Der Tierschutzgedanke …und die Rohfleischfütterung

Das ist doch logisch: Als Tierschützer möchte man, dass Haustiere möglichst tiergerecht ernährt werden. Rohfleisch ist die tiergerechteste Ernährung für Hunde und Katzen. Schließlich läuft in der Natur weder ein Wolf noch eine Kleinwildkatze mit einem Kochtopf herum. 

© Sandra Storch - http://fatvelvetbags.de/ © Sandra Storch - http://fatvelvetbags.de/

Vielen Menschen fällt allerdings erst beim Thema Rohfleisch auf, dass ihre Haustiere mit toten Tieren ernährt werden. Der Fall ist ganz klar: Dosenfutter wächst auf Bäumen und Trockenfutter wird auf Feldern angebaut.

Ekel vor dem Hantieren mit rohem Fleisch ist einer der wesentlichen Hinderungsgründe für viele Tierhalter, Rohfleisch zu füttern. Das ist verständlich, denn ein Hamburger oder eine Currywurst sehen irgendwie ganz anders aus als so ein Stück blutiges Fleisch. Interessant ist hierbei, dass es nicht selten Vegetarier sind, die auf die Idee kommen, für ihre Karnivoren Rohfleisch zu kaufen. Ist das ein Widerspruch? Ich finde nicht. Wer sich Gedanken über die eigene Ernährung macht, der mag sich auch Gedanken über die Ernährung seiner Tiere machen. Dabei stößt man schnell auf die Erkenntnis, dass Hunde und Katzen ganz andere Bedürfnisse haben als wir Allesfresser. Der Ekel vor dem Fleisch ist noch ein ganz anderes Thema. Den kann man überwinden, wenn man das möchte. Nicht mit Gewalt, sondern mit sanfter Geduld und Logik. Hat man sich entschlossen, einen Karnivoren als Haustier zu halten und will man das mit allen Konsequenzen, dann muss man auf die eine oder andere Art Fleisch füttern. Auf die Idee, solche Tiere vegetarisch ernähren zu wollen, werde ich hier gar nicht erst eingehen.

Jetzt habe ich die Qual der Wahl. Das übliche Tierfutter, beziehungsweise der darin enthaltene Fleischanteil, der durchaus gering sein kann, stammt aus konventioneller Schlachtviehhaltung. Es gibt Futtersorten, deren Fleisch aus artgerechter Haltung kommt. Aber auch hier sollte bitte nach dem Fleischanteil gefragt werden. Ist ein Futter mit 30 oder 40% tierischen Anteilen, wenn auch aus Bio-Haltung, für einen Karnivoren eine angemessene Ernährung? Es gibt rühmliche Ausnahmen, aber diese muss man lange suchen und sie stehen nicht im Supermarktregal.

Will man nun barfen, so kann man Fleisch aus art- gerechter Haltung kaufen. Es gibt durchaus bezahlbare Bio-Fleischquellen, dennoch liegen die Preise weit über den üblichen Kosten für Futterfleisch. Wer kann und will das bezahlen? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

Es ist tatsächlich ein tolles Gefühl, seine Tiere mit Biofleisch aus artgerechter Haltung zu ernähren. Ich habe den Eindruck, unsere Katzen mögen es lieber und werden davon satter. Das kann allerdings auch Einbildung sein. Wir haben uns extra eine große Kühltruhe gekauft, weil die Mindestbestellmengen relativ groß sind. Auch haben wir schon viele Sammelbestellungen organisiert. Das macht Spaß und wir lernen viele nette Leute kennen, aber es ist auch zeitaufwändig. Trotzdem. Wenn ich könnte, ich würde meine Katzen zu 100% so ernähren. Aber ehrlich gesagt, das schaffe auch ich nicht. Manchmal fehlen einfach die Zeit und das Geld. Dann gibt es für unsere Katzen Fleisch aus konventioneller Haltung, Sonderangebote aus dem Supermarkt oder Futterfleisch aus dem Versandhandel. Es ist ein Balanceakt. Aber es spricht nichts dagegen, wenigstens ab und zu auf Futterfleisch aus artgerechter Haltung zurück zu greifen, auch wenn man es sich nicht immer leisten kann oder will. Es muss keine Entweder-Oder-Entscheidung gefällt werden. Abwechslung ist ohnehin das A und O. Wenn man es ermöglichen kann, das ist zumindest meine Meinung, dann sollte man die konventionelle Schlachtviehhaltung so wenig wie möglich unterstützen, auch wenn es „nur“ um Hunde- oder Katzenfutter geht.

