Kritische Gedanken zu Gesundheit und Krankheit

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Die Weisheit der drei Affen:

„Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.“

löst keine Probleme.

Der Kopf ist zum Denken da Wir Menschen zeichnen uns aus durch unseren Verstand, der uns zu denken erlaubt. Ja, mehr noch: Es ist die Pflicht eines jeden, sich das Denken nicht von anderen abnehmen zu lassen, sondern selbständig zu denken, alles kritisch zu hinterfragen, daraus sein Handeln abzuleiten und für sein Handeln auch die Verantwortung zu tragen.

Solche kritischen Menschen können sich irren, aber leicht zu manipulieren sind sie nicht.

Wir brauchen mehr solcher Persönlichkeiten.

 

Wie schön ist doch der bequeme Weg

Viele Menschen ziehen schnelle, einfache Antworten und Lösungen vor und möchten möglichst wenig Arbeit haben und keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Daraus kann man erfolgreiche Geschäftsstrategien entwickeln.

Wer denkt schon darüber nach, dass die Krankheit seines Hundes und seiner Katze die Folge eigenen falschen Verhaltens oder falscher Fütterung ist?

Krankheiten werden als Schicksalsschlag gewertet, als ein Unfall oder ein dummer Zufall, als eine biologisch falsche Programmierung, gerne auch als reparaturbedürftiger Schaden oder Verschleiß, ein Überfall mörderischer Bakterien oder anderer Mikroben, die man mit allen Mitteln bekämpfen muss.

Alles reparaturbedürftige Geschehnisse. Die Betrachtung ist mechanistisch. Es wird repariert wie an einem Auto. Und die Versprechen der Medizin gehen ja auch genau dahin, dass sich die Schäden reparieren lassen. Der Körper als Ganzes, seine komplexe innere Vernetzung, die Abhängigkeit der Zellen, Gewebe und Organe untereinander spielen in der Veterinärmedizin kaum eine Rolle. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Tiere zu Dauerpatienten werden und von Heilung keine Rede sein kann.

 

Glauben und Vertrauen sind selten berechtigt

Da steht dann der verängstigte, aber hoffnungsvolle Patientenbesitzer mit seiner Gutgläubigkeit vor einer studierten gottähnlichen Autorität und lässt alles über sein Tier ergehen. Er fragt nicht nach. Fragen tun nur wenige. Er nimmt ja an, dass ausschließlich alles wissenschaftlich begründet ist, erfolgreich erprobt wurde und nur zum Wohle seines Tieres geschieht.

Wie kann er da so sicher sein?

Welche Heilerfolge mit dieser oder jener Methode oder einem bestimmten Medikament kann der Arzt ihm nennen? Wie begründet er seine Therapie? Die Entscheidung über die anzuwendende Therapie liegt letztlich beim Besitzer des Tieres. Entscheiden kann er aber nur, wenn er die Zusammenhänge, die Wirkungen und Nebenwirkungen, erfährt und nachvollziehen kann. Kritische Fragen sind lästig und häufig werden sie abgebügelt. Man muss sich das nicht gefallen lassen. Es geht um die Gesundheit des Tieres, aber auch darum, dass bezahlt werden muss, geheilt oder nicht.

 

Reparieren am Symptom

Die Reparatur am Symptom ist die häufigste Methode. Nur selten wird nach tieferen Zusammenhängen gefragt und nach den tatsächlichen Ursachen. Sehr häufig stecken ja schwerwiegende Ernährungsfehler hinter den Symptomen, für die zumindest zeitweise ein ausgefeiltes Diätprogramm nötig wäre. Aber auch darauf hat so mancher Arzt die angeblich richtige und schnelle Antwort: Das passende Fertigfutter oder Diätfutter, fix und fertig in der Tüte. Die Schulung zum „Ernährungsfachmann“ hat er von der Firma bekommen, die ihm das Futter liefert. Im Studium spielt Ernährung nämlich nur eine untergeordnete Rolle und nur sehr wenige haben sich auf das Thema Ernährung von Hunden und Katzen spezialisiert. Ernährungsspezialisten gibt es, wenn auch nur wenige.

