dazu kommen, dass dieses beim Putzen des Fells durch Lecken über die Zunge und die Maulhöhle in den Organismus gelangt. Es ist jedoch auch möglich, dass giftige Substanzen direkt über die Haut aufgenommen werden und auf diesem Wege in die Blutbahn gelangen. Von dort werden sie dann in die Organe weiter befördert und können in diesen immensen Schaden anrichten. Die Verteilung der Giftstoffe im Körper dauert auf dem Weg oft länger, jedoch wird meist schon die Haut an den betroffenen Stellen geschädigt. So sind Hautschäden und Reizungen die Folge. Bei Kontakt mit entsprechend aggressiven Stoffen kommt es nicht selten zu Verätzungen oder auch Verbrennungen der Haut.

Sind die Giftstoffe erst einmal in die Blutbahn gelangt, sind auch die Blutgefäße und oft das Herz von den Auswirkungen betroffen. Typisch hierfür sind:

  • eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz
  • Stauungen in den Blutgefäßen
  • Hämatome
  • Blutungen

 

Dies kann bis hin zur Schädigung oder gar Zerstörung von Blutkörperchen führen.

Über das Herz-/ Kreislaufsystem können die schädigenden Wirkstoffe dann bis ins Gehirn gelangen, was wiederum starke Beschwerden nach sich zieht, die im schlimmsten Fall mit dem Tod enden können. Auffällige Anzeichen dafür, dass das Gehirn von den Giftstoffen erreicht wurde, sind:

  • Taumeln und verminderte bis mangelnde Orientierung
  • gestörte bis fehlende Koordination
  • Muskelzittern
  • Krämpfe

In diesem Fall sind Nervenschädigungen oft die traurige Folge, selbst wenn das Tier die Vergiftung überlebt.

 

Vergiftungen durch Alltagsgifte, die in Haushalt, Werkstatt und Garten verwendet werden

Folgende Alltagsgifte stellen eine Gefahr für unsere Haustiere dar, wenn diese mit ihnen in Berührung kommen:

  • Putz- und Reinigungsmittel
  • Desinfektionsreiniger
  • Waschpulver und Flüssigwaschmittel
  • Weichspüler
  • Geschirrspülmittel
  • Spülmaschinen-Tabs
  • Klarspüler und Spezialsalz
  • Reinigungsmittel für Geschirrspülmaschinen
  • Wäschetrocknertücher
  • Reinigungsdämpfe, zum Beispiel Chlor
  • Seife
  • Deodorant
  • WC – Reiniger
  • Farben, Kleber, Beizmittel (zum Beispiel beim Renovieren der Wohnung)
  • Farbdämpfe
  • Kohlenmonoxid, zum Beispiel bei der Nutzung von Gas-Heizgeräten in geschlossenen Räumen, Autoabgase oder Brände
  • Batteriesäure
  • Säuren allgemein
  • Holzteer
  • Laugen, zum Beispiel Natronlauge
  • Benzin, Diesel, andere Treibstoffe
  • Motoröl
  • Autoreinigungsmittel
  • Schmieröle und -Fette
  • Mineralöle allgemein
  • Teer
  • Frostschutzmittel (Ethylenglykol)
  • Terpentin
  • andere Lösungsmittel
  • Reinigungsalkohol
  • Brennspiritus
  • Trockenspirituswürfel/ Kohle- und Grillanzünder
  • Batterien
  • Duftöle

 

Vergiftungen durch Nahrungs- und Genussmittel

Nahrungsmittel für den menschlichen Verzehr sind oft für Hund und Katze giftig oder haben zumindest auf Dauer eine toxische, schädigende Wirkung auf den Organismus. Auf dieses Kapitel werde ich in einer folgenden Ausgabe näher eingehen. Unerwähnt sollen sie dennoch nicht bleiben:

  • Weintrauben und Rosinen
  • Kakao
  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Avocado
  • Kochsalz in zu großen Mengen
  • alle Gewürze in zu großen Mengen
  • Benzoesäure: Konservierungsstoff (E210 und E213), der in vielen Nahrungsmitteln enthalten ist
  • Schokolade
  • Xylit: Süßstoff, der neben seiner Verwendung als Süßungsmittel von Kaffee oder Tee auch in vielen Nahrungs- und Genussmitteln enthalten ist (zum Beispiel in zuckerfreien Bonbons oder Kaugummis)
  • Kaffee und Kaffeesatz
  • Nikotin, Zigaretten und Tabak
  • Alkohol

 

Vergiftungen durch Medikamente

Generell sind viele Medikamente – auch die für Tiere – bei unsachgemäßer Anwendung und unkontrollierter Aufnahme giftig und gesundheitsschädigend für unsere Haustiere. Was zur Wiederherstellung von Gesundheit gedacht war, kehrt sich so ins Gegenteil. Medikamente für den menschlichen Gebrauch können außerdem bei Hunden eine vollkommen andere und verheerende Wirkung haben, oft sind sie schlicht und ergreifend für Hunde und Katzen giftig.