Dann gibt es noch einen weiteren Aspekt, den Respekt vor den Tieren. Und zwar sowohl vor den eigenen Haustieren, als auch vor den Tieren, die wir an diese verfüttern. Immer wieder, wenn man zum Beispiel in Haustierforen von Kükenfütterung oder gar Frostmäusen schreibt, gibt es Menschen, denen das moralisch aufstößt. Spätestens wenn Fotos gezeigt werden, ist das für so manchen Tierfreund unangenehm. Betrachtet man dies mit purer Logik, ist es eigentlich kein Unterschied, ob ein Küken zerkleinert in einer Dose Futter steckt oder ob es frisch aufgetaut im Ganzen von der Katze oder dem Hund gefressen wird. Gefühle sind jedoch nicht logisch. Ich habe Wochen gebraucht, bis ich mit den Futterküken hantieren konnte. Es sind eben tote Tiere in aller Konsequenz, mit Füßchen, Flaum und Schnabel. Kein mit Aroma- und Farbstoffen angereicherter unkenntlicher Brei aus einer Dose. Damit keine Missverständnisse entstehen: Man kann barfen, ohne auf komplette Futtertiere zurück zu greifen. Selbstverständlich! Allerdings können diese Futtertiere eine sehr gute Ergänzung zum üblichen Fleisch sein. Trotzdem ist es im Normalfall abschreckend, wenn man zum ersten Mal davon hört. Wie sieht so ein totes Küken aus? Und wie sieht es aus, wenn die Katze es frisst? Solche Fragen werden oft gestellt. Wir haben unsere Katzen bei der Fütterung von Küken fotografiert und die Bilder im Forum dubarfst.de veröffentlicht. Auch in dieser Zeitschrift sind solche Fotos zu sehen. Sie zeigen das Raubtier in unseren Sofa-Tigern, bringen die Instinkte, den Spaß und die Begeisterung unserer Tiere beim Jagen und Fressen gut zum Ausdruck. Aber sie zeigen auch das tote Küken. Ist es dem toten Tier gegenüber nicht respektlos, solche Fotos zu veröffentlichen? Ja, ich denke, das ist es. Und dennoch haben wir uns dafür entschieden. Ich verstehe jeden Betrachter, dem diese Fotos nicht nur Begeisterung entlocken. Andererseits finde ich, dass sie die beste Darstellung des Rohfütterns sind und auch darum soll es in dieser Zeitschrift gehen. Es ist eben
natürlich und ursprünglich und Katzen sind nun einmal Raubtiere. Egal, ob das tote Futtertier als solches zu erkennen ist oder ob zerkochter Dosenfutterbrei daraus gemacht wurde: In beiden Fällen handelt es sich um tote Tiere. Da mir aber bewusst ist, dass dies „nur“ die logische Betrachtungsweise dieser Thematik ist, möchte ich mich an dieser Stelle bei all den Leserinnen und Lesern entschuldigen, deren Gefühle durch solche Fotos verletzt wurden. Ich verstehe das. Aber das ist die Realität. Katzen und Hunde fressen Fleisch und Fleisch ist totes Tier. Alles andere ist Augenwischerei. Dosenfutter wächst nicht auf Bäumen und Trockenfutter wird nicht auf Feldern angebaut.

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