 

Das „richtige“ Medikament ist schnell gefunden

Das Medikamentensortiment in der Tierarztpraxis hält sich in Grenzen. Sehr häufig wird zu Antibiotika und Kortisonpräparaten gegriffen, die helfen oft kurzfristig und schnell – das erscheint dem Besitzer dann sehr überzeugend und schafft Vertrauen – nur leider hält der Erfolg oft nicht lange an. Aber darum geht es doch, den Dauererfolg. Der Körper soll sein inneres Gleichgewicht wiederfinden.

Die andere Seite der Medikamente sind deren Nebenwirkungen. Darüber sollte selbstverständlich immer ausführlich informiert werden. Geschieht das so? Jeder hat damit ja schon Erfahrungen gemacht. Könnte man den Beipackzettel lesen, wäre man besser informiert. Aber wer bekommt den schon ausgehändigt?

Ein weiteres Problem ist, dass man aus den Namen einiger Präparate nicht mehr auf die Wirkstoffgruppe schließen kann. Das ist verwirrend. Man muss viel recherchieren. Gerade bei einigen Kortisonpräparaten oder solchen mit entsprechender Wirkung ist nicht mehr erkennbar, was eigentlich dem Tier gegeben wird. Der Halter sollte das aber wissen.

Könnte es sein, dass dies Kaschieren beabsichtigt ist, weil Kortison als Dauergabe wegen der vielen Nebenwirkungen ins Gerede gekommen ist?

 

Fastfood als tägliches Futter?

Wir Menschen bekommen immer wieder gesagt, wir sollten uns nicht zu oft mit Fertignahrung, also Fastfood, ernähren. Fastfood ist immer verschiedenen technischen Behandlungen unterzogen worden und enthält meistens Zusatzstoffe für Geschmack und Haltbarkeit. Das alles reduziert die Qualität und die biologische Wertigkeit erheblich. Frische Produkte sollen wir essen, möglichst naturbelassen. Eine richtige Aufforderung.

Gleichzeitig wird aber solch eine Fastfood-Ernährung für unsere Tiere als Dauerversorgung und als vollkommen ausgewogen angepriesen, geradezu als Idealfutter. In der Bezeichnung „Alleinfutter“ schlägt sich das nieder. Rein rechnerisch muss darin alles enthalten sein, um den Bedarf des Tieres zu decken. Diese Bezeichnung ist vom Staat abgesegnet und geschützt. Was kann man sich als Hersteller mehr wünschen?

Wer für seine Tiere selbst kocht oder Rohfleisch füttert mit entsprechenden Zutaten, wird häufig sogar als verantwortungslos hingestellt. Es wird unterstellt, dass es zu Mangelerscheinungen kommen würde. Gerne wird diese Fütterung auch als gefährlich für die Tiere diskreditiert wegen aller möglichen infektiösen Keime. Sie haben diese Argumente alle schon gehört, und insbesondere viele Tierärzte warnen vor Frischfleisch und bieten alternativ Alleinfutter an.

 

Medizin ist eine Geschichte des kommerziellen Erfolges

Gesundheit kann man kaufen, das hat man uns eingetrichtert. Sie ist in den letzten 60 Jahren zu einem riesigen Geschäft geworden, das immer weiter wächst.

Die Deutschen gaben im Jahr 2006 240 Milliarden Euro für Gesundheit aus, das sind 10,6 % des Bruttosozialproduktes, Tendenz steigend. Eine gewaltige Geldmaschine, die vielen Reichtum beschert, der Pharmaindustrie und nicht zuletzt vielen Ärzten. Dies allerdings, ohne den Gesundheitszustand der Deutschen wesentlich zu verbessern, ja oft ganz im Gegenteil. In Deutschland sterben nach vorsichtigen Schätzungen jedes Jahr an falsch verordneten Medikamenten Zigtausende.

Allein in den inneren Abteilungen von Kliniken rechnet man wegen falscher Diagnosen und falsch verordneter Medikamente und entsprechenden Vergiftungen, vorsichtig geschätzt, mit 30.000 Toten jährlich, andere sprechen von der doppelten Anzahl. Dazu kommen noch einmal genauso viele Tote, deren Leben durch Dauervergiftungen verkürzt wird. Das sind täglich 165 Tote, so viele wie in ein Flugzeug passen. Was, glauben Sie, gäbe es für einen Aufstand, wenn täglich ein solcher Flugzeugabsturz gemeldet würde?