Leider wird gerade mit Medikamenten oft viel zu unbedacht umgegangen und in vielen Haushalten liegen Tabletten und Co einfach offen herum. So haben Hunde und Katzen ungehinderten Zugang zu diesen Giften und es besteht die Gefahr, dass sie diese fressen.

Eine zweite Vergiftungsgefahr mit Medikamenten tritt jedoch viel häufiger auf. Es handelt sich hier um die Selbstmedikation von Haustieren durch ihre Halter. Wer dem gefährlichen Irrglauben unterliegt, Medikamente, die für den Menschen wirksam sind (auch wenn man sicher hier ebenso über das Maß und Nutzen-Schaden-Verhältnis nachdenken sollte, was aber nicht Gegenstand dieses Artikels sein soll), sind auch für unsere Vierbeiner unschädlich, bringt sein Tier schnell in Gefahr. Generell ist von einer Selbstmedikation abzuraten und statt dessen fachlicher Rat einzuholen. Geben Sie also keine solchen Medikamente ohne tierärztliche Anweisung!

Nicht zu vergessen ist außerdem, dass zahlreiche Risikofaktoren die Giftigkeit verschiedener Medikamente noch zusätzlich erhöhen. Hierzu zählen unter anderem: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Dehydration, Erkrankungen und Störungen des Magen-Darm-Trakts, Niereninsuffizienz und andere Blasen- und Nierenerkrankungen. Und aufgrund der gewollten Wirkungsweise vieler Medikamente – gerade bei den Antidepressiva, Schlaf- und Schmerzmittel – werden wichtige Körperfunktionen gehemmt, was wiederum zu Störungen des Allgemeinzustandes und zu Erkrankungen führen kann. So wird bei bestimmten Präparaten, die die Bildung von Prostaglandinen gehemmt, was neben der Schmerzminderung den negativen Effekt hat, dass die Schleimsekretion im Magen vermindert, dafür aber die Ausschüttung von Magensäure erhöht wird. Andere Medikamente haben andere negative Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine Behinderung der Blutgerinnung.

 

Sedativa (Schlaf- und Beruhigungsmittel)

Je nach Medikament und Dosis wirken sie dämpfend, ermüdend und hemmend auf unterschiedliche Funktionen des Nervensystem. Eine eindeutige Trennung zwischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln ist oft nicht möglich. Zu den Sedativa gehören beispielsweise:

  • Doxylamin, Diphenhydramin – H1-Antihistaminika, die bei Allergien zum Einsatz kamen und die Wirkung des Botenstoffs Histamin herab setzen. Da diese die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sich die Aufhebung der Histamin-Wirkung in extremer Müdigkeit und Beruhigung zeigt, werden sie nur noch als Sedativa verwendet.
  • Diazepam, Flurazepam – Benzodiazepine hemmen die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn, indem sie die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure nachahmen und binden sich an die gleichen Rezeptoren. Daraus resultiert ihre beruhigende, aggressionsdämpfende, angstlösende und schlaffördernde Wirkung. Gleichzeitig lösen sie aus den gleichen Gründen bereits nach kurzer regelmäßiger Einnahme eine Medikamentenabhängigkeit aus.
  • Zolpidem, Zaleplon – Sie wirken ähnlich wie Benzodiazepine.
  • … oder die Barbiturate – Diese machen schnell abhängig und besitzen einen sehr geringen Abstand zwischen therapeutischer Wirkung und tödlicher Dosis, weshalb sie kaum noch Anwendung finden.

Werden diese Mittel von Hund oder Katze gefressen, führt das zu Zuständen, die einer Narkose ähnlich sind. Im schlimmsten Fall fällt das Tier ins Koma und stirbt an Atem- und/ oder Herzstillstand. Die Wirkung setzt ein paar Minuten bis etwa eine Stunde nach Aufnahme ein. Erbrechen oder Durchfall treten nicht auf. Die Tiere fallen in einen tiefen Schlaf bis hin zur Bewusstlosigkeit. Die Atmung ist flach, die Schleimhäute bläulich. Auch der Puls ist schwach, dabei jedoch beschleunigt.

