Halbwahrheiten, Vorurteile und Unwahrheiten

© Katrin Windszus - http://blaue-samtpfote.de

Vermehrt wird in Katzenzeitschriften (und auch Hundezeitschriften) negativ, abwertend, ja sogar polemisch gegen das Barfen gewettert. Ist ja auch verständlich, denn die Futtermittelindustrie finanziert über Werbung die Zeitschriften mit und somit auch die Jobs der Autoren. Man wirft den Rohfütterern vor, sie würden einer Weltanschauung hinterher rennen und mit einem sehr begrenzten Halbwissen der Realität ins Auge sehen.

Es wird immer wieder unterstellt, dass „wir Barfer“ nicht in der Lage wären, ausgewogene Mahlzeiten für unsere Tiere zu erstellen und dass dies nur studierte Ernährungswissenschaftler oder die Futtermittelindustrie könnten.

Aber irgendwie schaffen wir es doch auch, uns Menschen gesund zu ernähren, obwohl kein Doktor uns einen Ernährungsplan erstellt hat. Warum sollten wir dies nicht mit unseren Tieren hinkriegen?
Ich muss ehrlich gestehen, dass unsere Katzen vermutlich gesünder leben, als mein Lebensgefährte und ich selbst. Wir rechnen das Katzenfutter pingelig durch. Nicht ohne Grund wurde der dubarfst-Kalkulator geschrieben.

Wenn wir für uns einkaufen, stehen wir nicht mit der Nährwerttabelle vorm Gemüseregal. Und irgendwie schaffen wir es, doch zu überleben …

Diese Artikel in den Zeitschriften, die immer so herrlich gegen das Barfen wettern, sind nur dazu da, die Angst der Leute zu schüren. Immer wieder hört man von Mangelernährung, Würmern, Salmonellen und Krankheiten.

Dabei wollen wir gerade das alles vermeiden. Räumen wir hier mal etwas mit den Vorurteilen gegenüber dem Barfen auf und lesen Sie mal einen Artikel, der wohl niemals in einer solchen Zeitschrift auftauchen wird.

 

Hoher Fettgehalt von Rohfutter

Rohfutter hat einen höheren Fettgehalt als die meisten Fertigfuttermittel, da dem Rohfutter keine oder nur sehr wenige Kohlenhydrate zugesetzt werden. Das hat nichts mit der Schmackhaftigkeit zu tun! Sehr viele Barfer kämpfen übrigens mit dem Fettgehalt und ihrer Katze, weil die Katze nicht so will, wie der angehende Barfer.

Kohlenhydrate spielen in der naturnahen Ernährung unserer Katzen kaum eine Rolle, da Beutetiere nicht oder nur zu einem extrem geringen Prozentsatz aus Kohlenhydraten bestehen. Wir erinnern uns an den berühmten Mageninhalt der Maus.

Die Katze ist ein fettliebender Karnivore. Katzen decken Ihren Energiebedarf viel effektiver über Fette, als über Kohlenhydrate.

In Trockenfutter sind sehr viele Kohlenhydrate in Form von Getreide enthalten. Damit die Katze aus diesem Futter ihre benötigte Energie gewinnen kann, muss der Katzenkörper sich viel mehr anstrengen. Die Organe, wie zum Beispiel Niere, Leber und auch der gesamte Verdauungstrakt, werden viel stärker belastet.

Minderwertiges Dosenfutter hat vielleicht einen geringeren Fettgehalt. Dafür muss die Katze viel mehr davon fressen, um alle Nährstoffe und auch die notwendige Energie daraus zu beziehen.

Die Energiegewinnung aus Proteinen oder aus Kohlenhydraten ist nicht so effektiv, wie die Energiegewinnung aus Fett. Siehe hierzu „Ernährung von Hund und Katze“, Case, Carey, Hirakawa, Seite 7, Tab. 1-1 Verdauungskoeffizienten und Faktoren.

 

Überlegen wir kurz:

Rohes Fleisch ist besser verdaulich, Nährstoffe und Mineralien sind schneller verfügbar. Die Futtermenge ist geringer, aber die Katze muss mit dem angebotenen Futter ihre Energie decken können. Es sind keine oder kaum Kohlenhydrate im Futter enthalten.

Von daher ist es logisch, dass Rohfutter fettreicher ist. Und wenn Fett dazu noch gute Fettsäuren liefert, welche positiv auf Haut und Fell einwirken, dann ist das doch ein durchaus positiver Nebeneffekt, den wir gerne in Kauf nehmen.

