Fressen oder Gefressenwerden

Krieg außen und Krieg innen

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Das sei das Prinzip des Lebens und Überlebens; ein ständiger Kampf ums Dasein. So hat man es uns gelehrt und sich dabei auf Darwin berufen.

Man kann es in einem kurzen Satz zusammenfassen: Leben bedeutet Krieg.

Der Satz „Kampf ums Dasein stammt von Darwin. Man findet ihn in seinem Werk „Über die Entwicklung der Arten ….“. Auf Darwin berufen sich seit über 100 Jahren viele, die in diesem Satz eine Rechtfertigung für ihre Argumentation und ihr kriegerisches Handeln sehen, nicht nur Soziologen und Politiker zählen und zählten dazu, gerade auch Ärzte und das bis in die Gegenwart. Darwin hatte den Satz aber ganz anders gemeint. Er schreibt „Ich will vorausschicken, dass ich diesen Ausdruck in einem weiten und metaphorischen Sinne gebrauche, unter dem sowohl die Abhängigkeit der Wesen voneinander, als auch, was wichtiger ist, nicht allein das Leben des Individuums, sondern auch die Sicherung seiner Nachkommenschaft einbegriffen wird.“ Darwin verstand unter „struggle for life“ eben nicht Kampf und Krieg, sondern einen Daseinswettbewerb, in dem z.B. auch der Altruismus seinen Platz hat, also das Verhalten zum Wohle eines anderen.

Den meisten Menschen leuchtet dieses Prinzip auch spontan ein. Der Löwe frisst doch die Gazelle und die Katze die Maus. Das sehen sie als Beweis für den Krieg mit äußeren Feinden, solchen also, die einen überfallen, töten und fressen wollen. Und dann gibt es da noch den Krieg gegen die vielen inneren Feinde: Würmer, Einzeller, Pilze, Bakterien und Viren.

Die Antwort auf die Frage „was die Welt im Innersten zusammenhält“, wie Goethe es ausdrückt, wird so ganz einfach beantwortet. Der Krieg ist der Vater aller Dinge, so hat es Heraklit 500 vor Christus geschrieben. Das soll auch für die Entwicklung der Lebewesen gelten.

Und als dann Ende des 19. Jahrhunderts Robert Koch die Bakterien als Erreger von Krankheiten entdeckt hatte, gab es für die meisten Menschen keinen Zweifel mehr. Das war der endgültige Beweis. Die Natur und das Leben werden vom Krieg beherrscht. Und den muss man gewinnen. Bakterien müssen vernichtet werden, mit allen Mitteln.

Es begann die Suche nach geeigneten Waffen. Viele Antibiotika wurden gefunden, und große Erfolge bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wurden damit erzielt. So schien ein weiterer Beweis erbracht zu sein dafür, dass es sich um einen Krieg handelt, den man auch gewinnen kann.

 

Umwelt oder Mitwelt?

Wir Menschen sind nicht mehr Teil der Natur, mit ihr und von ihr lebend, wir haben uns von ihr isoliert. Unsere Haustiere haben wir in diese Einsamkeit und Verlassenheit mitgenommen.

Wir sprechen von Umwelt und nicht von Mitwelt, wie es richtig wäre. Wir und unsere Tiere leben in der Natur wie Außerirdische in einer unbekannten feindlichen Umgebung, ständig in Sorge, Mikroben könnten uns vernichten. Chemische Medikamente und die denaturierte Nahrung für uns und unsere Tiere verraten unsere Entfremdung von der Natur.

Anstatt uns um Harmonie und Gleichgewicht mit der Natur und im eigenen Körper und dem unserer Hunde und Katzen zu bemühen, kämpfen wir gegen sie mit Giften aller Art, mit Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden, Akariziden, Rodentiziden, mit Desinfektionsmitteln und im Körper mit zahlreichen Antibiotika und vielen chemischen Stoffen – allesamt Mittel, die sich gegen das Leben richten. Der Denkansatz des Vernichtens und der Nulltoleranz ist typisch für die westliche Medizin, aber er ist meilenweit entfernt vom Gedanken der Gesundheit, des Heilens und des Heils.

Wir beuteln die Natur und den Organismus solange, bis es nicht mehr gelingt, das innere Fließgleichgewicht wiederherzustellen.

Aus der Mutter, der lebensspendenden Natur, ist in der Wahrnehmung der meisten eine Furie geworden. Ständig muss man aufmerksam und hellwach bleiben, wenn man nicht plötzlich und unerwartet überwältigt und vernichtet werden will. Diese Vorstellung einer feindlichen Natur ist in den meisten Menschen so fest verankert, dass sie sich jederzeit und beliebig oft in Panik verwandeln lässt, im Kleinen wie im Großen.

