Die Feline Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) ist die, gerade bei älteren Katzen, am häufigsten anzutreffende hormonelle Störung. Kennzeichnend für diese Erkrankung ist ein – trotz gutem oder gesteigertem Appetit – andauernder Gewichtsverlust.
Die Schilddrüse (Glandula thyreoidea)
Die Schilddrüse des Fleischfressers besteht aus zwei untereinander nicht verbundenen Schilddrüsenlappen, welche sich unterhalb des Kehlkopfes befinden. Die beiden Schilddrüsenlappen haben eine relative Selbstständigkeit und werden deshalb auch als linke und rechte Schilddrüse bezeichnet. Bei gesunden Katzen ist die Schilddrüse nicht ertastbar. In den Folikelzellen der Schilddrüse werden die beiden jodhaltigen Hormone Trijodthyrosin (T3) und Thyroxin (T4) gebildet, welche als Thyreoglubin in den Folikeln der Schilddrüse gespeichert und erst bei Bedarf freigesetzt werden. Die Ausschüttung dieser beiden Schilddrüsenhormone wird bei der gesunden Katze durch das im Hypophysenvorderlappen gebildete Hormon TSH geregelt.
Weiterhin produziert die Schilddrüse in ihren sogenannten C-Zellen das für den Calcium-Stoffwechsel notwendige Calcitonin und die Nebenschilddrüse das Parathormon, welches den Gegenspieler des Calcitonin im Calcium-Stoffwechsel darstellt.
Die Hauptaufgabe der Schilddrüse bzw. ihrer Hormone Trijodthyrosin (T3) und Thyroxin (T4) besteht in der Regulierung des Energiestoffwechsels und des Wachstums einzelner Zellen und des Gesamtorganismus. Calcitonin und das Parathormon widerum sind verantwortlich für den Einbau von Calcium und Phosphor in die Knochen bzw. deren Freisetzung.
Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion
Verantwortlich für das Auftreten einer Schilddrüsenüberfunktion sind in den allermeisten Fällen (70 bis 75%) gutartige Tumore, sogenannte Adenome, an der Schilddrüse selbst oder an versprengtem Schilddrüsengewebe im Halsbereich oder in der Brusthöhle.
Als Auslöser einer Schilddrüsenüberfunktion kommen in Frage:
- genetische Ursachen,
- ernährungsbedingte Ursachen (hoher Gehalt an schilddrüsenvergrößernden Substanzen in Fertigfuttermitteln, hauptsächlich in Feuchtfutter wie beispielsweise Sojaisoflavone oder zu geringer Jod-Gehalt, aber auch die Aufnahme Schilddrüsenhormon-aktiver Substanzen,
- Umwelteinflüsse (reine Wohnungshaltung, Verwendung bestimmter Katzenstreu),
- Störungen des Hypophysen-Schilddrüsen-Funktionskreises und damit eine Überproduktion von TSH
Die oftmals diskutierten immunologisch-bedingten Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion, wie etwa die Basedow-Krankheit beim Menschen, wurden bei der Katze bislang nicht beobachtet.
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion
Der Großteil der, bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftretenden, Symptome sind auf den gesteigerten Stoffwechsel zurückzuführen, welcher widerum auf die Überproduktion von Trijodthyrosin (T3) und Thyroxin (T4) zurückzuführen ist.
Folgende Symptome treten auf:
- zum Teil extreme Gewichtsverluste (bei > 80% der Katzen mit Hyperthyreose), bei gleichbleibender oder bis zur Fresssucht gesteigerter Futteraufnahme,
- eine gesteigerte Wasseraufnahme (Polydipsie), meist in Verbindung mit einer gesteigerten Urinausscheidung (Polyurie) und Durchfall,
- eine tastbare Vergrößerung der Schilddrüse (bei ca 50% der Katzen mit Hyperthyreose),
- Verhaltensänderungen (Unruhe, Nervosität, Übererregbarkeit, Ängstlichkeit, Aggression),
- Verändertes Fell (langes, seidiges Haar; Einzelhaar zum Teil sehr dünn),
- erhöhte Pulsfrequenz von bis zu über 100 Schlägen pro Minute (Tachykardie), Herzvergrößerungen (Herzhypertrophie) und Erweiterung einer oder mehrerer Herzhöhlen (Herzdilatation),
- Gelbsucht (Ikterus), durch Fettinfiltration – bis hin zur Leberzirrhose.
Als weitere Symptome, wenn auch weitaus seltener können auftreten:
- Nebennierenerschöpfung,
- Atemnot,
- erhöhtes Kotvolumen,
- Haarausfall,
- verminderte Futteraufnahe,
- Erbrechen.
Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion
Allein anhand der Symptome ist eine Diagnose nicht möglich, da eine ganze Reihe weiterer Krankheiten älterer Katzen eine ähnliche oder gleiche Symptomatik aufweisen:
- Chronische Niereninsuffizienz,
- Diabetes mellitus,
- Kardiomyopathie,
- Leberinsuffizienz,
- chronische Enteritis.
