Barfen im Urlaub!?

Praktische Tipps & Anregungen

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Der Sommer steht vor der Tür und damit auch die Urlaubszeit. Auch wir Katzen- und Hundehalter brauchen einmal Urlaub und wollen diesen nicht zwingend  auf „Balkonien & Terrassien“ verbringen. Viele von uns nehmen ihre vierbeinigen Freunde mit auf große Reise. Doch wie sieht es mit dem Barfen im Urlaub aus? Nicht immer ist es am Urlaubsort einfach, die Zutaten für eine gesunde Barf-Mahlzeit zu bekommen. Was muss man beachten und welche Möglichkeiten gibt es, Ihren vierbeinigen Freund auch im Urlaub tiergerecht zu ernähren? Wir geben Tipps und Anregungen!

Nun ist es zum Glück wieder einmal so weit – der Urlaub steht vor der Tür! Sie haben ein schönes Feriendomizil gefunden – vielleicht am Meer oder in den Bergen. Dort ist diesmal sogar Ihr vierbeiniger Freund erwünscht. Alles ist gebucht. Sie treffen Ihre Vorbereitungen. Im Prinzip alles reine Routine, fahren Sie doch nicht das erste Mal in den Urlaub. Aber eines ist vielleicht neu: Sie barfen Ihren vierbeinigen Freund seit einiger Zeit.

Sie wollen diesmal also weder einen 20kg Futtersack noch eine Stiege Dosenfutter mit in den Urlaub nehmen. Nicht, dass Sie keinen Platz hätten. Sie haben ein großes Auto. Die neue Ernährungsweise hat Ihrem Liebling einfach so gut getan, dass Sie davon nicht mehr abweichen wollen, nicht einmal für zwei oder drei Wochen. Guter Rat ist gefragt!

Sie haben mehrere Möglichkeiten:

Wenn es Ihnen so geht wie uns, werden Sie sich schweren Herzens für die Urlaubszeit von Ihren vierbeinigen Begleitern trennen müssen. Nicht, dass wir ohne sie fahren wöllten – wenn wir denn schon verreisen – aber alle Tiere mit zu nehmen, die unseren Hof bevölkern, käme einer Umsiedlung gleich.

Auch sehen es Vermieter von Feriendomizilen nicht so gern, wenn zum Beispiel plötzlich hausfremde Enten durch das Foyer watscheln, um anschließend den Pool zu erobern! Und ich sehe es nicht so gern, wenn dann die Hunde anderer Feriengäste meine Enten als Barf-Mahlzeit im Sinne von Selbstbedienung betrachten. Aber Spaß beiseite!

Die in unserem Falle einzig mögliche Lösung ist eine Urlaubsvertretung, die unsere Tiere verantwortungsvoll versorgt. Wir haben das Glück dafür auf Familie und langjährige Freunde zurück greifen zu können. Das ist aus meiner Sicht die angenehmste Variante, wenn man die Tiere schon nicht mitnehmen kann. Sollte das auch auf Sie zutreffen, fragen Sie doch in Ihrer Familie, bei Freunden und vertrauenswürdigen Nachbarn, ob jemand in Ihrer Urlaubszeit die Betreuung Ihrer Vierbeiner übernehmen kann.

Ist das möglich, können Sie die Barf-Mahlzeiten für Ihren Hund oder Ihre Katze ganz normal vorbereiten und in Tagesportionen einfrieren. Ihre „Vertretung“ kann diese dann unkompliziert auftauen und verfüttern. Voraussetzung ist natürlich, sie oder er hat mit der Fütterung von Rohfleisch kein Problem. Hinterlassen Sie, am Besten schriftlich, Ihre Anweisungen zur Fütterung und Betreuung – die „Gebrauchsanleitung“ ihres Vierbeiners sozusagen – und Ihre  Handynummer sowie die Telefonnummern des Tierarztes und/oder Tierheilpraktikers für (hoffentlich nicht eintretende) Notfälle. Haben Sie einen solchen Menschen gefunden, ist das wirklich „ein Geschenk des Himmels“. Sie können nun beruhigt in den Urlaub fahren.

Auch gibt es Tierpensionen, die in solchen Fällen die Betreuung übernehmen. Dies ist natürlich mit Kosten für den Tierhalter verbunden, die unterschiedlich hoch sein können. Es ist nicht unbedingt einfach, eine gute Tierpension zu finden. Leider gibt es auch in diesem Bereich „schwarze Schafe“. Alle Kriterien, die eine gute Pension ausmachen, aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Dies sei jedoch gesagt: Die Betreuer müssen sich auf die Rohfütterung ihres Vierbeiners einlassen können!