Domestikation der Katze

Es wird gerne darauf hingewiesen, dass es keine Studie gibt, welche belegen kann, dass rohes Fleisch besser von Katzen vertragen wird.

Warum wird in Zoos den Groß- und Kleinwildkatzen dann nicht ein Sack Trockenfutter in die Gehege gezerrt und geöffnet? Oder eine riesige Dose in einen Futtertrog gekippt?

Man hat das mal versucht. Die Tiere sind leider elendig eingegangen.

Jetzt denkt man an ein Gegenargument und möchte sagen, dass unsere Hauskatzen domestiziert sind.

Das stimmt schon. Katzen haben sich selbst domestiziert. Sie haben sich dem Menschen angeschlossen, da es in seiner Nähe gut gefüllte Kornkammern gab. Das Getreide war den Tieren jedoch völlig Schnuppe, sie waren doch nur scharf auf die Mäuse. Die Domestikation unserer Katzen hat also auch nur durch die Maus stattgefunden. Ohne Mäuse keine schmusigen Katzen.

Fertigfutter gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert. Vorher gab es doch nur Küchenabfälle oder Fleischreste. Und Mäuse.

Die Katze hat in den letzten 100 Jahren ihre Verdauung und ihr Gebiss nicht an die Fütterungsvorlieben des Menschen angepasst. Sie ist nach wie vor ein Raubtier, ein Karnivore, ein Beutetierfresser.

Katzen sind einfach nur unheimlich clever und haben bei uns ein tolles Leben. Sie müssen ja nichts mehr tun, die „denaturierte Pseudomaus“ liegt ja täglich im Napf.

Von Domestikation rein biologisch keine Spur.

 

Salmonellen, Würmer und Co.

Um es gleich vorneweg zu nehmen: Es besteht potenziell die Gefahr von Würmern, Salmonellen etc. Nicht umsonst gibt es Hygienemaßnahmen, welche man bei der Verarbeitung von rohem Fleisch treffen sollte.

Salmonellen befinden sich zum größten Teil an der Fleischoberfläche. Spülen Sie daher Fleisch vor der Verarbeitung immer mit kalten Wasser ab. So verringern Sie die Keimbelastung immens.

  • Verwenden Sie nur frisches Fleisch.
  • Nehmen Sie Fleisch, welches für den menschlichen Verzehr geeignet ist.
  • Frisches Fleisch riecht kaum, vor allem riecht es aber nicht sauer.
  • Die Farbe des Fleisches darf nicht gelb, grau oder grünlich sein.
  • Die Oberfläche darf nicht matschig oder schmierig sein.
  • Machen Sie einen Drucktest. Bleibt die Druckstelle lange sichtbar?

Unsere Katze hat einen ausgesprochen guten Riecher. Sie wird kein verdorbenes Fleisch essen, da sie kein Aasfresser ist. Die Katze bevorzugt frisches Fleisch. Vertrauen Sie Ihrer Katze!

Wurmeier sterben nach einiger Zeit bei einer Temperatur von -18°C ab. Die Tiefkühltruhe sollte daher stets und ununterbrochen diese Temperatur beibehalten.

Einen sechswöchigen Entwurmungsrhythmus für roh ernährte Tiere halten wir für irrsinnig. Wenn die oben genannten Maßnahmen bezüglich der Hygiene im Umgang mit Fleisch eingehalten werden, ist die Gefahr extrem gering, dass Ihre Katze erkrankt oder aber sich Würmer entwickeln.

Sammeln Sie ein- oder zweimal im Jahr Kotproben Ihrer Tiere über mehrere Tage und lassen Sie diese auf Würmer untersuchen. Entwurmen Sie dann bei Bedarf.

Etwas Humor zum Schluss

Sie essen gerne Mettbrötchen? Mett besteht aus rohem Schweinehack. Wussten Sie, dass fast 30% der Schweinemastbetriebe mit Salmonellen infiziert sind?

Essen Sie gerne Carpaccio? Carpaccio ist ziemlich flach geschlagenes Rindfleisch. Roh versteht sich. In den letzten Jahren ist diese italienische Vorspeise zu einem richtigen Hype geworden.

Bei all den leckeren rohen Fleischspeisen: Wie oft haben Sie sich in Ihrem Leben schon entwurmen lassen?

Über Katrin Windszus (1 Artikel)
Mein Lebensgefährte und ich lieben Russisch Blau Katzen und engagieren uns für die naturnahe Ernährung von Katzen.
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