Diese Zahlen sollten hellhörig machen, denn:

Sollten wir denn nun annehmen, dass bei der Behandlung von Hunden und Katzen solche Fehler nicht passieren? Nur: Darüber spricht keiner. Ist das Tier irgendwann tot, was soll’s. Schicksal halt. Wer will oder kann schon nachweisen, dass hier ärztliche Fehler vorliegen könnten oder ein Futter dafür verantwortlich ist.

Viel eher wird man Sie warnen vor der Aujeszkyschen Krankheit, an der seit vielen Jahren kein Hund und keine Katze mehr gestorben ist, oder vor einer Salmonelleninfektion, gegen die der saure Magen den Hund bestens schützt oder vor einem Knochen, an dem er sich verschlucken kann.

Das alles kann ja passieren, aber selten. Im Verhältnis zu anders begründeten Todesfällen wird das nicht ins Gewicht fallen. Die Gefahren lauern woanders. Es wird Zeit, dass Kommissionen sich mit dem Thema iatrogener Krankheit befassen. Das sind alle die Krankheiten, die durch ärztliche Behandlung entstanden sind. Ein großes Thema im Humanbereich, im Veterinärbereich weitgehend ausgeblendet. Im Humanbereich geht man von Fehldiagnosen aus im Umfang von 30 % bis 50 %, je nach Erfahrung des Arztes. Auch das sollte zu denken geben.

 

Das Geschäftsmodell Mensch als Vorbild für die Tiere

Sind das nicht tolle Geschäftsmodelle, traumhafte Vorbilder aus dem Humanbereich für die Futtermittel- und Pharmaindustrie?! Irgendwann ist man darauf gestoßen, dass der Markt für Tiere doch auch einen ganz netten Umfang hat. Oder anders gesagt: Es steckt ein riesiges Geschäft darin. Während sich nun im Humanbereich immer mehr Kritiker mit anklagenden Büchern zum Schutze der Verbraucher an die Öffentlichkeit wagen, um zum Beispiel die Verquickung von Pharmaindustrie und Ärzten aufzudecken, spricht über den Veterinärbetrieb niemand.

Bei Hund und Katze kommt noch ein weiterer Komplex dazu. Während jeder erstaunt wäre, würde ihm sein Hausarzt im Zusammenhang mit seiner ärztlichen Tätigkeit Arzneimittel und Lebensmittel verkaufen, ist das im Veterinärbetrieb gang und gäbe. Zusätzlich zu der Erlaubnis, Medikamente verkaufen zu dürfen – schon das ist ja verführerisch – haben sich die Tierärzte ein weiteres Feld erschlossen, nämlich den Vertrieb von verschiedenen Futtern, die häufig im Zusammenhang mit einer Krankheit dem Kunden angeboten werden.

Täte ihr Hausarzt dasselbe, verkaufte Ihnen Medikamente und böte Ihnen Fertiggerichte an, würden Sie das zumindest merkwürdig finden. Ein solcher Handel ist ja auch dem Arzt, völlig zu Recht, verboten. Man bewahrt ihn vor dem Konflikt, statt der Gesundheit des Patienten zu dienen, seinen finanziellen Vorteil im Auge zu haben.

Abgesehen davon ist das Gebiet der Diätethik im Humanbereich äußerst komplex, und es werden den Kranken gerade nicht Fertiggerichte, also Fastfood, empfohlen, sondern ungespritzte, möglichst unbehandelte Rohstoffe und ohne chemische Zusatzstoffe. Warum also bei unseren Tieren anders?

 

So viele Probleme, wer denkt da schon an Hund und Katz?

Kritische Bücher über Gesundheit und Ernährung von Menschen gibt es viele. Darin werden so manche „Schweinereien“ der Lebensmittelindustrie aufgedeckt. Es gibt auch Bücher über die Medizinindustrie, in denen zutiefst erschreckende Tatsachen veröffentlicht wurden. (Am Ende des Artikels habe ich einige Bücher aufgelistet, für die Sie sich vielleicht interessieren.) Auch die Organisation Foodwatch deckt immer wieder Skandale auf.

 

Und im Bereich Hunde und Katzen?