Zusätzlich zu den klinischen Symptomen müssen deshalb weitere Diagnoseverfahren durchgeführt werden:
- Bestimmung des T4-Wertes anhand eine Blutbildes: Hierbei wird der Gehalt des Gesamt-Thyroxin oder besser des freien, nicht an Proteinen geundenen Thyroxins (fT4) bestimmt. Der Normalwert von T4 bei der Katze liegt bei 1,1 bis 4,5 µg/dl, bzw. für fT4 bei 1,0 bis 2,8 ng/dl,
- T3-Suppressionstest: Nach Verabreichung von synthetischen Trijodthyrosin wird bei einer gesunden Katze die Ausschüttung von TSH und Thyroxin vermindert, während bei einer Katze mit einer Schilddrüsenüberfunktion keine oder nur eine geringe Verminderung der TSH- und T4-Ausschüttung erfolgt.
- Szinthigrafie: Bei dieser bildgebenden Methode wird der Katze ein radioaktiv markierter Stoff verabreicht, welcher sich in der Schilddrüse anreichert. Anschliessend wird mittels einer speziellen Kamera die Schilddrüse sichtbar gemacht. Die Szinthigrafie ist auch die einzige Methode mittels derer versprengtes Schilddrüsengewebe im Halsbereich oder der Brusthöhle untersucht werden kann,
- Sonografie (Echografie; Ultraschall): Mittels Sonografie, als weiteres bildgbendes Diagnoseverfahren, lassen sich Vergrößerungen der Schilddrüse bei hyperthereoten Katzen gut nachweisen.
Therapie einer Schilddrüsenüberfunktion
Die zur Anwendung kommenden Therapiearten sind abhängig von den ermittelten Laborbefunden. Zur Anwenung kommen hierbei im schulmedizinischen Bereich:
- Medikamente (Thyreostatika) zur Hemmung der Schilddrüsenhormon-Synthese, bzw. zur Hemmung des Jod-transportes in den Zellen der Schilddrüse,
- Operative Entfernung eines oder beider Schilddrüsenlappen (Thyroidektomie) – diese Methode birgt gerade bei stark hyperthereoten Katzen ein hohes Narkoserisiko,
- Die Radiojodtherapie ist die schulmedizinische Methode, welche von den Katzen am besten vertragen wird. Hierbei wird der Katze radioaktives Jod-131 verabreicht, welches sich in der Schilddrüse einlagert und umliegendes (überschüssiges) Schilddrüsengewebe zerstört. In der Regel ist hierbei nur eine Anwendung erforderlich um die Produktion der Schilddrüsenhormone zu reduzieren und damit eine "Heilung" zu erzielen. Aufgrund gesetzlicher Vorschriften wird sie allerdings nur in wenigen, speziellen Tierkliniken angeboten.
Im naturheilkundlichen Bereich orientiert sich die Therapie ebenfalls an den Laborbefunden und der ganzheitlichen Symptomatk. Im Bereich der Homöopathie stehen dem Therapeuten neben zahlreichen Einzelmitteln auch einige Komplexhomöopathika zur Verfügung, welche speziell auf die Schilddrüsenüberfunktion abgestimmt wurden.
Desweiteren können auch Phytotherapien, Neuraltherapien und zytoplasmatische Therapien zum Einsatz kommen.
Ernährung einer Katze mit Schilddrüsenüberfunktion
Aufgrund des bei einer Schilddrüsenüberfunktion stark Beschleunigten Stoffwechsels und der damit verbundenen geringeren Nährstoffausbeute aus dem Futter ist unbedingt auf eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr mit der Nahrung zu achten.
Die Nahrung sollte deshalb leicht verdaulich, hochenergetisch, sowie eiweiß und vitaminreich sein. Aufgrund der leichteren Verwertbarkeit für die Katze sind tierischen Proteinen der Vorzug zu geben, hier vor allem bindegewebsarme Teilstücke mit einem erhöhtem Fettgehalt.
Da durch eine Schilddrüsenüberfunktion eine bestehende oder beginnende Niereninsuffizienz überdeckt werden kann, ist - neben der Qualität der Proteine -besonderes Augenmerk auf die fettlöslichen Vitamine zu legen, um eine zusätzliche Hypervitaminose zu verhindern.
Vermieden werden sollten in jedem Fall alle reizenden Substanzen, wie etwa gewürzte Tischabfälle. Aber das ist ja selbstverständlich...
© 2008 Peter Alm, "dubarfst - Das Barf-Magazin", Ausgabe 2/2008 (Heft 6)
Klicken Sie auf ein Bild, um weitere Informationen zu einem Artikel zu
erhalten. Über die "
" - Schaltflächen fügen Sie einzelne
Artikel der Bestellung hinzu. Ihren Einkauf können Sie jederzeit nach einem Klick auf "Warenkorb anzeigen"
abschließen.