 

Panik macht gefügig

Menschen in Panik denken nicht mehr, wägen nicht mehr ab, sind unfähig zur Verantwortung und handeln entsprechend verantwortungslos. Sie rennen einem angeblich lebensrettenden Ziel entgegen, das man ihnen vorgaukelt, ohne zu erkennen, dass sie sich oder ihre Tiere vielleicht gerade dadurch ins Verderben stürzen.

Diese Todesangst wird von Politikern, aber auch vielen Medizinern ausgenutzt. Der Umsatz an Medikamenten, Wurmkuren, Insektiziden, Akariziden und Impfungen zeigt den Erfolg dieser Strategie. Häufig ungefragt und ohne klare Diagnose werden sie verabreicht. Über die möglichen Gefahren und Nebenwirkungen dieser Mittel gibt es für die Tierhalter nur selten Informationen.

Bei Hunde- und Katzenhaltern kann man dieses Phänomen genau beobachten. Die Verantwortung wird übertragen auf die Hersteller von denaturiertem Futter und die Ärzte, die behaupten, Gesundheit zu verkaufen. Der Spiegel wählte in seiner Ausgabe Nr. 30/2010 zum Thema Hundefutter die Überschrift: „Maskierter Müll“. Eine mutige Entscheidung.

An der Veterinärmedizin und dem Verhalten vieler Tierärzte gibt es allerdings bis heute so gut als keine Kritik, anders als im Humanbereich. Veterinärmediziner haben sich aus jeder kritischen Diskussion über ihr Tun bisher heraushalten können. Kritische Tierärzte innerhalb der Standesorganisation, die Verfehlungen öffentlich machen, müssen mit teuren Abmahnungen rechnen und werden mundtot gemacht.

Es wird allerhöchste Zeit, dass hier genauer hingeschaut wird, dass die Folgen von Wurmkuren, Mitteln gegen Insekten und Milben, Impfungen und der häufige Einsatz von Antibiotika und Kortisonpräparaten genauer untersucht und die Folgen, positive und auch negative, statistisch festgehalten werden und dass auch nach Zusammenhängen zwischen Ernährung und den genannten Erkrankungen gesucht wird. Immerhin ist ja heute bereits jeder zweite Tierarzt ein Trockenfutterhändler, der seine Informationen über Ernährung von den Herstellern bekommt und seine Fütterungsempfehlungen dementsprechend gibt. Von Natur keine Spur.

Zumindest ist mir kein Hund und keine Wildkatze bekannt, die nach Trockenfutter sucht. Und erstaunlicherweise – oder gerade nicht – werden Wölfe und Katzen in den Zoos auch nicht damit ernährt.

Je weiter wir uns von der Natur entfernt haben, umso häufiger leiden unsere Hunde und Katzen an Krankheiten, die es früher nicht oder nur selten gegeben hat: Darmstörungen, Leberschäden, Pankreasinsuffizienz, Zuckerkrankheit, Hautallergien, Krebs. Wie wir Menschen. 70 % der Hunde in Amerika sterben inzwischen an Krebs, statistisch erwiesen.

Das muss ein Ende haben.

 

Beenden wir den Krieg

Wir müssen umdenken.

In der Natur geht es nicht um Krieg, sondern um Lebenserhalt. Alles Leben, obwohl es endlich ist, strebt Ewigkeit an, aus Krieg entsteht aber immer nur Vernichtung.

Wir können das Leben und seine wundervolle Entwicklung hin zu den Millionen Pflanzen- und Tierarten nur verstehen aus dem Gedanken des Miteinanders und des Gleichgewichtes. Lesen Sie mal das wunderbare Buch von Lynn Margulis „Die andere Evolution“. Darin geht es um die Entwicklung aller Lebewesen aus dem Miteinander.

Alle Prozesse in Lebensgemeinschaften, sei es im Großen oder im Kleinen, in einem Urwald oder im Darm eines Hundes, streben hin zu einem immer neuen, wenn auch labilen Gleichgewicht. Es ist ein Pendelprozess, eine Homöostase, vergleichbar der Körpertemperatur, die auch um einen Durchschnittswert pendelt.

Der Körper eines Hundes oder einer Katze ist eine solche Lebensgemeinschaft, ein Ökosystem aus etwa zehn Billionen eigenen Zellen und mehr als hundert Billionen anderen, die auf ihm und in ihm leben. Dazu kommen noch Pilze, viele Einzeller und Würmer. Sie alle leben normalerweise in Eintracht miteinander zu gegenseitigem Vorteil, das gilt auch für Würmer. Darüber später mehr.