Kein Tier-Food-Watch, wenig kritische Literatur. Doch ein einziges Buch, in dem das Kind beim Namen genannt wird, ist so brisant, das ich es Ihnen dringend zu lesen empfehle. „Katzen würden Mäuse kaufen“ von Hans-Ulrich Grimm. In dem geht es um Futter, sowohl für Hunde als auch Katzen. Und wie sieht es aus mit Büchern über den Veterinärmedizinbetrieb? Mau!

Ich kenne keine. Wo sind die Statistiken veröffentlicht über Impfschäden, die eigentlich gemeldet werden müssten, die es aber angeblich nicht gibt; ähnliches gilt für Wurmkuren. Haben Sie schon  mal was gelesen über falsche Diagnosen und ihre Folgen, über falsch verordnete Medikamente, Vergiftungen durch Medikamente, Todesfälle?

Auch die Fachzeitungen schweigen dazu. Ja, ganz im Gegenteil. Darin veröffentlichen vorwiegend Tierärztinnen und Tierärzte ihre Artikel. Das mechanistische Bild des Lebewesens steht im Vordergrund und damit die Reparaturmedizin. Es werden Krankheiten und deren Symptome beschrieben und die passenden Medikamente in aller Regel gleich dazu genannt. Solche Artikel finden Sie in jeder Fachzeitung.

Der Tierhalter kann dann die Diagnose gleich selbst stellen und dem Arzt sagen, was für ein Medikament er haben will. Ein gutes Geschäftskonzept. So mancher Tierbesitzer mag sich ja auch mit diesem Wissen vor dem Haustierarzt brüsten wollen. Ob das aber zum Vorteil seines geliebten Haustieres ist?

 

Es gibt auch Alternativen

Nun gibt es auch eine ganze Anzahl Tierärzte, die dabei nicht mitmachen, die ihre Grenzen kennen, alternative Methoden anwenden und für die das Geld sicher auch wichtig, aber zweitrangig ist. Machen sie das aber öffentlich und verstößt eine Aussage oder eine Handlung gegen die Statuten ihrer Kammer, funktioniert das Einschüchterungssyndikat perfekt. Dann müssen sie mit teuren Sanktionen rechnen. Eine mir bekannte Tierärztin, die in einem ihrer Artikel im Zusammenhang mit Fütterung geäußert hatte: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Tierarzt, er wird es nicht wissen“, wurde von der Tierärztekammer zu einer Strafzahlung von 800 Euro verurteilt. So läuft das ab.

 

Der hohe ethische Anspruch an die Tierärzte

Was ist denn die Aufgabe der Tierärzte?

Ist es nicht eigentlich Aufgabe aller Ärzte, auch der Tierärzte, dem Patienten so zu dienen und zu helfen, dass er den Arzt möglichst nicht mehr braucht; sich also überflüssig zu machen? So sagte es sinngemäß einst der Hippokratische Eid.

Und wenn schon Nebenwirkungen, also Schäden, durch Medikamente oder andere Methoden in Kauf genommen werden müssen für einen erhofften oder erwarteten größeren Nutzen, dann sollten die so gering als irgend möglich gehalten werden. Ich irre mich sicher nicht, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, genau das vom Arzt, von ihrem Hausarzt wie von ihrem Tierarzt, erwarten.

Darüber sollten Sie auch mit ihrem Tierarzt sprechen, wenn Sie ihn schon in Anspruch nehmen müssen, damit Sie die wirklich bestmögliche Therapie für ihr Tier bekommen und nicht eine flüchtige Diagnose und das gerade verfügbare Mittel.

 

Ein Schock!

Nun hat mich da stutzig gemacht, was ich kürzlich gelesen habe. Es geht um einen Text aus dem Deutschen Ärzteblatt, also der offiziellen Publikation der Deutschen Ärztekammer. Jahrgang 2002. Es geht um Menschen. Da heißt es unter anderem:

„Der Wettbewerb zwingt zur Erschließung neuer Märkte. Das Ziel muss die Umwandlung aller Gesunden in Kranke sein, also in Menschen, die sich möglichst lebenslang sowohl chemisch-physikalisch als auch psychisch für von Experten therapeutisch rehabilitativ und präventiv manipulierungswürdig halten, um gesund leben zu können.“

Soweit zum Thema Mensch.

Und was ist mit Tieren? Kommentar überflüssig.

Wie weit das alles im Sinne ihrer Tiere ist, mögen Sie selbst beurteilen.

Über Klaus-Rainer Töllner (6 Artikel)
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