Hier ist eine sofortige Behandlung durch den Tierarzt notwendig. Sie sollten keine Zeit verlieren! Dieser wird – je nach seit der Aufnahme verstrichenen Zeit – eventuell Brechmittel verabreichen und/ oder eine Magenspülung durchführen. Um die Ausscheidung der Giftstoffe über die Niere zu befördern, werden Infusionen gegeben. Gleichzeitig sollen diese eine Kreislaufstabilisierung bewirken. Außerdem kann eine künstliche Beatmung mit Sauerstoff notwendig sein. Während sie schlafen, müssen die betroffenen Tiere gut warmgehalten und alle halbe Stunde anders gelagert werden, um die Gefahr eines Blutstaus zu verringern.

 

Antidepressiva

Sie finden Anwendung bei der Linderung unterschiedlichster depressiver Symptome und wirken stimmungsaufhellend, depressionslösend, aktivierend oder hemmen Ängste. Zum Beispiel zählen hierzu Wirkstoffe wie Diazepam, Oxazepam, Phenobarbital und Zolpidem. Teilweise gibt es Überschneidungen mit den Sedativa.

Werden diese Medikamente von Hund oder Katze gefressen, tritt die Wirkung innerhalb weniger Minuten bis zu eine Stunde nach der Aufnahme ein. Auftretende Symptome können je nach Höhe der aufgenommenen Menge Schläfrigkeit, mangelnde Koordinationsfähigkeit und Bewegungsstörungen, Taumeln und Depression sein. Die Tiere fallen dann in einen Tiefschlaf, der einem narkotischen Zustand nahe kommt und bis ins Koma führen kann. Im schlimmsten Fall tritt der Tod durch Atem- und/ oder Herzstillstand ein.

Auch hier muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden. Die Behandlung durch diesen umfasst je nach Schwere der Vergiftung verschiedene Maßnahmen. Auslösen von Erbrechen zur Entgiftung, Verabreichung von medizinischer Kohle, um die Giftstoffe zu binden, Magenspülungen oder Einläufe. Zur Unterstützung des Kreislaufes werden Infusionen verabreicht. Auch künstliche Beatmung kann notwendig sein.

 

Schmerzmittel

Hier handelt es sich um Medikamente, die – wie der Name schon sagt – zur Minderung von Schmerzen eingesetzt werden. Man nennt sie auch Analgetika und teilt sie in zwei Gruppen ein: zentral und peripher wirkende Schmerzmittel, welche sich durch ihre Wirkungsweise unterscheiden. Sie setzen die Schmerzempfindlichkeit der Nerven herab.

Werden Schmerzmittel von den Haustieren gefressen, tritt die Wirkung nach circa ein bis vier Stunden ein. Im Folgenden werden einige der gängigen Schmerzmittel näher beschrieben:

 

Aspirin

Der giftige Wirkstoff ist Acetylsalicylsäure beziehungsweise deren Salz/ Salicylat. Aspirin ist ein in der Humanmedizin häufig verwendetes Medikament und findet sich in vielen Haushalten in der Hausapotheke. Abgesehen von der Möglichkeit, dass dieses Medikament bei unbedachter, offener Lagerung von Hunden oder Katzen gefressen werden kann, ist es bei einer Selbstmedikation durch den Tierhalter und anschließender Verabreichung zum Beispiel in humanmedizinischer Dosierung für unsere Haustiere absolut giftig und kann zum Tod führen. Schon eine einzige Tablette kann verheerende Folgen haben.

Bei einer Vergiftung mit diesem Medikament treten Erbrechen, welches auch blutig sein kann, Appetitlosigkeit, Krämpfe und Depressionen auf. Auch Magenblutungen und Leberschädigung können die Folge sein. Außerdem kann das Medikament das Knochenmark schädigen und das Blutbild verändern. Im schlimmsten Fall überlebt das Tier eine Vergiftung nicht.