Im besten Fall verfügen sie selbst über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, führt das die Unterbringung eines gebarften Hundes oder einer gebarften Katze selbstverständlich ad absurdum! Am Günstigsten finde ich es, wenn der Tierhalter das Futter für seine Tiere mitbringen und sich dann auch darauf verlassen kann, dass es entsprechend gefüttert wird. Auch sollten die Tierpfleger ihre Fachkompetenz durch eine entsprechende Ausbildung und/oder einen Sachkundenachweis belegen können.

Für die Pension selbst muss eine amtstierärztliche Genehmigung vorliegen, eine regelmäßige Betreuung durch Tierärzte und/oder Tierheilpraktiker sollte  gegeben sein. Besuchen Sie die Tierpension rechtzeitig vor Ihrem Urlaub, stellen Sie viele Fragen und achten Sie auf Art und Sauberkeit der Unterkünfte und auch darauf, wie das Personal mit den Tieren umgeht.

Für mich ist diese Variante auch prinzipiell zweite Wahl, da die Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung heraus gerissen werden und zudem nicht mit den ihnen vertrauten Menschen zusammen sein können. Manchmal ist es dennoch sinnvoll, sich dafür zu entscheiden. Man sollte aber die Wahl einer geeigneten Pension mit Bedacht und kritischem Blick treffen, um möglichst böse Überraschungen zu vermeiden.

Kommen wir nun zu „Plan B“:

Ihr vierbeiniger Freund kann und darf Sie auf Ihrer Reise begleiten:

Sie können vor dem Urlaub zu Hause eine ausreichende Menge Fleisch kaufen, die Mahlzeiten wie gewohnt zubereiten und in Tagesportionen einfrieren. Oder Sie kaufen beim Fachhändler fertig portionierte, tief gefrorene Mahlzeiten. Diese sollten Sie gut verpackt und in einer entsprechenden Kühltasche verstaut transportieren. Das ist sicher machbar, wenn Sie nicht gerade mit drei Doggen eine Weltreise unternehmen wollen.

Voraussetzung ist allerdings, dass Sie auch im Feriendomizil über ausreichende Kühlkapazität für den Futtervorrat verfügen. Ist dies der Fall, können Sie wie immer die Portionen auftauen und verfüttern. Wollen Sie sehr weit fahren oder über einen längeren Zeitraum, wird es schwierig, eine entsprechende Futtermenge zu befördern. Auch bleibt trotz optimaler Verpackung ein Restrisiko, dass das Fleisch unterwegs auftaut.

Fahren Sie an einen Urlaubsort, an dem sämtliche Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind, ist alles kein Problem. Sie kaufen einfach beim Metzger oder im Supermarkt vor Ort die benötigten Dinge, mischen diese wie gewohnt zusammen und füttern dann Ihren vierbeinigen Begleiter. Selbst wenn keine ausreichende Kühlmöglichkeit vorhanden ist, können Sie so jeden Tag eine gesunde Futterration zusammenstellen. Ein paar Standardrezepte und einen Mixer bzw. Pürierstab haben Sie sicher mitgenommen. Auch ist es unter Umständen sinnvoll, einige Zusätze im Gepäck zu haben, falls vor Ort doch nicht alles erhältlich ist.

Hier können Sie sich getrost auf das Notwendigste beschränken. Selbst eine unzureichende Supplementierung ist bekanntlich über einen kurzen Zeitraum kein Problem, da der Körper eine Unausgewogenheit innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder ausgleichen kann. Das Nahrungsangebot in der Natur ist auch nicht immer konstant und dennoch leiden die wild lebenden Verwandten unserer Vierbeiner nicht zwangsläufig an Mangelerscheinungen. Also keine Sorge, die Natur hat für solche Fälle vorgesorgt!

Schwieriger wird es, wenn derartige Einkaufs und Kühlmöglichkeiten vor Ort nicht vorhanden sind. Dann müssen Sie auf Alternativen ausweichen. Diese wären zum Beispiel:

Trockenfleisch

Das kann man entweder selbst herstellen, indem man Fleisch trocknet oder aber man kauft es beim Fachhändler. Sie sollten darauf achten, dass das Trockenfleisch ohne Zugabe von Salz und Konservierungsmitteln getrocknet wurde. Ein Kilogramm Trockenfleisch entspricht circa vier Kilogramm Frischfleisch.

Da es sehr viel Wasser aufnimmt, sollte es mindestens zwölf Stunden vor der Fütterung eingeweicht werden, damit es ausreichend vorquellen kann. Weil das Fleisch im Körper noch nachquellen könnte, ist es ratsam, davon weniger zu füttern. Unbedingt muss dem Tier ausreichend Wasser in Trinkwasserqualität frei zur Verfügung stehen.