Jede Störung des Gleichgewichtes in diesem Ökosystem Körper erkennen wir an Symptomen. Die Medizin bezeichnet sie als Krankheiten.

Während der ökologisch orientierte Tierhalter seinem Tier nun zu einem neuen inneren Gleichgewicht verhelfen wird durch Optimierung der Fütterung, Stärkung des Immunsystems etc. – wozu auch eine Symptombehandlung gehören kann, wenn das Symptom lebensbedrohlich ist, aber eben nur dann -, wird die Medizin sich in aller Regel auf die Symptombehandlung beschränken.

 

Symptom = Krankheit?

Ein Symptom ist zum Beispiel der Durchfall. Werden Giardien nachgewiesen, macht man sie für den Durchfall verantwortlich, obwohl der Durchfall auch noch andere Ursachen haben kann. Darüber müsste man nachdenken und nachforschen, will man aber nicht. Das einfache Weltbild vieler Mediziner ist halt so bequem. Durchfall und Giardien gleichzeitig bedeutet danach immer: Giardien sind die Ursache für Durchfall. So geschieht es ständig.

Nun könnte man ja wissen, dass nach neueren Erkenntnissen jeder sechste Hund und jede achte Katze diese Einzeller im Darm beherbergen und deshalb noch lange nicht an Durchfall leiden. Warum eigentlich nicht? Ganz einfach: Weil der Zusammenhang Giardien = Durchfall falsch ist.

Wenn es aber stimmte, dass Giardien auf dem Vormarsch sind und nicht nur ein Modethema, müsste man sich fragen, woran das liegt. Giardien leben im Darm und dort von Bakterien oder auch Gewebezellen. Könnte es sein, dass bestimmte Futter und vielleicht auch Wurmkuren die natürliche und schützende Darmflora, also die Darmbakterien, so stören oder sogar abtöten, dass die Abwehr nicht mehr funktioniert? Müsste man dann nicht vor allem die Bedingungen im Darm ändern?

Vieles spricht für dieses Szenario.

Immer häufiger höre ich von Hunden, die mit Ronidazol oder einem ähnlichen Mittel gegen Einzeller behandelt wurden, ohne dass sich ein Erfolg einstellte. Mir sind Krankheitskarrieren bekannt, die mit Ronidazol begannen, danach irgendwann zu Antibiotika führten, die über Wochen, ja sogar Monate, verabreicht wurden und letztlich zu Kortison führten wegen des chronisch entzündeten Darms, in dem sich kein Gleichgewicht mehr einstellen konnte. Der traurigste Fall war ein Hovawartrüde, der mit achtzehn Monaten nach einer „Karriere“ von zwölf Monaten mit genau diesen Mitteln einen Darmdurchbruch erlebte und elendiglich daran verreckte. Immer wieder waren Giardien und immer wieder angeblich krankmachende Bakterien festgestellt worden. Behandlungskosten circa 1.500,00 €, aber kein Schuld- oder Schamgefühl.

Mir ist nicht ein einziger Fall bekannt, bei dem die Beseitigung der Giardien gelungen wäre, wohl aber kenne ich viele Hunde, in deren Darm solche schweren Schäden, wie beschrieben, angerichtet wurden. Und ich kenne viele Hunde, die mit Giardien oder anderen Lebewesen in Harmonie leben, ohne zu erkranken.

 

Was kann man anders machen?

Am besten, wir werfen mal einen Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Wölfe und Wildkatzen. Auch sie kamen mit vielen verschiedenen Mikroben, Einzellern und Würmern in Kontakt. Wirt und Fremdorganismen sind sich immer wieder begegnet und haben sich über tausende Jahre und viele Generationen aufeinander einstellen und sich aneinander gewöhnen können. Das Immunsystem kannte sie, und diese Kenntnis wurde an die Nachkommen weitergegeben.

Alle Lebewesen, die nicht zum Körper gehören, ob nun Einzeller oder Mehrzeller, haben für den Organismus den Charakter eines Antigens, und das Immunsystem hat lernen müssen, entweder diese Fremden zu eliminieren oder mit ihnen einen Frieden zu schließen: Lass du mich leben, lass ich dich gewähren.

Die Darmbakterien der lebenswichtigen Darmflora werden vom Immunsystem wie körpereigene Zellen behandelt, also ignoriert, unerwünschte Bakterien und andere Organismen werden angegriffen, zurückgedrängt oder auch vernichtet.