Es sollte unbedingt schnell ein Tierarzt aufgesucht werden. Es ist an dieser Stelle festzustellen, dass  Acetylsalicylsäure auch in der Veterinärmedizin Anwendung findet – jedoch in an die jeweilige Tierart angepassten Dosierungen. Die Gabe des für den Menschen bestimmten Aspirin an Tiere kann jedoch – wie beschrieben – fatale Folgen haben und sollte auf jeden Fall unterlassen werden.

 

Diclofenac

Hier stimmen Name des Medikaments und enthaltener Wirkstoff überein. Eine Behandlung von Hund und Katze mit Diclofenac darf auf keinen Fall erfolgen! Die Aufnahme führt zu Erbrechen, Blutungen und verschlechtert massiv die Nierenwerte. Bei einer Vergiftung sollte unbedingt schnellstens der Tierarzt aufgesucht werden. Er kann eventuell ein Erbrechen auslösen, medizinische Kohle verabreichen und mit Infusionen sowohl die Ausleitung des Giftes befördern, als auch den Kreislauf stabilisieren.

 

Ibuprofen

Der Wirkstoff wird vor allem bei der Behandlung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt, wirkt aber auch fiebersenkend. Ibuprofen darf bei Hunden und Katzen nicht angewendet werden! Zu den Symptomen einer Vergiftung gehören Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme und damit verbundener vermehrter Harndrang.

Auch hier ist der Tierarzt sofort aufzusuchen, der durch ein ausgelöstes Erbrechen, die Verabreichung medizinischer Kohle und Infusionen die Vergiftung bekämpfen kann.

 

Naproxen

Auch dieser Wirkstoff und Medikamente, die ihn enthalten, ist für Haustiere gefährlich. Naproxen findet vor allem Verwendung bei leichten bis mäßigen Schmerzen, Fieber und Entzündungen. Es hemmt die Produktion von Prostaglandinen (Botenstoffe, die bei Schmerz freigesetzt werden, die Nervenenden reizen und Schmerzsignale an das Gehirn senden)und mindert so Schmerz- und Entzündungsreaktionen. Da es das Temperaturregelzentrum im Gehirn beeinflusst, wirkt es zusätzlich fiebersenkend.

Bei einer Vergiftung mit Naproxen treten folgende Symptome auf: Erbrechen, Durchfall, Teerstuhl (Meläna: Schwarzfärbung des Stuhls, stechender Geruch aufgrund von Blutungen aus dem oberen Verdauungstrakt), Erbrechen von Blut (Hämatemesis), Magenbeschwerden, blasse Schleimhäute und beschleunigte Atmung. Im weiteren Verlauf kommt es zu Anämie, Gewichtsverlust, Kreislaufversagen, Geschwüren in Magen und Dünndarm und Blutungen der Magen- und Dünndarmschleimhaut. Aufgrund des Blutverlusts kann es schließlich zum Tod kommen.

Es ist unbedingt notwendig, das Tier schnellstens einem Tierarzt vorzustellen, der entsprechend eine Behandlung einleiten kann. Ein durch den Tierarzt ausgelöstes Erbrechen kann sinnvoll sein, wenn die Aufnahme der Giftstoffe nicht länger als ein bis zwei Stunden zurückliegt. Ist dieser Zeitraum überschritten, kann eine Magenspülung helfen. Auch die Verabreichung medizinischer Kohle und Infusionen können nötig sein. Bei starkem Blutverlust kann eine Bluttransfusion erforderlich sein.

 

Opiate

Unter dem Begriff „Opiate“ werden Morphin und seine halbsynthetischen Derivate zusammen gefasst. Opium ist der aus den Samenkapseln des Schlafmohns gewonnene und getrocknete Pflanzensaft. Neben anderen, in geringen Mengen vorliegenden Opiaten enthält es 12% Morphin. Morphin ist Bestandteil einiger rezeptpflichtiger Medikamente gegen starke bis sehr starke Schmerzen. Es hemmt die Aktivität des gesamten Nervensystems. Medikamente, die Morphin enthalten, unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz.

Eine Vergiftung mit Morphin ist schwerwiegend und absolut lebensbedrohlich. Auftretende Symptome sind: Apathie, Bewegungsstörungen – Katzen neigen eher zu Unruhe und Erregungszuständen – Zittern, erhöhter Speichelfluss und Erbrechen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Muskelkrämpfen in rascher Folge, Lähmung der Hinterhand, schmerzhaftem Stuhl- und/ oder Harndrang, Darmverschluss, Koma, verlangsamter Atemfrequenz bis hin zum Atemstillstand, Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge, niedrigem Blutdruck, Blaufärbung der Schleimhäute und Verengung der Pupille (wie bei einem starken Lichteinfall). Katzen zeigen dagegen eine starke Weitung der Pupille, welche im späteren Verlauf des Sauerstoffmangels auch bei Hunden eintritt.