Gefriergetrocknetes Fleisch

Man bezeichnet dieses Herstellungsverfahren auch als „kalte Verarbeitung“ – schonend, aber technisch sehr aufwendig. So wird das Fleisch bei Temperaturen von -70 bis -80°C schnell tiefgefroren und dann in einer Vakuumkammer getrocknet. Bei Unterdruck verdampft nun das Eis des eingefrorenen Fleisches, ohne zu verflüssigen. Man nennt diesen physikalischen Prozess Sublimation. Anschließend wird der Wasserdampf entzogen, in dem das Vakuum verstärkt und die Temperatur erhöht wird.

Das gefriergetrocknete Fleisch enthält nur eine Restfeuchtigkeit von zwei bis acht Prozent, die Nährstoffverluste sind vergleichsweise gering. Es ist allerdings wegen des hohen technischen Aufwands und des enormen Energieverbrauchs bei der Herstellung auch recht teuer.

Auch hier ist es notwendig, das Fleisch wegen des geringen Feuchtigkeitsgehaltes vor dem Verfüttern ausgiebig in Wasser einzuweichen, um ein Nachquellen im Verdauungstrakt des Hundes oder der Katze zu verhindern. 500g g e f r i e rg e t r o c k n e t e s Fleisch ergeben nach der Zugabe von Wasser etwa eine Menge von 1500g.

Hundewurst

Sie sieht aus wie eine „normale“ Wurst und besteht aus gewolftem Fleisch, je nach Sorte pur oder mit Gemüse vermischt und wird ohne Zugabe von Konservierungsmitteln, Farb-, Aroma-, Duft- oder Lockstoffen hergestellt. Verpackt wird das Ganze in Kunstdarm oder geschmacksneutraler Spezialfolie. Beides ist nicht zum Verzehr geeignet und muss entsorgt werden. Der Vorteil dieser Art der Verpackung besteht darin, dass im Vergleich zu Dosen circa 95% weniger Müll anfällt – eine umweltfreundliche Alternative.

Es ist je nach Hersteller und Sorte 20-40% weniger Flüssigkeit gegenüber Dosenfutter enthalten, das heißt, das Fleisch liegt in konzentrierterer Form vor. Dieser Fakt und spezielle schonende Herstellungsverfahren, über die ich aber wenig in Erfahrung bringen konnte, sollen einen gewissen Rohfleischeffekt erzeugen. Die Firma „ P a n s e n – E x p r e s s “ schreibt, dass ihre „reine Fleischwurst“ für Hunde zwar keine „Rohwurst“ sei, jedoch „ausschließlich aus Fleisch und Innereien bestehe“ und ohne Farb- und Konservierungsstoffe in einem speziellen Verfahren – dem „Autoklavieren“ – haltbar gemacht wird. Dieses sei „vergleichbar mit dem Einwecken/Einkochen von Obst und Gemüse im Wecktopf“.

Hundewürste gibt es bei verschiedenen Fachhändlern in unterschiedlichen Abpackungsgrößen und Sorten, so zum Beispiel mit Pute, Huhn, Rind oder Pansen. Sie ist schnittfest, lässt sich gut portionieren und kann direkt verfüttert werden. Die Wurst soll je nach Hersteller drei Wochen bis zwölf Monate ungekühlt haltbar sein.

Reinfleischdose

Dieses Futtermittel besteht aus purem Fleisch ohne jegliche Zusätze und ist im Fachhandel in verschiedenen Sorten erhältlich, zum Beispiel Huhn, Pute, Rind oder Schaf. Es wird ausschließlich Fleisch verarbeitet. Getreide, Sojaprodukte oder Gemüse findet keine Verwendung. Sie können also die sonst übliche Fleischmenge füttern und nach Belieben Gemüse und anderes zufügen.

Sowohl die Hundewürste als auch die Reinfleischdosen sind keine Futtermittel im eigentlichen Sinne Biologisch Artgerechter Rohfütterung. Jedoch stellen sie eine mögliche Alternative dar, um ein paar Wochen zu überbrücken und somit auch im Urlaub nicht auf herkömmliches Trocken- oder Nassfutter zurück greifen zu müssen.

Gemüse

Wenn Sie sich an einem Urlaubsort befinden, an dem es nicht möglich ist, frisches oder tiefgefrorenes Gemüse zu kaufen, können Sie sich vor der Reise mit Gemüse in Gläschen – sprich Babynahrung – eindecken oder Gemüseflocken beim Fachhändler erwerben.

Ich hoffe, die Anregungen haben Ihnen dabei geholfen, für die Reise gute Alternativen für die gesunde und tiergerechte Ernährung Ihrer vierbeinigen Freunde zu finden. Dann kann es ja jetzt los gehen!

Ich wünsche Ihnen einen schönen und erholsamen Urlaub und viel Freude mit Ihrem tierischen Reisebegleiter!

Über Isabelle Czok-Alm (7 Artikel)
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