Wenn in einem offensichtlich gesunden und vitalen Hund Giardien, Kokzidien oder Würmer nachgewiesen werden, ist es längst im Darm zu einem Gleichgewicht zwischen allen Bewohnern und dem Immunsystem gekommen. Jedes massive Eingreifen mit Medikamenten führt dann zu einer Störung und häufig zu einer Krankheitskarriere, wie oben beschrieben. Wir müssen wegkommen von der Einstellung „Alles oder nichts“, wegkommen von dem Ziel der endgültigen Vernichtung und hin zum Verständnis einer inneren Harmonie, zum Fließgleichgewicht zwischen den Billionen Mitlebewesen.

 

Symbionten, Kommensalen, Schmarotzer

 Früher hat man die Darmbewohner gerne in Symbionten, Kommensalen und Schmarotzer unterteilt.

Symbionten sind zum Beispiel solche Darmbakterien, die Vitamine für den Wirtsorganismus produzieren oder ihm beim Aufschließen der Nahrung helfen und dafür als Gegenleistung Heimat, Schutz und Nahrung bekommen. Wirt und Bakterien helfen sich also gegenseitig.

Kommensalen nannte man solche Bewohner, die anscheinend nichts Positives bewirkten, aber auch nicht schadeten.

Und in Schmarotzern, wie Würmern, sah man solche, die nur Schaden anrichteten, auf Kosten des Wirtes lebten und zu nichts sonst nütze waren.

Diese Einteilung lässt sich nicht aufrechterhalten. Wir mussten vieles dazulernen. Wenn ich Ihnen jetzt erzähle, dass Würmer, vorausgesetzt, sie nehmen nicht überhand, für den Organismus unentbehrlich sind, werden Sie vielleicht staunen. Was man bei Menschen als gesichert erkannt hat, will man aber bei Hunden, Katzen und anderen Haustieren einfach nicht zur Kenntnis nehmen.

 

Würmer als Immunstimulatoren

 In den letzten Jahrzehnten ist es in Deutschland gelungen, die Darmwürmer des Menschen weitgehend zu eliminieren. Parallel dazu stieg die Anzahl der Autoimmunerkrankungen, vor allem im Darm, aber auch der Haut deutlich an. Der Zusammenhang zwischen beidem ist erst seit einigen Jahren aufgefallen, bekannt geworden und inzwischen auch bewiesen. Die Würmer haben zur richtigen Zeit in der Kindheit das Immunsystem so stimuliert und stabilisiert, dass es sich nicht gegen den eigenen Körper wenden konnte, es hatte genug anderes zu tun.

Inzwischen hat es erfolgreiche Versuche gegeben, bei denen man den Darm von an Morbus Crohn erkrankten Menschen künstlich mit Larven von Schweinwürmern und anderer Wurmarten infiziert hat. Die können sich im Menschendarm zwar entwickeln, aber nicht auf Dauer halten. Wohl aber gelang es in mehreren Fällen, die Stimulierung des Immunsystems in die richtige Richtung wieder in Gang zu setzen, so dass ein Heilungsprozess eingeleitet werden konnte.

Übertragen Sie das mal auf Hunde, die schon als Welpen im Rhythmus weniger Wochen chemisch entwurmt werden, weil die Würmer angeblich so gefährlich sind und kein einziger Wurm geduldet werden darf. Und denken Sie dann an die vielen allergiekranken Hunde.

Es sei auch noch die Frage erlaubt, was man früher, als es diese Mittel nicht gab, gemacht hat. Immerhin gibt es Hunde seit zigtausend und Wölfe seit über 40 Millionen Jahre auf der Erde, und sie haben überlebt.

 

Praktische Tipps

Und zum Schluss auch noch Hinweise darauf, was die Natur zu bieten hat, wenn Giardien oder Würmer überhand nehmen, was ja auch mal passieren kann.

Gegen Giardien wirken Extrakte aus der Bartflechte, Usnea barbata, und der Ringelblume, Calendula officinalis.

 

Und gegen Würmer?

Zuerst einmal sollten Sie wissen, dass sich Würmer nicht im Darm vermehren, was viele annehmen. Sie müssen immer wieder als Larven von außen in den Körper gelangen, wo sie sich dann zu Würmern entwickeln.

 

Und was nun tun?

Haarige und kratzige Strukturen treiben die Würmer aus, so Hagebuttenkerne mit ihren Haaren oder auch Kokosflocken und das, was die Wölfe schon immer dagegen getan haben, natürlich ohne es zu wissen: Das haarige Fell der Beutetiere. Für ihre Hunde also zum Beispiel die Ohren von Rindern, Hasen oder Wildtieren. Und Katzen, als Freigänger, fangen Mäuse. Die werden vor dem Verzehr auch nicht rasiert.

 

Das Ziel von Haltung und Behandlung muss Harmonie und das innere Gleichgewicht sein, nicht Krieg, denn den werden wir immer verlieren.

Über Klaus-Rainer Töllner (6 Artikel)
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