Der Nachweis von Opiaten kann über Urinproben, Serum oder Erbrochenes erfolgen. Jedoch werden nicht alle Untersuchungen von jedem Labor durchgeführt. Verwechselt werden kann eine solche Vergiftung mit Schockzuständen anderer Ursache, krankhaften Veränderungen des Gehirns und anderen Vergiftungen, zum Beispiel mit Alkohol, Methanol, Barbituraten, Benzodiazepinen, Amitraz und Ivermectin (finden in der Tiermedizin Einsatz als Mittel gegen Ektoparasiten) oder    Ethylenglycol (Frostschutzmittel).

Das betroffene Tier muss sofort tierärztlich Hilfe erhalten. In einem solchen Fall darf keine Zeit vergeudet werden! Der Tierarzt wird versuchen die Atmung und den Kreislauf zu stabilisieren und die Krämpfe unter Kontrolle zu bringen. Eine Dekontamination kann mit Aktivkohle und Glaubersalz erfolgen und muss mehrmals wiederholt werden. Auch eine Antidottherapie (Verabreichung eines entsprechenden Gegengiftes)sollte eingeleitet werden.

 

Paracetamol

Hier ist wieder der Name mit dem enthaltenen Wirkstoff gleichzusetzen. Es ist neben Aspirin das wohl bekannteste Mittel gegen leichte bis mittelstarke Schmerzen und Fieber. Allerdings wird die therapeutische Breite als gering beschrieben. Eine Vergiftung mit diesem Medikament führt zu extremem Speichelfluss, Atemnot, Untertemperatur, Erschöpfungszuständen, Apathie, unsicherem Gang/ Bewegungsstörungen und Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten. Die Schleimhäute färben sich im weiteren Verlauf blau, es treten Magenblutungen und Durchfall auf. Eine Behandlung muss schnellstens durch den Tierarzt mittels ausgelöstem Erbrechen, dem Verabreichen von medizinischer Kohle und Glaubersalz erfolgen. Auch Infusionen können notwendig sein.

 

Phenylbutazon

Phenylbutazon besitzt vor allem schmerzstillende und entzündungshemmende Eigenschaften und wird als Schmerzmittel und Antirheumatikum eingesetzt. Seine Wirkung beruht auf der Hemmung der am Entzündungsprozess beteiligten Enzyme Cyclooxigenase 1 und 2. Aufgrund seiner extrem hohen Verweildauer im Organismus – es wurden bis zu drei Wochen nach Ende der Einnahme noch wirksame Konzentrationen in den Gelenken gefunden – ist die entzündungshemmende Wirkung zwar sehr stark, gleichzeitig treten aber auch sehr schwere Nebenwirkungen auf. Deshalb wird in der Humanmedizin empfohlen, dieses Medikament maximal über wenige Tage einzunehmen. In der Klein- und Großtierpraxis wird der Wirkstoff auch eingesetzt, seine Anwendung an Lebensmittel liefernden Tieren ist in der Europäischen Union jedoch verboten. Bei Katzen darf Phenylbutazon nicht zum Einsatz kommen.

Eine Vergiftung durch ungewollte Aufnahme, Verabreichen des Mittels in Eigenregie des Tierhalters, falsche Dosierung oder Verwendung über einen zu langen Zeitraum zieht folgende Symptome nach sich: Appetitlosigkeit, Lähmungen, Depressionen, Verlust der Koordination, Erbrechen – auch von Blut -, Unterkühlung, übersteigertes Durstgefühl, Fieber, Atemnot, extrem erhöhte Herzfrequenz bei schwachem Puls, Bauchschmerzen, Durchfall, blutiger und schwarzer Stuhl, Magen- oder Darmblutungen, erhöhte oder stark verminderte Urinausscheidung, Blut im Harn, blasse bis blaue  Schleimhäute, Ödeme, Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute, petechiale Blutungen, Geschwüre im Magen-Darm-Trakt, Nierentumore, Anämie und Schockzustände bis hin zum Koma.

Auch hier ist schnelles Handeln gefragt. Unbedingt bei Verdacht sofort einen Tierarzt aufsuchen! Das Vorhandensein von Blut in Kot und/ oder Urin ist ein deutliches Alarmzeichen. Der Wirkstoff kann in Blut und Urin nachgewiesen werden. Auch ein Blutbild kann weiteren Aufschluss geben, da die Blutwerte durch das Medikament verändert werden. Mittels Ultraschall oder Endoskopie können die Tumore und Perforationen dargestellt werden. Als Differentialdiagnosen (Erkrankungen, die eine ähnliche Symptomatik aufweisen) kommen zum Beispiel Fremdkörper, Tumore anderer Ursache, Niereninsuffizienz, Addison oder andere Vergiftungen in Frage.

Wird das Medikament noch verabreicht, muss es unter tierärztlicher Begleitung sofort abgesetzt werden. Der Tierarzt wird verschiedene Maßnahmen einleiten, um Kreislauf und Atmung zu stabilisieren und eine Dekontamination mit Aktivkohle und eventuell Glaubersalz vornehmen, sowie wenn möglich und sinnvoll ein Erbrechen auslösen. Auch eine forcierte Ausscheidung über den Harn, durch medikamentös gesteigerte Harnausscheidung oder die Alkalisierung des Harns sind therapeutische Maßnahmen. Voraussetzung dafür ist aber eine gute Nierenfunktion. Eine Antidottherapie, also die Verabreichung eines sogenannten Gegengifts ist eine weitere Möglichkeit. Weiterhin sollte die Körpertemperatur reguliert und die Magenschleimhaut geschützt werden. In schlimmen Fällen sind chirurgische Maßnahmen am Magen-Darm-Trakt erforderlich.

 

Antibiotika

Prinzipiell dürfen diese nur auf tierärztliche Anweisung verabreicht werden. Hier sollte man Schaden und Nutzen unbedingt abwägen, worauf ich aber nicht näher eingehen möchte. Zum Weiterlesen empfehle ich Ihnen den Artikel „Antibiotika – Segen und Geschäft“ in Ausgabe 3/2010 von dubarfst – Das Barf-Magazin.

 

Jod

Zur Wundbehandlung und Desinfektion sollten bei Hund und Katze keine Desinfektionsmittel verwendet werden, die Jod enthalten. Es kann bei Hautkontakt zu negativen Reaktionen kommen, die man ganz einfach durch Verwendung anderer, verträglicher Mittel vermeiden kann. Neben direkten Reaktionen auf der Hautoberfläche, wird der Wirkstoff auch über die Haut aufgenommen und über die Blutbahn im Körper verteilt. Auch die Gefahr, dass Hund oder Katze bei der Fellpflege mit Jod behandelte Wunden lecken könnten und das Mittel auf diesem Weg in den Verdauungstrakt gelangen kann, sollte man nicht unterschätzen. Eine Aufnahme von jodhaltigen Desinfektionsmitteln kann zu Magen-Darm-Entzündungen, Herzinsuffizienz und sogar zum Koma führen. Also bitte auf solche Mittel verzichten und statt dessen auf andere, ungefährlichere zurück greifen.

 

Knoblauchpräparate

Der gute Knoblauch… Einerseits hoch gelobt aufgrund seiner vielen positiven Eigenschaften für Gesundheit und Wohlbefinden. Auf der anderen Seite wird von der Verwendung von Knoblauch und Knoblauchpräparaten bei Hunden und Katzen dringend abgeraten. Hier gehen die Meinungen selbst in der Fachwelt sehr weit auseinander und immer wieder wird die Verwendung der beliebten Knolle zum Streitthema.

Diesem Thema möchte ich in einer der kommenden Ausgaben einen ausführlicher Artikel widmen, das steht den tollen Knollen einfach zu. Nur so viel vorab: Ich liebe Knoblauch und schätze auch seine positiven Eigenschaften. Dennoch rate ich persönlich von der Verabreichung von Knoblauch und Knoblauchpräparaten an Hunde und Katzen ab, da bei gründlicher Abwägung des eventuellen Nutzens gegenüber dem eventuellen Schaden ersterer aus meiner Sicht etwas zu kurz kommt. Mehr dazu in Kürze…

 

Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit und ersetzt in keinem Fall den Gang zum Tierarzt oder Tierheilpraktiker!

 

Fortsetzung im nächsten Heft …

 

Über Isabelle Czok-Alm (7 Artikel)
:-)

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  2. Giftige Gefahren im Haushalt – Teil 3 | dubarfst - Das Barf-Magazin

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